Polizei wertet Kriminalstatistik für den Landkreis Rotenburg aus - Von Andreas Schultz

9,75 Prozent mehr Diebstähle

Gehört ebenso zur polizeilichen Arbeit wie die Ermittlungen am Tatort: Auswertung der Kriminalstatistik durch die Analysestelle.
 ©Polizei

Landkreis Rotenburg. 10.205 Straftaten, eine Aufklärungsquote von 61,34 Prozent: Die Polizei wertet die Kriminalstatistik für den Landkreis Rotenburg aus. Oberflächlich betrachtet sind die Zahlen von 2015 nahezu die gleichen wie die des Vorjahres (10.185 Taten, 61.04 Prozent). Die Häufung der Delikte hat sich jedoch leicht verschoben.

Großen Zulauf hat der Statistik zufolge vor allem die Sparte Diebstähle. Mit 4.073 Taten hatte es die Polizei im Landkreis im vergangenen Jahr zu tun. Die Beamten bezeichnen diesen Tätigkeitsbereich ihrer Arbeit als den „Löwenanteil“ – und der ist im Vergleich zum Vorjahr um 9,75 Prozent gestiegen. „Besonders fiel ein starker Zuwachs an Ladendiebstählen auf“, heißt es von Seiten der Beamten. Die Zunahme erklären sie sich hauptsächlich mit Aktivitäten osteuropäischer Tätergruppen, die von Tatort zu Tatort reisen.

„Was weiterhin Sorge bereitet, ist der bundes- und landesweite Anstieg an Wohnungseinbrüchen“, so die Polizei weiter. Im Landkreis stieg die Zahl von 2014 auf 2015 um 33 auf 350 Taten, also immerhin um rund 10 Prozent. Dazu zählen auch Taten, die die Diebe vorzeitig unterbrachen, zum Beispiel wegen Störung. Mit 108 aufgeklärten Fällen verzeichnen die Ermittler eine Aufklärungsquote von mehr als 30 Prozent. Der landesweite Schnitt liegt bei 22 Prozent. „Die überdurchschnittliche Aufklärungsquote der Wohnungseinbrüche ist das Ergebnis einer seit Jahren eingesetzten Ermittlungsgruppe, die sich ausschließlich um diese Fälle kümmert“, lobt Kriminaloberätin Petra Guderian, Leiterin der Kriminalpolizei.

Einen leichten Rückgang verzeichnet die Statistik bei den Körperverletzungen. Mit 1.100 Fällen hat sich die Polizei des Landkreises 2015 auseinandergesetzt. „Möglicherweise tragen Präventionsprogramme, die die Polizei in Zusammenarbeit mit Schulen durchführt, erste Früchte“, mutmaßen die Beamten. Da die Personalien der Täter in den meisten Fällen bereits bekannt waren, liegt die Aufklärungsquote bei 91,82 Prozent.

Rückgang gab es auch bei der Zahl der straffällig gewordenen Kinder und Jugendlichen. Waren 2014 noch 181 Kinder und 514 Jugendliche aufgefallen, sind es im Jahr darauf nur noch 155 beziehungsweise 482.

Mit Mordfällen mussten sich die Beamten 2015 nicht auseinandersetzen. Mit versuchter Tötung hatten sie dennoch zu tun. Insgesamt sechs Fälle gehen in diese Richtung. Als „spektakulärsten Fall“ betrachten die Beamten den Nachbarschaftsstreit in Selsingen, der eskalierte, als einer der beiden Streithähne eine Waffe zog und auf seinen Kontrahenten schoss. Darüber hinaus mussten die Beamten bei einem Beziehungsstreit wegen eines gewaltsamen Schwangerschaftsabbruchs ermitteln. Der Verdacht eines Schütteltraumas bei einem wenige Wochen alten Baby und vermutlich mutwillig losgelöste Radmuttern führten dazu, dass die Polizei wegen versuchten Totschlags Nachforschungen anstellte.

Ein Blick über den Tellerrand des Landkreises verrät, dass die Zahlen bei den Nachbarinspektionen steigen. Für die Polizeidirektion Lüneburg, zu der auch die Inspektion Rotenburg gehört, wächst die Zahl der Straftaten um insgesamt 5.000. Das bedeutet einen Anstieg von 6,48 Prozent. Vor allem Harburg, Lüneburg und Celle verzeichnen mit teilweise mehr als zehn Prozent den größten Zuwachs.

Von „Entwarnung“ spricht die Polizei hingegen im Bezug auf „die öffentlich geführten Diskussionen um einen möglichen Anstieg der Kriminalität durch den Zuzug von Flüchtlingen und Asylbewerbern“. Guderian: „Wir können anhand einer detaillierten Auswertung nichtdeutscher Tatverdächtiger klar erkennen, dass der Großteil dieser Täter aus dem östlichen Europa und der Türkei stammt.“ Der Teil der durch Ausländer begangenen Straftaten habe sich nicht erheblich verändert. Flüchtlinge spielen laut Polizei in der Gesamtbetrachtung der Kriminalstatistik eine eher untergeordnete Rolle.

Autor

Andreas Schultz Andreas Schultz
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 andreas.schultz@rotenburger-rundschau.de

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