Museum Blocks Huus: Einblicke in eine private Welt - Von Elke Keppler-Rosenau

Schrankgeheimnis

Ein so wohlgefüllter Wäscheschrank war vor 100 Jahren der Stolz jeder Frau. Foto: Elke Keppler-Rosenau
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Bassen. Zwei antike Aussteuerschränke ziehen im Bassener Museumsteil von Blocks Huus derzeit die Blicke auf sich. Sie sind eine Schenkung der Familie Erich Block und erlauben den Besuchern Einblicke in eine Welt, die normalerweise nur zwei Augen zu sehen bekommen haben, nämlich die der Braut, die solch einen Schrank samt darin befindlicher Wäsche mit in die Ehe brachte.

Vorsichtig packt Fritz Glase, ehrenamtlicher Mitarbeiter der Arbeitsgruppe Kultur im Bassener Blocks Huus eine kleine Holzkiste aus. Zum Vorschein kommt Unterwäsche, wie Frauen um 1912 sie auch in Bassen getragen haben. Miederhöschen mit Strumpfhaltern, Unterröcke und Büstenhalter, bestickt und mit vielen Haken und Ösen vorne zu öffnen, im Rücken in der Größe variabel durch elastische Gummibänder. Dieses Kästchen mag eine Art Geheimfach gewesen sein, das Frauen zu Beginn des 20. Jahrhunderts niemals neugierigen Blicken geöffnet hätten. In einem anderen Kästchen sind Nachthauben verwahrt. Sie wurden damals getragen, um die Frisuren zu schützen. Sorgfältig zusammengefaltet liegt daneben ein kleiner Stapel mit Unterwäsche, geräumiger Art und mit seltsamen Bänderverschlüssen. Frauen trugen sie unter ihren weiten Röcken, bevor Gummibänder erfunden wurden. Ein anderer Stapel im Wäscheschrank besteht aus Unterkleidern und Hemden, allesamt sorgfältig mit den verschiedensten Mustern bestick und sehr gut erhalten, was auf eine hervorragende Qualität der Stoffe schließen lässt, die immerhin an die hundert Jahre alt sind. Auf einem anderen Stapel sind grobe Männerhemden platziert. Manche tragen Ausbesserungsstellen von Hand. Die Schrankborde sind fein säuberlich mit gehäkelter Spitze verziert, was dem Wäscheschrank der Anna Block von 1912 ein liebevolles Aussehen gibt. „Junge Frauen aus gutem, bäuerlichem Haus bekamen eine umfangreiche Aussteuer mit, wenn sie heirateten. Anna Block, die aus Blocks Huus, einer angesehenen Familie stammte und 1912 nach Arbergen heiratete, bekam gleich zwei wohlgefüllte Schränke als Aussteuer mit auf den Weg. Der Tischler hatte seinerzeit nach überlieferter Sitte die Schrankkrone mit Namen und Daten der jungen Frau versehen, ein Brauch, der in der neuen Zeit verloren gegangen ist. Der Wäscheschrank war mit Leinen, Tischdecken, Bettwäsche und anderen Dingen des täglichen Lebens gefüllt. Der andere Schrank enthielt ihre persönlichen Kleider. Den Wäscheschrank füllten die jungen Frauen selbst ab dem Tage ihrer Konfirmation. Sie bereiteten sich auf ihre Ehe vor und mussten Tischwäsche nähen und verzieren, Handtücher weben und umsäumen und alles mühevoll mit ihren Initialen kennzeichnen. Je voller der Schrank war, umso angesehener war die Braut, wenn sie zu ihrem zukünftigen Mann und den Schwiegereltern zog“, weiß die Arbeitsgruppe zu berichten. Als dem Museum im Blocks Huus die beiden handgetischlerten Schränke aus dem Besitz der Familie Erich Block für museale Zwecke zur Verfügung gestellt wurden, waren sie leider nicht mehr mit den ursprünglichen Wäschestücken gefüllt. Froh über die großzügige Gabe wurden beide Schränke mit textilen Museumsstücken aus eigenen Beständen gefüllt und gelten nun als Hingucker an Museumstagen. Nicht immer stehen die Schranktüren offen, denn der wertvolle Inhalt muss gegen Staub und Motten geschützt werden. An Besuchertagen jedoch wird die Schatzkiste geöffnet und Interessierte können die historische Kledage besichtigen.

Um Gästen einen Überblick von damaliger Mode zu verschaffen, füllten die Museumsmitarbeiter den Schrank mit Exponaten aus jener Zeit, die noch bestens erhalten sind und einen kuriosen Eindruck von der Mode um 1912 vermitteln: Ein Kragen aus Bisamfellen liegt darin, ein Handtäschchen aus kunstvoll gearbeiteten Lederstücken und vor dem Schrank sind zwei Fuchsfelle gehängt, deren ursprüngliche Träger um 1950 ihr Leben in einer Falle in Bassen lassen mussten, weil sie in Hühnerhöfen gewildert hatten. Von einem Kürschner sorgfältig gegerbt, mit Seide unterfüttert und mit einer Klammer unter dem Maul versehen, schmückten sie die Schultern Bassener Damen und fristen nun ihr Dasein als Museumsstücke.

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