Zu Besuch in der Greifvogelstation Campe - Von Elke Keppler-Rosenau

Hilfe für Uhu & Co.

Tierarzt Ulrich Blank
 ©

Ottersberg. Der etwa zwei Monate alte Uhu ist sehr scheu. Argwöhnisch betrachtet er Besucher. Er scheint sich gestört zu fühlen, bleibt aber ruhig auf seinem Ast sitzen. Er verliert gerade sein letztes Daunengefieder, aber so jung wie er ist, hat er bereits eine imponierende Gestalt. Die seltene Großeule wurde verletzt aufgefunden und in der neu eingerichteten Greifvogelpflegestation in Campe, einem Ortsteil von Ottersberg, abgegeben. Dort kümmert sich Tierarzt Ulrich Blank um die gefiederten Patienten.

Der Uhu bewohnt eine großzügige Voliere und wird, wenn er ausgewachsen ist, ausgewildert. Gleich nebenan hockt ein etwas jüngerer und noch viel kleinerer Uhu. Er muss einen Unfall gehabt haben. Genau weiß man das nicht. Er sieht nichts, kann sich somit nicht orientieren und was tatsächlich einmal aus ihm wird, ist ungewiss. Auf jeden Fall ist er bei Blank in guten und sachkundigen Händen. Ihm obliegt es, die hilflosen, kranken oder verletzten Greifvögel mit seinem Fachwissen zu versorgen, sie aber nicht handzahm zu machen, weil das eine spätere Auswilderung in einen natürlichen Lebensbereich unmöglich machen würde.

Ein Turmfalke, in einem eigenen Appartement daneben, sieht bereits ganz vielversprechend aus. Auch er verliert derzeit die restlichen Flaumfedern und zeigt schon sein typisches Gefieder. Er ist neugierigen Besuchern nicht unbedingt zugetan. Instinktive Drohgebärden zeigen, dass er Menschen auf Abstand halten will. Anders ist es bei Blank.

Von ihm kommt das Futter in Form von Eintagsküken, die aus einer Cloppenburger Brüterei stammen. Seine Stimme kennt der Uhu und der Falke ebenso. Kommt er, so ist der Moment immer mit Atzung, Nahrung, verbunden, was ein positives Erlebnis und positive Erwartungen beinhaltet. Gutes Zureden mit einer möglichst sanft gehaltenen Stimme löst bei den Patienten und Zöglingen keine Abwehrreaktion aus. Auch nicht, wenn Blank aus beruflichen Gründen die Atzung nicht selbst vornehmen kann und seine Frau Kerstin einspringt. An sie sind die Vögel ebenso gewöhnt.

In einem Verschlag sitzen zwei kleine Waldohreulen. Sie machen noch einen ängstlichen und überaus skeptischen Eindruck. Beide sind unterschiedlich groß, aber dennoch aus einem Gelege. Den Größenunterschied erklärt Blank damit, dass die Eulen Eier mit zeitlichem Abstand legen, aber bereits sofort nach der Eiablage beginnen zu brüten, also schlüpfen die Jungen auch zeitverzögert.

Die kleinen Eulen mit ihrem Flaumgefieder, noch weit davon entfernt, richtige Walohreulen zu sein, Ansätze von Federn, die als Ohren bezeichnet werden, fehlen noch ganz, sie drücken sich aneinander, als harren sie dessen, was ihnen widerfährt, Hauptsache, es gibt in kurzen Zeitabständen Futter.

Fast ausgewachsene Waldohreulen leben in einer geräumigen Voliere zu viert. Einem Vogel fehlen noch die typischen Ohrenfedern, die aber nicht wirklich etwas mit dem Gehör zu tun haben. Misstrauisch beobachten sie jeden fremden Besucher, wobei ihre Mimik irgendwie wütend rüberkommt. Offenkundig wollen sie nicht beobachtet werden und fotografiert schon gar nicht. Schlank und unnahbar sitzen sie auf den Ästen von ausgeschnittenen Bäumen, warten, dass sie groß und kräftig genug sind, ausgewildert zu werden.

In einem kleinen, aber räumlich dennoch angemessenen Verschlag wird eine kleine Schleiereule gepäppelt. Noch ist sie ein Federbällchen, aber es zeigen sich bereits erste Ansätze von Flügelfedern, die später einmal eine enorme Spannweite ausmachen. Auch dieser kleine Greifvogel wünscht keinen direkten Kontakt mit Menschen. „Wenn man ihr nahe kommt, zischt sie wie eine Schlange. Das ist ein natürliches Abwehrverhalten. Sie bleiben Wildvögel, Streicheltiere sind es nicht“, sagt Blank, der sich schon immer für Vögel interessiert und sich nun auf die Gattung der Greife spezialisiert hat.

