Pavillonbetrieb: Rechnungsprüfungsamt äußert Bedenken - Von Nina Baucke

Salamitaktik am Bullensee

Die Jalousien des Bullensee-Pavillons bleiben vorerst unten.
 ©Archiv

Rotenburg. Kommt „Lotte“ oder kommt sie nicht? Wenn auch zaghaft, aber diese Frage stand am Freitag während der Sitzung des Kreisausschusses für Hoch- und Tiefbau im Raum. Der Verein „Lotte am Bullensee“ will sich nach wie vor des Pavillons am Bullensee annehmen, doch laut Christina Bonke vom Amt für Gebäudemanagement des Kreises ist das nicht so einfach. Der Grund sind Bedenken des Rechnungsprüfungsamtes (RPA).

Das Amt sehe „nicht unerhebliche Risiken“, berichtete Bonke. Kritikpunkt sei unter anderem der von „Lotte“ vorgelegte Wirtschaftsplan gewesen. „Die darin aufgeführten jährlichen Instandhaltungskosten würden laut RPA nur in den ersten Jahren reichen“, so Bonke. „Die Frage ist laut Amt: Kann ein Verein mit 20 Mitgliedern und keiner Erfahrung mit der VOB (Vergabe- und Vertragsordnung für Bauleistungen) das wuppen?“ Nicht zuletzt steht ein Sanierungszuschuss von 260.000 Euro im Raum.

Ursprünglich hatte der Landkreis vorgesehen, die ihm eigenen Grundstücke am Bullensee mitsamt Gebäude an einen Betreiber zu verpachten. Dazu sollten Interessenten ein Konzept vorlegen und die Bereitschaft haben, die Sanierung des Gebäudes zu übernehmen. Unter den Interessenten war auch der eigens dafür gegründete Verein „Lotte am Bullensee“. Während andere potentielle Betreiber wieder absprangen, blieb „Lotte“ am Ball und legte erste Entwürfe vor. Allerdings plant der Verein bereits mit einer Architektin den Umbau, der Landkreis kann jedoch nur eine Sanierung vornehmen, wenn sie öffentlich ausgeschrieben ist. Zudem soll aus „Lotte“ ein gemeinnütziger Verein werden. Die Kreisverwaltung bezeichnet dieses Vorhaben jedoch angesichts des geplanten gastronomischen Betriebs im Bullenseepavillon als fraglich. Vor den Einwänden des Rechnungsprüfungsamtes hatte der Landkreis vorgesehen, das Grundstück und den Pavillon dem Verein kostenlos zu übertragen. Damit werfe der Kreis jedoch eigene Förderrichtlinien über den Haufen, so das RPA. „Mit diesen neuen Aspekten ist das ganze noch zu überdenken“, bemerkte der WFB-Kreistagsabgeordnete Bernd Petersen,. „Ich plädiere trotzdem dafür, den Pavillon herzurichten und dort am Bullensee ein Angebot zu schaffen. Meiner Meinung nach ist es ein Verein mit einem guten Konzept, das gut angenommen worden wäre.“ Drastischer drückte es Thomas Lauber (Grüne) aus: „Ich finde es einen ziemlichen Hammer, wie die Verwaltung hier mit uns umgeht. Wir sitzen seit Jahren an dem Antrag und erst jetzt kommen die Bedenken vom RPA. Das ist jetzt die Salamitaktik, um alles weiter herauszuzögern.“ Wenig überrascht vor den Bedenken des RPA zeigte sich Heinz-Günter Bargfrede (CDU): „Öffentliche Toiletten sind dort notwendig, das ehrenamtliche Engagement lobenswert. Aber der Landkreis hat nie gastronomische Projekte gefördert. Da würden wir ein ganz neues Feld betreten.“ Die Ausschussmitglieder entschieden, den Antrag zur weiteren Beratung in die Arbeitsgruppe zurückzustellen. Die Jalousien am Bullenseepavillon bleiben damit erstmal weiter unten.

Autor

Nina Baucke Nina Baucke
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