Was sich die vier Ortsbürgermeister für 2021 vorgenommen haben - Von Tobias Woelki

Flecken im Fokus

Am 14. November 2020 wäre Cato Bontjes van Beek 100 Jahre alt geworden. Die Feierlichkeiten dazu sollen möglichst in diesem Jahr nachgeholt werden. Foto: Tobias Woelki
 ©Tobias Woelki

Auch mit Corona im Schlepptau läuft die Zeit weiter. Es gilt, neue Pläne zu schmieden, sich fit zu machen für die Zeit nach Corona oder ein weiteres Jahr mit dem Virus. Die vier Ortsbürgermeister des Ottersberger Flecken, Reiner Sterna, Rainer Hinrichs, André Herzog und Wilfried Mittendorf haben für die Rundschau nach vorne geblickt und in ihrer Agenda für 2021 geblättert.

Wilfried Mittendorf, Fischerhude

Die Corona-Pandemie hat das Jahr 2020 bewegt und geprägt. Aber auch weitere Themen beschäftigte die Kommunalpolitik. Der Ortsrat Fischerhude diskutierte besonders den Entwurf einer Gestaltungssatzung, um den Charakter der Fischerhuder Ortsmitte zu erhalten. „Dazu gründete sich ein Arbeitskreis begleitet durch einen Fachplaner mit Vertretern der Kommunalpolitik, interessierten Bürgern und der Verwaltung und arbeitete einen Entwurf aus“, sagt Ortsbürgermeister Wilfried Mittendorf. Nach 14 Sitzungen des Arbeitskreises und dem Votum des Ortsrates „sollte in 2020 der Satzungsbeschluss gefasst werden“, so Mittendorf. Was allerdings durch Corona ins Stocken geriet. Doch nun durchläuft die Gestaltungssatzung das gesetzlich, vorgeschriebene Beteiligungsverfahren. Die Gestaltungssatzung für die Fischerhuder Ortsmitte regelt Bauvorschriften wie Dachfarbe, zu verwendende Materialien, blickoffene Einzäunung und der Erhalt des ortsbildprägenden Baumbestandes, damit sich Neubauten harmonisch ins Dorfbild einpassen.
„Wir hoffen vom Ortsrat, dass dieses Jahr der Gemeinderat die Gestaltungssatzung beschließt“, betont der Ortsbürgermeister und erklärt: „Wenn Bäume krank sind, dann müssen sie gefällt werden, um der Straßenverkehrssicherungspflicht nachzukommen. Aber wichtig ist uns, dass für jeden gefällten Baum ein neuer gepflanzt wird.“ Auch wenn die Politik die Gestaltungssatzung noch beschließen muss, können Bauwillige in der Ortsmitte bereits Bauanträge einreichen. „Das Bauamt betrachtet die Anträge so, als gäbe es bereits die Satzung“, so Mittendorf.
Im Jahr 2020 jährte sich der 100. Geburtstag der Fischerhuder Widerstandskämpfer Cato Bontjes van Beek. „In Fischerhude planten wir in 2020 eine Gedenkfeier, die ein Arbeitskreis organisierte. Durch die Corona-Pandemie sagten wir die Gedenkfeier ab. Stattdessen erstellte Helge Burggrabe einen Konzertfilm mit Schauspielerin Julia Jentsch und Sprechern wie Lorenz Meyboden. Den Film ließ Burggrabe am 14. November am Geburtstag von Cato Bontjes van Beek ins Internet streamen. Medien im gesamten Bundesgebiet haben darüber berichtet. Der Deutschlandfunk strahlte aus diesem Anlass eine mehrstündige Radiosendung aus“, berichtet Mittendorf und kündigt an: „Als politische Gemeinde planen wir ,die Gedenkfeier, abhängig von den Corona-Auflagen, dieses Jahr abzuhalten.“
Sportlich rückte der Wümmeort ebenfalls in den Fokus: durch Lennard Kämna. Der Fischerhuder Radfahrprofi errang auf der Tour de France einen Etappensieg. „Das war toll“, freut sich der Ortsbürgermeister und schaut auf die kommenden Monate: „Als nächste Aufgabe steht der Neubau einer Mensa und Differenzierungsräume an der Grundschule an. Bei der Finanzierung hoffen auf eine Förderung vom Bund. Ein weiteres Thema ist die Verkehrsplanung, die wir ähnlich wie bei der Gestaltungssatzung im Konsens mit den Bürgern anstoßen wollen.“
Mittendorf gehört seit 1991 dem Ortsrat Fischerhude und seit 1996 dem Gemeinderat an. Zur bevorstehenden Kommunalwahl sagt Mittendorf: „Für den Ortsrat werde ich kandidieren und stehe für das Ortsbürgermeisteramt zur Verfügung. Ob ich für den Gemeinderat kandidiere, überlege ich mir noch.“
Und noch ein Thema treibt ihn um: „Ich hoffe, dass die Gastronomie und die Kultur die Corona-Pandemie überstehen werden.“ Mehr noch: Als Ortsbürgermeister gratulierte er stets Geburtstagsjubilare zum Geburtstag. Mit der Corona-Pandemie unterblieben die Besuche, die ihm fehlen. „Der persönliche Kontakt und der Austausch sind wichtig, besonders bei den Alleinstehenden, die sich auf Besuch immer sehr freuen“, betont Wilfried Mittendorf.

