Bürgerinitiative will Dea-Messungen und Bohrungen verhindern - Von Björn Blaak

Aus Bassen wird Baxxen

Stellen sich Dea in den Weg (von links): Annika Heinrichs, Nadine Endress und Alexandra Schröder von der Bürgerinitiative "NoGasBI X Bassen/Oyten". Foto: Björn Blaak
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Bassen. Wer aktuell durch Ottersberg fährt, wird sie schon gesehen haben, die roten Xe am Straßenrand, an Hecken und auf Feldern. Die Initiative „NoMoorGas“ aus Ottersberg weist damit auf die Gefahr hin, dass die Deutsche Erdöl AG (Dea) in Erwägung zieht, demnächst im Flecken Ottersberg nach Erdgas zu suchen. Auf das Problem weisen auch Bürgerinitiativen in Langwedel, Grasberg und seit Kurzem auch in Bassen hin.

Drei Familien aus dem Oytener Ortsteil zwischen Schaphusen und Ottersberg haben sich zusammengefunden, um auch ihre Nachbarn für das Thema zu sensibilisieren. Denn auch ihr Lebensmittelpunkt ist in den Fokus des Energiegiganten geraten. Dieser hegt Pläne, in Bassen und Oyten Messungen im Erdreich durchzuführen, um herauszufinden, ob es dort etwas zu holen gibt, das eine weitere Vorgehensweise sinnvoll sprich ertragreich erscheinen lässt. Und deshalb ziehen Dea-Mitarbeiter von Grundbesitzer zu Grundbesitzer, um deren Erlaubnisse einzufordern, auch auf ihrem Grund und Boden Messungen durchführen zu können, die mittels eines sogenannten Vibro-Trucks erfolgen sollen.

„Nicht mit uns“, sagen Annika Heinrichs, Alexandra Schröder und Nadine Endress gegenüber der Rundschau. Sie befürchten durch die geplanten Messungen und dem, was daraus resultieren könnte, nicht nur Beschädigungen von Leitungen und Hausanschlüssen, Verunreinigung von Trinkwasser, sondern auch und vor allem gesundheitliche Gefahren, und verweisen dabei auf stark erhöhte Krebsraten im Landkreis Rotenburg in unmittelbarer Nähe von Bohrstellen. Sie fordern, von jeglichen Planungen für Messungen und Förderung in einer dicht besiedelten Gegend wie ihrer abzusehen. Natürlich sei ihnen bewusst, dass es einen Weltkonzern wie Dea nicht wirklich interessiere, ob drei Anwohner in Bassen etwas gegen ihr Ansinnen vorzubringen haben. Deshalb ist aus dem Unmut der Bassenerinnen längst eine Initiative geworden. Mit Unterschriftenlisten ziehen sie durch Straßen und Geschäfte, und lassen es dabei auf einen Dialog ankommen. Inzwischen haben sie so schon 700 Unterschriften sammeln können. Auch passiert es, dass sich mitten in einem Geschäft heftige Wortgefechte aus besorgten und weniger besorgten Bassenern entsponnen haben. „Ein Landwirt war erst gegen unsere Aktion“, weiß Endress zu berichten, „hat dann aber umgeschwenkt und ist fortan aktiv für unsere Bewegung eingetreten.“ Damit das kein Einzelfall bleibt, hat sich die Bürgerinitiative, die sich den Namen „NoGasBI X Bassen-Oyten“ gegeben hat, weitere Aktionen ausgedacht. „Wir bauen gerade 400 rote Xe“, erzählt Heinrichs. Von diesen großen, roten Unmutsäußerungen sollen möglichst viele für alle gut sichtbar an den Straßen zwischen Ottersberg und Bremen zu sehen sein. „Ab dem kommenden Wochenende werden die Xe über den ,Kistenbaron‘ in der Großen Straße 45 in Bassen verteilt“, berichtet Schröder. Dort richtet die Bürgerinitiative am Samstag, 1. Dezember, ab 13 Uhr auch einen Infostand ein. Was die drei Bassenerinnen freut, ist, dass sie bei ihrer Aktion längst nicht mehr auf sich alleine gestellt sind. Die Familien und auch viele Anwohner haben sich ihnen inzwischen angeschlossen. Aber auch Mitglieder anderer Bürgerinitiativen springen den Bassenerinnen zur Seite: Sigrid Meyer-Klein und Wolfgang Marschhausen aus Langwedel helfen, so gut sie können. Sie zeigen einerseits Wege des Protestes auf und andererseits füttern sie die neue BI aus Bassen mit vielen Fachinformationen rund um Erdgasförderung, Fracking und auch allen damit verbundenen Risiken. Dass es eine Menge zu Wissen gibt, stellen auch die Bassener Aktivistinnen fest: „Erst wenn man sich mit dem Thema intensiver beschäftigt, bemerkt man, dass ganz Niedersachsen inzwischen aussieht wie ein Schweizer Käse“, bemerkt Schröder. Und eben dieses Wissen weiterzugeben, ist ein Hauptanliegen der Drei und ihrer Mitstreiter. „Viele Nachbarn haben von den Dea-Aktivitäten noch gar nichts gewusst“, stellte Heinrichs fest. Auch sie hätte eher durch Zufall davon erfahren. Und auch wenn Dea die grundsätzliche Erlaubnis, sich nach Erdgasvorkommen umschauen zu können, bereits seit 2001 vorliegt, scheint für die BI jetzt der Zeitpunkt gekommen zu sein, aktiv zu werden. „Wehret den Anfängen“, sagen sie und wollen fortan mit Aktionen und Informationsveranstaltungen auf sich und das Thema aufmerksam machen. „In unserem Chat sind bereits 500 Menschen aktiv“, so Heinrichs. An einer Facebookseite wird noch gebastelt. Einen E-Mail-Account (nogas-bi-bassen-oyten@web.de) gibt es bereits. Auch Politiker sollen auf das Thema angesetzt werden, im direkten Umfeld, aber auch im Landtag. „Wir fordern die gewählten Volksvertreter aller politischen Ebenen auf, die Unterlassung jeglicher Aktivitäten zur Vorbereitung, Planung und Durchführung der Erdgasexploration und -förderung zu beschließen“, schreiben sie in ihre Flyer und somit wohl auch in die Wahlkampfbroschüren der Oytener Bürgermeisterkandidaten. Ein tatenloses Zusehen jedenfalls soll es nach Ansicht der Initiative für Bassen und Oyten nun nicht mehr geben. Zu viel stünde auf dem Spiel. „Im schlimmsten Fall müssen wir hier wegziehen“, sagt Endress und malt ein bedrückendes Szenario in den Raum, wenn sie anfügt: „Dann sind wir Flüchtlinge im eigenen Land.“

Autor

Björn Blaak Björn Blaak
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 bjoern.blaak@rotenburger-rundschau.de

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