Aerobicturnerinnen weichen nach Buchholz aus - VON MATTHIAS FREESE

Angst vor dem Aus

Aus 64 Platten besteht der spezielle Hallenboden der Aerobicturnerinnen, den der TuS Rotenburg vor einigen Jahren angeschafft hat und der mittlerweile in Buchholz fest verlegt ist.
 ©Matthias Freese

Rotenburg. Ist Rotenburg eine Sportstadt, wie von den jeweils amtierenden Bürgermeistern betont wird? Friedrich Behrens hat da so seine Zweifel. „Sportstadt – das ist übertrieben. Wenn wir das wären, müssten wir auch mehr dafür tun“, sagt der frühere und langjährige Handball-Boss des TuS Rotenburg. Dabei geht es dem 60-Jährigen, der für die CDU im September gerne in den Stadtrat einziehen würde, nicht nur um „seine“ Sportart. Behrens kritisiert vielmehr den Umgang mit den Aerobicturnerinnen.

Zwar ist Rotenburg eines von vier bundesweiten Aerobicturn-Zentren des Deutschen Turner-Bundes (DTB), aber die Bundeskaderathleten trainieren bereits seit einem Jahr nicht mehr hier, sondern in Buchholz im Kreis Harburg. Das Problem ist der aufwendig zu verlegende und aus 64 Holzplatten bestehende Hallenboden. „Der Aufbau dauert über eine Stunde“, klärt Maike Niederschulte, Zentrumsleiterin und gleichzeitig Spartenleiterin im TuS Rotenburg, auf. Der spezielle Untergrund darf jedoch in keiner Halle in Rotenburg fest liegenbleiben. „Wir können nicht alle Wünsche erfüllen. Wir haben eine solche Halle nicht, weil sie auch für den Schulsport genutzt werden“, bestätigt Bürgermeister Andreas Weber (SPD). Deshalb liegt der Boden seit 2020 für Trainingszwecke in einem stillgelegten Baumarkt, den Blau-Weiß Buchholz umgebaut hat. „Wir sind das Zentrum mit den meisten EM-Teilnehmern, haben aber die schlechtesten Bedingungen, weil wir in Rotenburg keinen festverlegten Boden haben“, sagt Niederschulte und sieht dadurch ein großes Problem auf ihr Aerobicturn-Zentrum Nord zukommen: „Wir stehen kurz davor, den Stützpunkt zu verlieren!“ Eben an Buchholz.

Hier wiederum kommt Friedrich Behrens ins Spiel. Der Investor, Bauherr und Vermieter plant im Zuge der Erweiterung des Obi-Marktes auch den Neubau des Fitnesscenters Highlight – Fertigstellung Ende 2022. Eine weitere 400 Quadratmeter große Fläche auf diesem Areal hat er bereits Niederschulte und dem TuS Rotenburg angeboten: „Das wäre ideal für sie. Ich würde sie unterstützen“, betont Behrens. Die Aerobic-Trainerin ist begeistert, weiß aber: „Diese Möglichkeit kostet viel Geld. Dafür brauchen wir ein vernünftiges Finanzierungskonzept.“ Der Vereinsvorsitzende Rolf Ludwig ist skeptisch: „Das können wir uns nicht leisten“, sagt er. Niederschulte schwebt wiederum ein auf drei Jahre ausgelegtes Start-up-Projekt vor, finanziert möglichst über Sponsoren: „So absurd ist es nicht.“ Die Trainerin des Jahrzehnts denkt daran, dass diese Halle insbesondere vormittags von anderen Sportlern des Vereins genutzt werden könnte: „Seniorensport, Gesundheitssport, Krabbelgruppen – es geht nicht nur um Aerobic. Wir könnten als Verein viele Kurse anbieten.“

Niederschulte, die in ihrem Verein 80 Aerobicturnerinnen und sieben lizenzierte Trainer zählt, hatte jahrelang darum gekämpft, dass Rotenburg zum Zentrum Nord wird. Nun fürchtet sie die „Aberkennung des Stützpunktes“. Kurzfristig sei der Standort gerettet, da mit Buchholz eine Trainingsgemeinschaft gebildet wurde. Aber blieben die Bedingungen so, „sagt der DTB Tschüss und Rotenburg wird den Standort in den nächsten drei Jahren verlieren.“

Friedrich Behrens hat sie auf ihrer Seite. „Leider werden einigen Sportarten in Rotenburg nicht die Trainingsmöglichkeiten und Rahmenbedingungen geboten, die sie wirklich benötigen“, sagt er. Er kenne die Hallenprobleme auch aus seiner Zeit als Vorsitzender der Handball-Sparte, der er immer noch als Berater zur Seite steht. Hier ging und geht es neben Trainingsausfällen „aufgrund von Reinigungsarbeiten, Renovierungsarbeiten oder anderweitigen Belegungen“, wie Behrens aufzählt, vor allem um die nicht erlaubte Benutzung von Haftmittel, der sogenannten Backe. „In der jetzigen Oberliga gibt es in ganz Niedersachsen keine weitere Halle, wo das Spielen mit Backe verboten ist“, betont Behrens mit Blick auf den Außenseiterstatus seines Oberligisten. „Auswärtige Spieler gehen auch nur dorthin, wo mit Backe gespielt wird. In anderen Hallen ist es erlaubt und in den meisten Fällen übernimmt die Stadt die Reinigungskosten.“ Behrens bietet an: „Wir sind ja bereit, in eine Reinigungsmaschine zu investieren.“ Der Landkreis, Eigner der Pestalozzihalle, habe bisher jedoch keine Bereitschaft signalisiert, etwas zu ändern. Mehrmals habe er das Thema auch in der Politik angesprochen, sei aber nicht weitergekommen, so Behrens. „Gerne hätte ich die Handballer gemeinsam mit Michael Polworth in die 3. Liga geführt, was aber aufgrund der Rahmenbedingungen nicht möglich war. Irgendwann bist Du als Ehrenamtlicher frustriert und hast keine Motivation mehr“, sagt Behrens. Wie schnell ein Sprung nach oben gelingen könne, „sieht man ja jetzt an Bissendorf und Fredenbeck“ – beide Teams rückten über die Aufstiegsrunde hoch. „Mit denen waren wir ja schon auf Augenhöhe.“

Obendrein bemängelt Behrens: „Neben dem Spitzensport zeichnet sich eine Sportstadt durch eine gute Infrastruktur für den Sport aus. Die Schulsporthallen in Rotenburg sind aber zum Teil renovierungsbedürftig und stehen den Vereinen aufgrund des Schulsports erst ab 17 Uhr zur Verfügung.“ Außerdem solle das Angebot an Sportarten im Breitensport für eine Sportstadt viel größer sein. Das wiederum sieht Weber anders: „Man braucht doch bloß in die Nachbarschaft zu gucken, was in anderen Städten gleicher Größe angeboten wird“, sagt er. Und: „Wir können stolz auf unsere Sportanlagen sein.“ Behrens sieht das etwas anders: „Es fehlt an Kapazitäten“, meint er und plädiert für eine zusätzliche Halle.

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