Rainer Hinrichs, Otterstedt

Dieses Jahr geht ein einzigartiges Bürgerprojekt an den Start: Seit Monaten bauen engagierte Freiwillige das ehemalige Kaufhaus mitten im Ort, das viele Jahrzehnte die Eheleute Bergstedt leiteten, mit einer hohen Kraftanstrengung und viel Eigenleistung zu einem Dorfladen um. „Für dieses Projekt haben wir eine Unternehmergesellschaft mit dem Titel Dorfladen Bergstedt gegründet, um das für Otterstedt wichtige Projekt auf eine rechtliche Basis zu stellen“, betont Ortsbürgermeister Rainer Hinrichs, der sich ebenfalls in diesem Projekt engagiert.
Fotos an den Scheiben des Gebäudes dokumentieren den Baufortschritt. Die Arbeiten gehen gut voran. „Wir hoffen, dass wir den Dorfladen Ende Februar, Anfang März öffnen können. Zumindest ist dieser Zeitraum angedacht“, schildert der Ortsbürgermeister.
Im vergangenen Jahr zog die Freiwillige Feuerwehr Otterstedt in die neue Feuerwache in der Straße „Im Kaiserlichen“ ein. Wegen der Corona-Pademie war die offizielle Einweihung noch nicht möglich. „So hoffen wir es in diesem Jahr, wenn es die Corona-Maßnahmen erlauben, das neue Feuerwehrhaus einzuweihen“, so Hinrichs. Im ehemaligen Feuerwehrhaus an der Grundschule schallt durch die Räume Kinderlachen, sofern die Corona-Maßnahmen es zulassen. „Den ehemaligen Mannschaftsraum hat die Gemeinde zu einer Krippengruppe umgebaut. In diesem Jahr baut die Gemeinde die Fahrzeughalle um, „damit eine altersgemischte Kindergartengruppe einziehen kann“, berichtet Hinrichs. Bislang spielte die Gruppe in der Außenstelle in der Mühlenstraße in angemieteten Räumen in einem Privatgebäude, die nach Fertigstellung der neuen Räume in der alten Feuerwache in der Mühlenstraße aufgelöst und umziehen wird.
Noch hat die Pandemie das gesellschaftliche Leben im Griff. „Ich hoffe aber, dass bald wieder das normale Leben in den Ort einkehrt und Veranstaltungen stattfinden können“, so Hinrichs. Die Blaualgen im Otterstedter See tauchten im vergangenen Jahr wieder auf und trübten erheblich das Erholungsvergnügen. Die Otterstedter Politik diskutierte eine Lösung und ließ durch die Verwaltung eine Studie in Auftrag geben. Die Wissenschaftler sollen die Ursachen der Blaualgen und mögliche Nährstoffquellen ermitteln. Die Studie dient als Grundlage für weitere Maßnahmen. Nachdem im März vergangenen Jahres ein neuer Gastronom mit seiner Frau das Restaurant am Otterstedter See eröffnete, wegen der Corona-Pandemie und damit verbundenen behördlichen Auflagen aber wie so viele seiner Kollegen schließen musste, stellten die Eheleute den Betrieb zum Jahresende ein und zogen nach Süddeutschland. „Es gibt Pläne, dass in der Gaststätte am See wieder ein Betreiber einzieht. Ein Unternehmer, der bereits in Ottersberg Burger verkauft, möchte im Restaurant als Außer-Haus-Verkauf ebenfalls Burger anbieten“, berichtet Hinrichs.
Und dann stehe noch die Kommunalwahl bevor. „Ich werde zur Kommunalwahl wieder kandidieren und stehe für das Amt des Ortsbürgermeisters zur Verfügung“, erklärt er.

