Bürgerinitiative richtet Petition an Bremische Bürgerschaft - Von Andreas Schultz

Feder gegen Windmühlen

Das letzte, was so mancher Vogel sieht, ist das Windrad von unten. Gerade das geplante Windkraftvorhaben im Vogelzugkorridor stelle eine Gefahr für die Tiere dar, meint die BI "Keine Windräder am Bultensee".
 ©Andreas Schultz

Oyten. „Das ist doch ein Witz“, sagt Werner Martin. Dem Chef der Bürgerinitiative (BI) „Keine Windräder am Bultensee“ ist aber nicht nach Lachen. Er blättert in dem Ordner, in dem er Dokumente zu dem umstrittenen Windradprojekt sammelt, und schüttelt mehrmals den Kopf. Der „Spargel“, der nach dem Willen der Stadt Bremen im Landschaftsschutzgebiet an der Grenze zu Oyten entstehen soll, ist Martin und seinen Mitstreitern ein Dorn im Auge. Deshalb richten sie nun eine Petition an die Bremische Bürgerschaft.

Der Text, der sich gegen das Projekt wendet, hat es in sich: So wirft die BI der Stadt bei der Planung einerseits erhebliche formale Mängel vor, andererseits sieht sie die Tiere vor Ort in Gefahr. Darüber hinaus stehe auch die Funktionaliät des Überschwemmungsgebietes auf der Kippe.

Schon allein die Erschließung bereitet den Bewohnern aus Bremen, Oyten und Umland, die sich in der Initiative organisieren, Kopfzerbrechen. Schwere Baufahrzeuge müssten erstmal eine Straße zum geplanten Windradplatz durch das Gebiet aufschütten. Das könne nicht nur unterirdische Deichbildung nach sich ziehen, sondern beraubt dem Überschwemmungsgebiet auch Fläche, die es zum Funkionieren braucht, so die Argumentation der BI. Die Folgen seien nicht absehbar. Im Winter und bei Extremwetterlagen wird die Zone geflutet. Nun fragen die Aktivisten, ob das nach Ausführung aller Arbeiten auch ohne Komplikationen so bleibt. Dabei haben sie nicht nur möglicherweise von der Überschwemmung bedrohte Keller im Blick, sondern auch etliche Tierarten, die sich in den Feuchtwiesen niedergelassen haben. „Da wird sehr viel Natur kaputt gemacht“, meint Martin.

Sollte Bremen das umstrittene Windradvorhaben durchziehen, werde es auch an der Grenze zu Oyten bald mehr Tierkadaver auf den Überschwemmungswiesen geben, ist sich die BI sicher. Denn nach ihrer Ansicht befindet sich der Projektstandort direkt im internationalen Vogelzugkorridor. „Vermehrter Vogelschlag wird billigend in Kauf genommen“, bemängelt sie in der Petition.

Aus ähnlichen Gründen hat auch die dem BUND angehörige Stiftung Nordwest Natur (NWN) bereits im Mai gegen die Ausweisung des Gebiets als „Windkraftvorrangfläche Bultensee“ protestiert. Ihre Kritikpunkte: keine 1.200 Meter Abstand zum Vogelschutzgebiet, keine Erweitungsoption, Widerspruch zum Landschaftsprogramm Bremen, zur Landschaftsschutzverordnung, zur gemeinsamen Landesplanung und zur regionalen Kooperation. Punkte, die auch die BI geltend macht.

Weiterer Kritikpunkt: Sollte die Erschließung dort beginnen, wo Martin sie befürchtet, führt die Straße direkt durch eines der fünf Biotope nördlich des Bultensees. „Allein das wäre bereits ein Skandal. Mir kann nämlich keiner erzählen, dass da jemand kommt und vor Baubeginn noch schnell die Kröten aufliest“, sagt der Aktivist. „In einem Landschaftsschutzgebiet so etwas zu planen, ist ohnehin unsinnig und schafft nur einen Präzendenzfall“, schiebt er nach.

Ausnahmecharakter dürften auch die Formfehler haben, die die Initiative der Stadt vorwirft. Ein Beispiel dafür sind die falsch gekennzeichneten Änderungsentwürfe für den Flächennutzungsplan. Die hätten verhindert, dass die betroffenen Orte sich dazu beraten. In den Änderungsentwürfen vom 31. Oktober 2012 und vom 6. November 2014 ist das zur Diskussion stehende Windrad jeweils dem Ortsteil Oberneuland zugewiesen. „Kein Wunder, dass das an den Betroffenen vorbeigegangen ist. Der Teil gehört nämlich in Wahrheit zu Tenever“, sagt Martin. Darüber hinaus sei keine Anfrage zur betroffenen Vorrangfläche 373-570 eingegangen, weshalb auch das Ortsamt Osterholz keine Beratungen durchgeführt habe und weder die Gemeinde Oyten, noch der Landkreis Verden eine Stellungsnahme abgegeben hätten.

Die Unterschriftenliste, die die Bürgerinitiative vor Schaffung der Petition erstellte, ging zuletzt auf 600 Signaturen zu. Bei Redaktionsschluss hatte die Online-Petition 70 Mitzeichner. Wer das Dokument einsehen oder unterstützen möchte, findet es auf petition.bremische-buergerschaft.de unter „S19/133 – Beschwerde über die Ansiedlung von Windkraftanlagen“. Bis Montag, 29. August, können Interessierte das Dokument unterschreiben.

Autor

Andreas Schultz Andreas Schultz
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