250 Gäste bei Infoveranstaltung des IPPNW im Buhrfeindsaal - Von Karen Bennecke

„Keine Betriebsgeheimnisse“

Professor Michael Schulte vom Diakonieklinikum (von links), der Toxikologe Dr. Hermann Kruse, Moderatorin Angela von Beesten, Ärztin Christiane Qualmann und WVV-Geschäfsführer Volker Meyer informierten die Bürger.
 ©Karen Bennecke

Rotenburg. Fracking mobilisiert immer noch viele Rotenburger – das bewiesen die 250 Besucher der Informationsveranstaltung im Buhrfeindsaal am Mittwochabend, zu der die Rotenburger Ärzte der IPPNW (Ärzte in sozialer Verantwortung) geladen hatten.

Professor Michael Schulte vom Rotenburger Diakonieklinikum wies auf die zeitgleich stattfindende Weltklimakonferenz in Bonn hin und brachte das Thema des Abends auf den Punkt: „Hier und dort geht es um zivilisatorische Einflüsse auf Umwelt und Gesundheit, die von Menschen wie US-Präsident Donald Trump und den Lobbyisten der Erdgasindustrie bestritten werden. Obwohl wir uns in einem christlichen Krankenhaus befinden, gehen wir davon aus, dass Krebserkrankungen nicht gottgegeben sind und dass vor allem Krebscluster, wie wir sie bei uns vorfinden, zivilisatorisch bedingt sind.“

Seit 2014 diskutiert die Region über erhöhte Krebsraten. Die Auswertung des Epidemiologischen Krebsregisters Niedersachen hatte eine erhöhte Zahl von Blutkrebs-Neuerkrankungen bei Männern zwischen 2003 und 2012 ergeben. 21 Neuerkrankungen wären statistisch zu erwarten gewesen, tatsächlich waren es 41 – also etwa 100 Prozent mehr.

Die Befragungsstudie in Bothel, durchgeführt durch das Gesundheitsamt Rotenburg und das Landesgesundheitsamt Niedersachsen, habe außerdem eine signifikant kleinere Entfernung des Wohnorts der Erkrankten zu Bohrschlammgruben und zu Erdgasförderanlagen als bei der gesunden Kontrollgruppe ergeben, erklärt Hausärztin Dr. Christiane Qualmann. „Das sind belastbare Hinweise für einen Zusammenhang zwischen den Bohrschlammgruben und Erdgasförderstätten und den Blutkrebsneuerkrankungen“, so Qualmann. „Aus unserer Sicht heißt das, dass gemäß dem Vorsorgeprinzip alle möglichen Maßnahmen zum Schutz der Bevölkerung vor gesundheitsschädigenden Stoffen aus den Bohrschlammgruben und Erdgasförderanlagen umgesetzt werden müssen.“

Der Chemiker Dr. Hermann Kruse vom Institut für Toxikologie und Pharmakologie der Universität Kiel gab einen umfassenden Überblick über die Zusammenhänge zwischen Schadstoffbelastungen und Gesundheitsrisiken, beschrieb Messverfahren und betonte: „In Regionen mit hohen technischen Aktivitäten wie beispielsweise die Erdgasförderung muss die Gesundheit der Bevölkerung überwacht werden.“

Die Beobachtung der Arztpraxen sei dabei sehr ernst zu nehmen. Gezielte Emissionsmessungen sollten am besten „direkt an der Quelle, wo die Schadstoffe rauskommen“ durchgeführt werden. Die Immissionsmessungen in Rotenburg – also der Schadstoffe, die in Luft, Boden und Wasser sowie beim Menschen ankommen – kritisierte er als völlig unzureichend.