Reiner Sterna, Posthausen

Eine spannende Zeit steht der Ortschaft Posthausen bevor: In den nächsten Jahren will die dortige Kommunalpolitik die Infrastruktur mit zahlreichen Projekten stärken. „Der Ortsrat der Ortschaft Posthausen hat sich in den vergangenen Wochen und Monaten mit der Entwicklung des Dorfes beschäftigt und dabei den Schwerpunkt auf Arbeiten und Leben in der Gemeinde gesetzt“, schildert Ortsbürgermeister Reiner Sterna. Zahlreiche Projekte stehen an. So freut sich der Rat, wenn der Erweiterungsbau der Tierklinik Posthausen beginnen kann und die weiteren Planungen für den angedachten Gewerbepark fortgesetzt werden können. In Sachen Erweiterungsbau Tierklinik seien Ortsrat und Verwaltung gemeinsam mit der Tierklinik in der Abstimmung, um Detailfragen zu klären. Sterna: „Aber auch die Gestaltung der Ortsmitte wollen wir aktiv umsetzen. Mit dem Quartier ‚Drei Linden‘ an der Durchgangsstraße schaffen wir eine Wohnform für Senioren, die hier bisher so nicht existiert. Ich höre aus vielen Gesprächen, dass dieses eine Bereicherung für die Region ist.“
Mit der Verbindung über Rhododendronpark, der Lukaskirche rüber zur Schulstraße mit dem zukünftigen, neuen Standort eines Feuerwehrhauses gegenüber der Schule, weiter über die Schule, die Kindertagesstätte und den Heimatverein „kann eine neue Dorfmitte entstehen“, sagt Sterna. Der Ortsbürgermeister kündigt an: „Unsere Grundschule Posthausen wird um eine Mensa erweitert, damit die Kinder im Rahmen der Ganztagsbetreuung neben einer sehr guten pädagogischen Betreuung auch im sozialen Bereich gut versorgt sind.“
Wichtig sei der Neubau eines Feuerwehrhauses an der Schulstraße, so Sterna, um in Sachen Brandschutz und Hilfeleistungen für die Anforderungen der Zukunft gut aufgestellt zu sein. Der Heimatverein Posthausen plane eine Ausstellung zum Thema Moor. Neben Informationstafeln über die Entstehung des Moores sollen auch Wanderwege angelegt werden, um die Natur auch begehbar zu machen, so der Ortsbürgermeister, der auch auf die bevorstehende Kommunalwahl schaut. Dafür gelte es, Kandidaten zu finden die bereit seien sich ehrenamtlich für die Ortschaft einzusetzen. Wie Sterna mitteilt, werde er wieder kandidieren und stünde auch für das Amt des Ortsbürgermeisters zur Verfugung. „Wichtig für uns ist aber, nach den Einschränkungen der Corona-Pandemie die Menschen wieder zueinander zu bringen, Zeit für Veranstaltungen und Gespräche zu finden“, betont der Ortsbürgermeister. Sorge bereite ihm „der gefühlt immer stärker werdende Straßenverkehr auf den Straßen und die Instandhaltung der Straßen. Da fällt nicht alles in unsere Zuständigkeiten, aber wir leben hier und möchten die Zeit in unseren Gärten auch genießen.“

André Herzog, Ottersberg-Ort 

„In Ottersberg hat sich trotz Corona einiges getan“, sagt Ortsbürgermeister André Herzog. „Im Rathaus hat sich das Personal verändert mit einem neuen Bürgermeister und im Ordnungsamt mit einem neuen leitenden Mitarbeiter. In Ottersberg suchte die Politik und die Verwaltung intensiv nach einem neuen Standort für die Ortsfeuerwehr Ottersberg. Zum Jahresende 2020 wurde der Standort Fährwisch immer konkreter. Einen weiteren Standort, dieses Jahr ins Gespräch gekommen, will die Verwaltung prüfen“, schildert Ortsbürgermeister André Herzog. Er und Bürgermeister Tim Willy Weber haben außerdem die Sanierung des Wümmesportplatzes angestoßen und Anträge für Förderprogramme zur Sanierung erarbeiten lassen.
„Zwei bauliche Entwicklungen verändern die Ortsmitte Ottersbergs: Der Abriss des ehemaligen Eckgebäudes am Kreisel, auf dessen Gelände eine Druckerei einen Erweiterungsbau erstellen wird und genau gegenüber der Abriss eines Privatgebäudes“, so Herzog. Er schiebt nach: „Positiv ist die Entwicklung des Vorplatzes der Aula auf dem Schulgelände zu sehen.“
Ein bemerkenswertes Ereignis sei die Bürgermeisterwahl gewesen mit einem in seinen Augen „guten Ergebnis für Ottersberg“, merkte Herzog an. Und formulierte: „Es ist kein Geheimnis, dass ich mit dem Erweiterungsbau einer Druckerei in der Ortsmitte nicht so glücklich bin. Ich hätte mir für dieses Sahnegrundstück etwas anderes gewünscht.“ Er hoffe, dass die Corona-Pandemie bald vorbei sei, „damit wir uns treffen können und unsere Vereine zum Leben erwachen“. Er hofft, dass der Flecken Förderzusagen erhält und die Sportplatz-Sanierung in 2021 startet und dass der Flecken den Standort und den Baubeginn für das Feuerwehrhaus Ottersberg zeitnah festlegt. Er wünscht sich, dass der Kreisel in der Großen Straße umgestaltet wird. Und dann steht noch die Kommunalwahl an. „Ich werde erneut für Gemeinderat und Ortsrat kandidieren. Wenn das Ergebnis stimmt, würde ich mich voraussichtlich auch wieder einer Ortsbürgermeister-Wahl stellen“, sagt Herzog.

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