Schützenverein Sagehorn und Oyten streiten sich um eine Tennishalle - Von Björn Blaak

„Das wäre das Ende“

Die Vorsitzenden des Sagehorner Schützenvereins, August Benstein und Beate Böse, fühlen sich von der Gemeinde Oyten übergangen. Foto: Björn Blaak
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Sagehorn. Der Schützenverein in Sagehorn hat Stress mit der Oytener Gemeindeverwaltung. Dieser fußt darauf, dass jene Verwaltung ein Auge auf die Tennishalle im Schwarzen Weg geworfen hat. Das ist auch nicht weiter verwerflich, denn die Halle gehört ihr, zumindest teilweise, denn jene Halle steht rund drei Meter auf dem Grundbesitz des Schützenvereins – und genau das ist das Problem.

Während die Gemeinde die Halle abreißen lassen will, um Parkflächen für den neuen Haltepunkt der Bahn in unmittelbarer Nähe der Halle zu schaffen, will der Verein dieselbe Halle unbedingt auch weiterhin für sich und seine Veranstaltungen nutzen und pocht auf sein lebenslanges im Grundbuch verankertes Nutzungsrecht. Und in dieser Gemengelage befinden sich nun Verwaltung und Verein.

Das Grundstück, auf dem sich die längst stillgelegte Tennishalle befindet, gehörte bis 1977 dem Schützenverein, der es an Familie Sillinger verkaufte, die darauf jene Tennishalle errichten ließ. „Sillinger“ ist längst Geschichte und 2015 kaufte die Gemeinde das Grundstück samt Halle, um Flüchtlingen ein Dach über dem Kopf bieten zu können. Inzwischen steht die Halle wieder leer. Der Verein erhielt seitdem von der Verwaltung Jahr für Jahr die Erlaubnis, dort sein Schützenfest feiern zu dürfen, auch für die diesjährige Feier ist bereits eine Genehmigung erteilt worden. Doch es könnte diesmal dort das finale Fest sein. Die Gemeinde lässt keinen Zweifel darüber aufkommen, dass sie die Halle wegräumen und Parkplatz dafür schaffen will, auch weil sie es muss. Auf einer öffentlichen Infoveranstaltung, Anfang Mai, präsentierten sie ihre diesbezüglichen Planungen öffentlich. Und dort, wo die Halle jetzt noch steht, sind die Parkplätze bereits fest eingeplant. Und das ist es, was den Verein ärgert. „Die Gemeinde treibt die Planungen einfach ohne uns voran“, bedauert August Benstein, der zweite Vorsitzende des Schützenvereins. Mehr noch, den Vereinsverantwortlichen wurde für jene Infoveranstaltung ein Maulkorb verhängt. In einem Schreiben vom 6. Mai 2019 von Bürgermeister Manfred Cordes an den Schützenverein heißt es: „Im Interesse der weiteren Verhandlungen bitte ich aber nochmals darum, dieses Thema aus der Informationsveranstaltung herauszuhalten.“ Er versprach dafür, „in den nächsten Tagen“ auf den Schützenverein zuzukommen. „Darauf warten wir heute noch“, sagt Böse gegenüber der Rundschau. Fakt ist, dass jene Tennishalle drei Meter auf dem Grundstück des Schützenvereins steht. Dessen Forderung an die Gemeinde ist, der Neubau einer kleineren Halle im direkten Umfeld des Schützenhauses. „Sie können uns doch nicht einfach die Halle wegnehmen und uns im Regen stehen lassen“, befindet Böse. Für sie sei es selbstverständlich, dass die Gemeinde ein Ausweichquartier schaffe. Und die Dimension einer Tennishalle müsste dieses gar nicht haben: „Eine Größe von 350 bis 375 Quadratmeter würden uns schon reichen“, erklärt Böse. Im Gegenzug für einen Hallenneubau würde der Verein Grundstück und Nutzungsrecht der jetzigen Halle dreingeben. Das Gegenangebot der Gemeinde belaufe sich aktuell auf rund 40.000 Euro. „Was soll uns diese Summe bringen?“, fragt Benstein und rechnet vor: „Davon könnten wir vielleicht vier Jahre hintereinander unser Schützenfest in einem Zelt feiern, dann ist das Geld aufgebraucht.“ Auch das Angebot des Vereins, die Tennishalle zu behalten, und der Gemeinde dafür einen anderen Teil seines Grundstücks als Parkfläche zur Verfügung zu stellen, sei im Rathaus bisher nicht weiter verfolgt worden, so Böse. Dabei gehe es dem Verein gar nicht mal nur um ihr eigenes Schützenfest, sondern darum, einen Treffpunkt für aller Sagehorner zu schaffen. Einen Ort, wo auch andere Veranstaltungen stattfinden können. „Sagehorn hat in dieser Hinsicht doch nichts mehr anzubieten“, sagt Benstein, der seit Februar dieses Jahres im Vorstand aktiv ist. „Für die Erhaltung und Förderung der Dorfgemeinschaft in Sagehorn ist ein Zentrum für gemeinsame Veranstaltungen und Unternehmungen erforderlich“, sagen beide. Gegen einen Veranstaltungsraum hat auch Günter Block-Omsers, Vorsitzender des Oytener Gemeinderates und Sagehorner Dorfvorsteher in Personalunion, nichts einzuwenden. Er gibt aber zu bedenken, dass eine Halle, die der Schützenverein nur wenige Tage im Jahr nutzen möchte, auch den Rest des Jahres bespielt werden müsste. Und dafür fehle es bisher an einem Konzept, sagt er gegenüber der Rundschau. Die Vereinsvorsitzenden appellieren an Bürgermeister, Ratsmitglieder und Verwaltung, sich um eine Einigung zu bemühen. Ansonsten wird der Verein, so die unmissverständliche Aussage der Vorsitzenden, weder auf das Nutzungsrecht noch auf die Grundstücksanteile verzichten. Sowohl für Böse als auch für Benstein steht fest, dass ihr seit 113 Jahren bestehender Verein, ohne die Möglichkeit, gemeinsame Feierlichkeiten abzuhalten, zum Tode verurteilt wäre. „Das wäre das Ende“, sagt Benstein. Auch für Block-Osmers wäre das das schlimmste Szenario, da auch in seinen Augen der Schützenverein bedeutend für den Ort ist. Deshalb hofft er, dass sich die Parteien gütlich einigen und dass am Ende dann auch ein Kompromiss gefunden wird, mit dem beide Seiten leben können. Auch Hermann Wahlers, Initiator der Gemeinschaft „Wir Sagehorner“ unterstützt die Forderungen des Schützenvereins bezüglich der Nutzungsrechte. Auch einen Bau oder Anbau einer Halle sieht er positiv. „Ich selber habe einen politischen Antrag eingereicht, das Baugebiet für eine mögliche Halle zu erweitern.“ Er fordert aber auch Gesprächsbereitschaft aller Seiten ein, wenn er sagt. „Ich vermisse in Sagehorn eine Kultur, wo man sich gemeinsam hinsetzt, um unterschiedliche Meinungen anzuhören, wo man gemeinsame Ziele in einem Ortsteil verfolgt und nicht gesichtslosen Vorwürfen beziehungsweise Gerüchten ausgesetzt ist.“ Für den Schützenverein am Schwarzen Weg jedenfalls steht derweil fest: Die Gemeinde ist am Zug.

Autor

Björn Blaak Björn Blaak
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