Regenrückhaltung als eine Herausforderung und ein naturnahes Ersatzbiotop - Von Christiane Looks

Wenn es zu viel Niederschlag gibt

Naturnahes Regenrückhaltebecken geplant, ein Kleinod geschaffen. Und ein Ort mit Hecken und Blühwiesen, der einen Ausflug lohnt. Foto: Joachim Looks
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Brockel. Die Grünkohlwanderung mit Freunden war kalt, aber die Gastgeberin servierte zum Aufwärmen ostfriesischen Tee. Während die duftende Teetasse in den kalten Händen ein wohliges Gefühl von Wärme verbreitete, tauchte die Frage auf, was das Besondere dieses Tees ausmache. Unsere Gastgeberin, waschechte Ostfriesin, entzauberte alle mystischen Spekulationen: das Wasser. Große Teile Ostfrieslands liegen unter dem Meeresspiegel und Grundwasser kann dort nicht als Trinkwasser genutzt werden. Also wurde Regenwasser von Dächern in unterirdischen Zisternen aufgefangen und als Trinkwasser genutzt. Es schmeckte nicht, musste aus hygienischen Gründen abgekocht werden und Tee mundete nur in einer durch Probieren für diese Bedingungen entwickelten Mischung.

Nicht nur in Ostfriesland wurde Regenwasser in unterirdischen Behältnissen aufgefangen. In städtisch geprägten Regionen mit knappen Flächen gibt es Zisternen, in denen Starkregen kurzzeitig aufgefangen wird, um Niederschlagsmengen später kontrolliert abzugeben – eine Wohltat für all diejenigen, die unangenehm erfahren mussten, dass ihre Badezimmer unmittelbar mit städtischen Kanalisationen verbunden sind.

Mittlerweile wird die Ableitung von Regenwasser in öffentliche Abwasserleitungen nicht mehr gestattet. Trotzdem bereiten Starkregenfälle bei weitgehend versiegeltem Boden große Probleme, denn Wasser sucht sich seinen Weg und wenn dies nicht geregelt wurde, finden sich plötzlich Seen, wo sie überhaupt nicht erwünscht sind. Also werden Regenrückhaltebecken gebaut und weil wenig Platz ist, sind die häufig so auf kleinsten Raum gequetscht, dass ein Zaun nötig wird, um einen unvorhergesehenen Sturz in das Becken zu verhindern, denn ein problemloses Herauskommen stellt schon eine sportliche Leistung dar. Wenig verheißungsvoll außerdem die Aussicht für den Nachwuchs von Kröten und Fröschen erfolgreich in so einem technischen Gewässer aufzuwachsen, weil bei fast regelmäßig auftretender Frühjahrs-Trockenheit keine Chance besteht, in einem ausgetrockneten Überlaufbecken zu überleben. Es geht aber auch anders: sanfte Ufer, Flachwasserzonen, Buchten, vielfältige Umgebung – ein technisches Bauwerk kann bei entsprechender Gestaltung zu einem wichtigen Ersatzlebensraum werden. Das Problem: es gibt Anforderungen, die erfüllt werden müssen. Ein praxisnaher Mathematikunterricht greift gerne diese Thematik auf und lässt diverse Regenrückhaltebecken-Fallbeispiele durchrechnen. Wer ein naturnahes Ersatzbiotop zur Rückhaltung plant, kommt um diese Modellrechnungen jedenfalls nicht herum, denn in erster Linie hat ein entsprechendes Bauwerk technischen Anforderungen zu entsprechen, da es in Starkregenjahren durchaus passiert, dass 30 bis 40 Mal eine Regenüberlaufmöglichkeit nötig wird. Das stellt Gemeinden vor große Herausforderungen, bedeutet aber auch Chancen, sogenannte Sekundärbiotope für Kröten, Frösche, Libellen und verschiedene Vogelarten zu schaffen.

Die Gemeinde Brockel löste ihr Problem, anfallendes Niederschlagswasser verzögert und kontrolliert bei starkem Regen abzuleiten, vorbildlich durch den Bau eines naturnahen Regenrückhaltebeckens mit tatkräftiger Hilfe durch Sarina Pils, die im Nabu-Team als Landschaftsökologin Interessierte in Naturschutzfragen berät, aber auch Naturschutzprojekte plant und durchführt. Gemeinsam wurde ein Kleinod geschaffen, das gemeindeübergreifend Aufmerksamkeit weckt und einen Ausflug lohnt.

Wie finden Interessierte den Ort? Wer in der Brockels Ortsmitte in die K 209 Richtung Windmühle Anneliese fährt und nach der Mühle in die erste Straße rechts (Ahstallweg) Richtung Hemsbünde abbiegt, gelangt nach drei fast rechtwinkligen Kurven an das Gelände des Rückhaltebeckens. Es verfügt über Parkplätze und hat einen kleinen Rundweg, der an Hecken, Blühwiese, Ausguck, Sitzgelegenheit und dem Überlaufbecken vorbei führt. Zahlreiche Informationstafeln geben Auskunft über das, was hier angelegt wurde – ein wahres Vorzeigeprojekt.

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