Ungewöhnliche Wohnzimmer-Lesung mit Torsten Pickert

Liebe (un)möglich?

Der Achimer Autor Torsten Pickert war mit einer ungewöhnlichen Lesung im Hause Labinsky zu Gast. Foto: Elke Keppler-Rosenau
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Oyten. Mit der Krankheit Zerebralparese, Überversorgung mit Sauerstoff, auf die Welt zu kommen, hat ein schwieriges Leben zur Folge. Schwerbehindert sein, auf den Rollstuhl und Rundumhilfe nicht verzichten zu können und dennoch das Leben tatkräftig anzupacken, davor können Menschen ohne Behinderung nur den Hut ziehen. Torsten Pickert lebt mit Zerebralparese und hat ein besonderes Buch geschrieben. Dieses setzt aber nicht seine Krankheit in den Fokus, sondern ein Thema, das in der Gesellschaft doch eher unter den Tabu-Teppich gekehrt wird: Sexualität von Menschen mit Handicap. Aus diesem Buch las er kürzlich im Wohnzimmer von Landtagsabgeordneter Karin Labinsky-Meyer in Oyten vor.

Zur Einführung gab es Musik von der Band von Christoph Bisewski, Sprecher der Verdener Lebenshilfe. Dort arbeitet er gemeinsam mit Torsten Pickert im Bereich Marketing und Öffentlichkeitsarbeit. Virtuos brachte sich auch der junge Oytener Musiker Jannik Woelki ein, der selbstkomponierte Stücke sang und sich auf dem E-Piano begleitete.

„Liebe (un)möglich“ so titelt das Buch, in dem Protagonist Erik die Rolle von Torsten übernimmt, aber dennoch ganz nah an der Wirklichkeit bleibt. Der Inhalt, aus dem der Autor selbst vorlas, behandelte sein eigenes Verhältnis zur Sexualität, seine Gedanken und Möglichkeiten, sich Frauen zu nähern. Körperbehindert zu sein, würde nicht bedeuten, keine Bedürfnisse in Sachen Liebe, Zärtlichkeit und Sex zu haben.

Sein größter Wunsch sei es, eine Freundin zu finden und natürlich sprach er auch über sein ideales Frauenbild. Schön wäre es, wenn sie ebenso pferdeverrückt wäre und gerne shoppen würde. Lange blonde Haare würden ihm gefallen, eine schlanke Figur, aber das wäre nicht ganz so wichtig. Sie müsste vor allem sympathisch und empathisch sein und ihn natürlich so akzeptieren, wie er nun mal sei. Im Kopf fitter als viele andere Zeitgenossen, was an seinem Schreibstil und der Art, wie gekonnt er sich ausdrückte, zu erkennen war, las er von den Versuchen, in Sachen Liebe tätig zu werden. Darunter auch der Besuch eines VHS-Kurses, in dem erfolgreiches Flirten gelehrt wurde und wo er die Schulbank mit einer 82-jährigen Seniorin drückte. Auch machte Erik die Bekanntschaft mit der Möglichkeit, für Sex zu bezahlen. Das war aber nicht das, was er eigentlich wollte, denn Liebe würde er sich ganz anders vorstellen – und so suchte er weiter.

Pickerts Romanfigur hinterfragte immer wieder seine Sehnsucht nach einer Frau an seiner Seite. „Was soll eine Frau mit einem Mann wie mir?“, hieß es dann mitunter zweifelnd – eine Frage, die sich wahrscheinlich schon viele Männer mit Beeinträchtigungen gestellt haben.

Als er dann durch Zufall eine junge, wenn auch nicht blonde Frau kennenlernte, musste er viele Umwege beschreiten und viele Hemmungen überwinden, um sie überhaupt anzusprechen.

Verschmitzt lächelnd und mit beeindruckendem Wortwitz las der Autor über Sex von und mit Behinderten, nicht ohne seinem Publikum hier und da auch ein Lachen zu entlocken.

Zu haben ist das Buch im Internet und im Buchhandel für 11,20 Euro.

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