Außerdem wies Kruse auf den Fall einer Familie hin, deren Blutanalyse leicht erhöhte Benzol-, Toluol- und Quecksilberwerte ergeben hätte. „Es ist merkwürdig, dass es gerade drei Stoffe sind, die auch beim Fracking freigesetzt werden. Ich möchte diesen Einzelfall nicht überbewerten, aber es ist für mich dennoch ein Indiz, dass in der Umgebung dieser Familie eine erhöhte Belastung durch diese Stoffe vorgelegen hat.“

Wichtig sei auch zu wissen, dass Schadstoffe erhebliche gesundheitliche Auswirkungen haben könnten, ohne durch eine Blut- oder Urinuntersuchung nachweisbar zu sein. „Beispielsweise kann Benzol, das im Blut eine sehr kurze Halbwertszeit hat, schon massive Schäden hinterlassen haben, indem es in kürzester Zeit eine Wirkung Richtung Blutkrebs auslöst, aber es ist bei einem Human-Monitoring nicht mehr erkennbar.“ Aus toxikologischer Sicht gäben die statistischen Erhebungen zu den Blutkrebserkrankungen im Raum Rotenburg aber bereits deutliche Hinweise auf Schadstoffe als Verursacher: „Dem muss auf jeden Fall weiter nachgegangen werden.“

Kruse empfahl Biomonitoring und forderte, alle vorliegenden Messdaten müssten freigegeben und zusammengetragen werden: „Ich finde, es darf keine Betriebsgeheimnisse geben, wenn es um die Gesundheit der Bevölkerung geht.“ Er selbst habe immer wieder nachgefragt mit dem Angebot, die Ergebnisse der Messungen auszuwerten, aber keinerlei Daten erhalten: „Das ist mir völlig unverständlich.“

Rotenburgs Bürgermeister Andreas Weber (SPD) versprach, beim Arbeitskreis Erdgas und Erdöl – dem auch die verschiedenen Erdgasunternehmen sowie das Landesbergamt angehörten – die Freigabe aller Messdaten einzufordern. In Bezug auf die Finanzierung des Biomonitoring sah er Land und Bund einerseits und die beteiligten Erdgasunternehmen andererseits in der Pflicht: „Es kann nicht sein, dass die, die das Erdgas fördern, ausschließlich den Profit machen und der Steuerzahler für mögliche Folgen bezahlen muss.“

Volker Meyer, Geschäftsführer des Wasserversorgungsverbandes Rotenburg-Land, informierte ausführlich über die Rotenburger Rinne, die jährlich knapp fünf Millionen Trinkwasser liefere. Er kritisierte in seinem Vortrag die Informationspolitik einiger Erdgasunternehmen und forderte: Keine Erdgasaktivitäten in Wasserschutzgebieten, auch nicht in der Nähe. Vorranggebiete müssten ebenfalls ausgenommen werden.

Gleichzeitig beruhigte er die Anwesenden: Noch seien bei den regelmäßig stattfindenden Untersuchungen gemäß Trinkwasserverordnung keinerlei Auswirkungen gemessen worden. Allerdings wisse er durch einen Pressesprecher von Exxon, dass das Unternehmen weiterhin beabsichtige, an allen Bohrstellen zu fracken, auch an der Bohrstelle Z11: „Da haben sie jetzt schon 25 Millionen investiert, die wollen sie wieder rausholen.“

Durch die neue Gesetzgebung könne man zwar dagegen angehen, aber: „Ob das eine Chance auf Erfolg hat, ist eine andere Frage.“ Weber wies darauf hin, dass auf Betreiben des Stadtrats die Seitenarme der Rotenburger Rinne – „dazu zählt auch der Seitenarm, der an Bötersen vorbeiläuft“ –, im zweiten Entwurf der neuen regionalen Raumordnungsplanung als Vorranggebiet definiert worden seien. „Wir haben die Hoffnung, dass jetzt nicht mehr gebohrt, gefrackt und verpresst werden darf.“

Die Fragen und Forderungen der Bürger bei der abschließenden Diskussion zeigten das Ausmaß an Sorgen und Skepsis, die beim Thema Fracking vorherrschen.

Martinsfest in Oyten
Martinsfest in Oyten
Sowohl der Laternenumzug als auch der Martinsmarkt am darauffolgenden Tag lockten die Oytener ins Freie. Fotos: Elke Keppler-Rosenau

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Sowohl der Laternenumzug als auch der Martinsmarkt am darauffolgenden Tag lockten die Oytener ins Freie. Fotos: Elke Keppler-Rosenau

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13.11.2017

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Schauturnen TV Sottrum - Part 1
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Fotos: Antje Holsten-Körner

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12.11.2017

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