Anders ist es in der Voliere daneben. Dort wachsen fünf Waldkauze auf und die sind bereits recht munter. Sie flattern umher, sind fast fertig mit dem Wuchs des Gefieders und ebenfalls unterschiedlich groß, was, wie Blank erklärt, damit zu tun hat, dass bei Eulen das Männchen stets kleiner ist als das Weibchen. Darüber hinaus legen Eulen zeitversetzt Eier, also sind die Jungen unterschiedlich groß. Diese Vogelart kann man getrost als komische Vögel bezeichnen. Gar nicht scheu zeigen sie eine Neugierde, die sie dicht an den Menschen herankommen lässt. Sie fassen ihr Gegenüber direkt ins Auge, drehen und kippen die Köpfe, was ein urkomisches, beinahe papageienartiges Verhalten äußert. Ungeniert putzen sie ihr Gefieder auf einem ausgeschnittenen Baumstamm, umklammern mit einem Fuß einen kleinen Zweig, spielen damit, wie mit einem Werkzeug, wobei sie ihre Umgebung keine Sekunde aus den Augen lassen. Wie Eulen es so machen, drehen sie die Köpfe dabei so weit nach hinten, dass es einem schwindlich werden könnte und sind Blank sehr zugetan. Kommt er mit einer toten Maus, was in der Natur zu ihrem Nahrungsangebot gehört, sind sie sehr interessiert, denn Mäuse mögen sie gerne. Durch ihre schlanke Körperform lassen sie sich leicht im Ganzen schlucken, vielleicht schmecken sie so auch besser.

Zwei der Waldkauze stammen aus dem gleichen Gelege, die anderen wurden irgendwie aufgefunden und für mutterlos gehalten. „In den meisten Fällen stimmt es nicht, dass die Eltern Nestlinge und spätere Ästlinge verlassen haben. Eulen sind nachtaktive Vögel. Sie füttern nur während der Dunkelheit. Werden die Kleinen größer, begeben sie sich auf Entdeckungsreise, sie klettern aus den Nestern heraus, sitzen am Boden und machen einen hilflosen Eindruck, was Tierfreunde auf den Plan ruft, um einzugreifen. Der Eindruck aber täusche. In der Regel werden sie weitergefüttert. Es reicht völlig, sie auf einen Ast zu setzen. Es sind meistens keine Notfälle, es sei denn, sie sind verletzt. Tierfreunde sollten zunächst einmal längere Zeit das Geschehen beobachten und nicht spontan handeln“, erklärt Blank, der sich ausschließlich um hilflose, kranke oder verletzte Greifvögel kümmert und nicht um Meisen, Amseln oder andere Vögel.

Das liegt darin begründet, dass die Greifvogelpflegestation eine vom Land Niedersachsen anerkannte spezielle und auch budgetierte Betreungseinrichtung im Landkreis ist. Ziel der ehrenamtlichen Tätigkeit ist, alle Tiere wieder auszuwildern und ihrem natürlichen Lebensraum wieder zuzuführen. „Natürlich schaffen es nicht alle, aber das ist in der Natur auch so. Wenn Verletzungen zu schwer sind muss man konsequent sein“, so der Veterinär, der auf langjährige Berufserfahrung zurückblicken kann.

Bevor die Station in Campe installiert wurde, war sie viele Jahre bei dem Tierarzt Faensen in Etelsen ansässig. Dessen Praxis wurde aus Altersgründen aufgegeben und als sein Berufskollege Blank in Campe Interesse zeigte, dort neu aufgebaut. Der Landschaftspflegtrupp mit Norbert Nalenz und Christian Tiedemann leistete ganze Arbeit. Die hölzernen Gebäude fügen sich perfekt in die weitläufige Gartengestaltung der Blanks in Campe ein und stehen an einem Platz, der Ruhe für die empfindlichen Vögel garantiert.

Blank bittet im Falle aufgefundener, verletzter Greifvögel um eine vorherige telefonische Kontaktaufnahme unter 0160/98355188. Darüber hinaus gibt es nähere Informationen unter www.landkreis-verden.de.

11.09.2019

Erntefest Wittkopsbostel

09.09.2019

Erntefest Bassen

08.09.2019

Erntefest Hellwege

08.09.2019

Erntefest Reeßum