18. „Oper & Operette auf dem Bauernhof“ in Waffensen voller Erfolg - Von Henning Leeske

Papageno sucht Papagena

Ob Romeo und Julia oder der Karneval in Venedig: Den Besuchern des 18. "Oper und Operette" wurde einiges geboten. Fotos: Henning Leeske
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Waffensen. Ein lauer Sommerabend im malerischen Bauerngarten der Familie Holsten und dazu zwei Stunden hochklassige Opernmusik sowie ein bisschen Operette beschreibt in kurzen Worten das rundum gelungene Konzert des Landvolks Verden-Rotenburg. Das hatte zum 18. Mal die Maschinenhalle bei den Holstens gefüllt. „Jetzt, mit 18, sind wir volljährig“, stellte Moderatorin Martina von Ahsen fest, die sich später als kabarettistische Bundestagsrednerin versuchte.

Die flotte Ouvertüre gaben drei Solisten passenderweise mit „Auf dem Lande ist’s so schön“. Der szenisch starke Äncas Humm sang bei den „Fünftausend Talern“ vom lieben Geld und der Liebe in Albert Lortzings „Wildschütz“. Die starke Sopranstimme von Szabina Schnöller erreichte als Puccinis „Tosca“ jedes Herz in der randvollen Maschinenhalle. Mit ihrem gewaltigen Stimmvolumen legte sie jederzeit ob der Tragik in der Arie „Viss d’arte“ nach und rief bei den meisten der 500 Zuhörer Gänsehaut hervor. Nur das Klappern der Biergläser an der Theke holte die Musikliebhaber aus der Welt der Tosca zurück.

Der Tenor Michael Hyokun Ha brillierte als Toscas Geliebter Mario mit seiner schönen Intonation bei „E lucevan le stelle“. Szenisch zwar etwas schwach, überzeugte er mit seiner emotional mitreißenden Stimme, die wirkte, als durchlebe er Marios Schicksal vor der Hinrichtung selber.

Die beiden stimmgewaltigen Sangeskünstler Schnöller und Hyokun Ha drehen erwartungsgemäß bei „La Boheme“ richtig auf. Sie brachten anschließend bei „Romeo und Julia“ mit ihrer vollen Power auch in den hohen Stimmlagen letztendlich auch das letzte Gehörknöchelchen in Schwingungen.

Bei der bekannten Melodie vom „Karneval in Venedig“, dargeboten vom künstlerischen Leiter Adrian Rusnak am Piano und Arevik Khachatryan an der Flöte, durfte das Publikum etwas verschnaufen.

Dann war es soweit, Mozarts „Zauberflöt“e ist endgültig in der Moderne angekommen: Denn Humm suchte als Papageno mit einem Smartphone und der Sprachfunktion nach seiner Papagena. Seine gesangliche Sicherheit erlaubte ihm dabei die kleinen szenischen Spielereien als doch schmächtiger Bariton.

Genau richtig vor der Pause luden die drei Sänger mit „Brindisi“ aus „La Traviata“ zum Trinkgelage. Das emsige Team von Ehepaar Holsten konnte dem auch für die Gäste nachkommen.

„Das Leben ist schön“: Bei der kleinen Franz-Lehár-Einlage des Tenors sprudelte es dann nur so heraus aus Hyokun Ha. Im Duett mit Schnöller feierten die beiden ein wahres Fest der Liebe, freilich ganz nach Lehár beim Wiener Heurigen. Ein paar Achterl zu viel hatte dann Humm mit „Jung san ma! Fesch san ma!“, der eindrucksvoll den trinkfesten feschen Burschen auf der schön dekorierten Bühne in Waffensen gab.

Mit der Polonaise von Wieniawski bewiesen Vater und Sohn, Adrian und Vasilij Rusnak, beim instrumental familiären Intermezzo, dass sie auch das ernste Genre perfekt beherrschen.

Als Nachwuchskünstlerinnen der Kreismusikschule kamen Rebecca Ehlers und Ramona Renk zu ihrem großen Auftritt und zum Förderpreis. Als Idealbesetzung zeigte sich Hyokun Ha beim „Land des Lächelns“, weil er wirklich sein ganzes Herz dem Publikum gesanglich hergab.

Noch mehr Wiener Kaffeehausgemütlichkeit zog mit der Tanzgräfin von Stolz und der klassischen „Fledermaus“ von Lehár in Waffensen ein. Der Vizekreislandwirt Christian Intemann aus Bothel war genau so begeistert wie der Rest des Publikums und der Vertreter des Sponsors von der Wümme-Wieste Volksbank Matthias Dittrich.

Nach drei Zugaben mit dem brillianten „O Sole mio“ von Hyokun Ha als gleichzeitiger Höhe- und Schlusspunkt entließen die Künstler die Zuhörer. An den beiden folgenden Abenden konnten insgesamt noch weitere 1.000 Opernfans die Musik genießen.

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