Naturdenkmäler im Landkreis Rotenburg im Wandel der Zeit - Von Christiane Looks

Schattenbäume im Felde

Diese stattliche Eiche südlich von Rhade ist kürzlich neu in das Verzeichnis der Naturdenkmale aufgenommen worden. Foto: Joachim Looks
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Rhade. Ein bekanntes Bild des Rotenburger Kirchenmalers Rudolf Schäfer zeigt einen Schnitter beim Schärfen seiner Sense, dem Dengeln, während eine Frauengruppe im Schatten eines großen Baumes rastet, ehe es wohl wieder auf das Feld geht.

Ähnliche Motive finden sich auf vielen Gemälden. In heißen Sommern mittags in sengender Sonne eine Pause zu machen, ist wenig erfrischend. Nicht ohne Grund trugen, wie historische Fotos zeigen, Frauen im 19. Jahrhundert beim Torfstechen im baumlosen Moor breitkrempige Hüte, die mit ihren breiten Huträndern an Rokoko-Schutenhüte erinnerten und das Gesicht vor hochstehender Sonne schützten, während Männer Strohhüte mit breitem Rand bevorzugten. Wie angenehm war es dagegen, im kühlen Schatten eines Baumes ausruhen zu dürfen.

Die im 18. Jahrhundert an der Elbe zwischen Luthers Wittenberg und Magdeburg entstandene Kulturlandschaft, vom emsigen, damals regierenden Fürsten zum bis heute viel gerühmten Dessau-Wörlitzer Gartenreich ausgebaut, verfügte über ein wohl durchdachtes Straßennetz nicht nur für Reiter und Kutschen, sondern auch für Fußgänger, die eigene Wege nutzen konnten mit schattigen Sitzbänken, überdachten Feldsteinsitzen gegen Regen und Hitze an Plätzen mit schönem Fernblick. Führten Reisewege nicht durch Dörfer mit Gasthäusern, gab es alle vier bis fünf Kilometer sogar eine Raststätte. Dagegen warnte ein Wanderbuch für den Landkreis Verden aus dem Jahr 1981, Wanderungen auf Allerdeichen entlang des Flusses mit herrlichem Blick über weite, einsame Marschgebiete bei sonnigem, heißen Sommerwetter zu unternehmen, da es keinen Schatten gäbe.

Der Landkreis Rotenburg verfügt über eine lange Liste bemerkenswerter Naturdenkmäler. Sie enthält ganz aktuelle, aber auch solche aus der Anfangszeit des 1935 erlassenen Reichsnaturschutzgesetzes. Auffallend zwei Eintragungen aus den 50er Jahren des letzten Jahrhunderts, in denen Solitärbäume als „Schattenbaum im Felde“ charakterisiert werden. Veranlasst hatte die Unterschutzstellung dieser Bäume der damalige Kreiskulturpfleger des Kreises Bremervörde August Bachmann, weil die vorgeschlagenen Naturdenkmäler in vergangenen Jahrhunderten Bauern als „Schattenbaum im Felde“ dienten.

Mittlerweile hat sich das Umfeld verändert und kein Landwirt verbringt seine wohl verdienten Pausen heute noch im Schatten dieser ehrwürdigen Bäume, obwohl sie gerade wegen dieser Funktion einst als schutzwürdig anerkannt worden waren. Unterschutzstellungen vergangener Jahre haben aber auch heute Bestand, wenn der aktuelle Befund dieses rechtfertigt. So bleibt das ehemalige ND ROW 102, ein Schattenbaum im Felde bei Brümmerhof, Naturdenkmal, jetzt gekennzeichnet als ND ROW 44, weil die kugelförmig gewachsene Eiche innerhalb einer kleinen Gehölzinsel an einem mittlerweile überwachsenen Weg nach wie vor das Landschaftsbild mit dem sich darum gebildeten Gehölzbestand eindrucksvoll prägt.

ND ROW 95, eine breitwüchsige Eiche, auf Anregung von August Bachmann 1951 unter Schutz gestellt, bleibt auch heute als neues/altes ND ROW 39 wegen hohen Alters, der weit ausladenden Gestalt mit einem Kronendurchmesser von ungefähr 34 Metern und der Schönheit als Solitärbaum schützenswert. Er steht am Rande Bremervördes nördlich der K192 am Moorweg, gut 200 Meter westlich von Engeo.

Und „neue“ Naturdenkmäler? Können die das ebenfalls? Sie können! ND ROW 98 ist ein beeindruckendes Beispiel dafür. Die Kugeleiche liegt südlich von Rhade, 330 Meter östlich der K133 auf einer Kuppe an einer Weggabelung der Verlängerung des Weges „Steindamm“. Die Eiche ist mit einem Kronendurchmesser von ungefähr 30 Metern eindrucksvoll gewachsen. Sie fällt schon von weitem auf und prägt markant das Landschaftsbild. Eine Ruhebank mit herrlichem Weitblick gibt es ebenfalls und bei plötzlich einsetzendem Regen schützt das breite Blätterdach, zumindest anfangs.

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