Zollhausboys mit weiblicher Komponente in Kreuzbuchen

„Flucht war gestern“

Pago Balke (rechts) und die fabelhaften Zollhausboys gastierten mit der Sängerin Selin Demirkan vor einem restlos begeisterten Publikum. Foto: Elke Keppler-Rosenau
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Ottersberg. Den „Zollhausboys“ mit Pago Balke als Mentor, Musiker und Sänger eilt in der Region ein ganz bestimmter Ruf voraus. Wo auch immer sie konzertieren, liegt ihnen das Publikum zu Füßen. Sie singen, rappen, kritisieren, legen den Finger in öffentlich schwärende Wunden und sorgen überall für volles Haus. So auch am Samstag im Schützenhaus Kreuzbuchen.

Der rappelvolle Parkplatz ließ vermuten, dass wohl die komplette Fangemeinde angereist sein musste, um den Zollhausboys Referenz zu erweisen, und wie immer wurden sie nicht enttäuscht. Im Gegenteil, sie bekamen eine Show geliefert, die es in sich hatte. Die Band, dieses Mal durch Selin Demirkan, Schweizerin mit türkischen Wurzeln verstärkt, die einen erfrischenden stimmlichen Akzent in die Männertruppe brachte und alle Blicke auf sich. Songs, die meisten aus eigener Feder, Poetry und Kabarett vermischten Kulturen aus Bremen, Aleppo und Kobani und brachten Instrumente wie Klavier, Ukulele, Schlagzeug, Gitarre und andere zum Einsatz. Die Zollhausboys performten auf eindrucksvolle Weise und brachten das Publikum mit provokativen Texten dazu, anhaltend zu applaudieren. Balke, nicht nur Musiker, sondern auch Schauspieler und Kabarettist und Gründer der Zollhausboys, hat mit seiner Truppe, zu der nun auch Demirkan gehört, ein Konzept entwickelt, das es sich zur Aufgabe macht, mit ausschließlich deutschen Texten eine lebendige Antwort auf Rechtspopulismus auf die Bühne zu bringen. Balke schlüpft dabei immer wieder in die verschiedensten Rollen und betätigt sich als singender und rappender Geschichtenerzähler. Mit seiner Band erheitert er die Menschen, lässt sie aber auch in einen Spiegel voller Missstände in der heutigen Gesellschaft blicken, wenn er singt: „Flucht war gestern, ankommen ist heute. Wie wird es morgen?“ Seine Botschaft und die seiner Mitstreiter ist unmissverständlich, wenn nicht sogar kompromisslos, was die Integrität von Menschen betrifft. Trotz der ernsten Hintergründe kommt das Programm der Zollhausboys kurzweilig und abwechslungsreich rüber, zumal es eine eindrucksvolle musikalische Qualität aufweist. Songs wie „Geh weiter“, „Familie“ „B1“ oder „Alphabetisierungskampagne“ und nicht zuletzt „an allem sind die Flüchtlinge schuld“, verdeutlichten dem Publikum, dass Mitbürger mit Migrationshintergrund in ihrem Alltag mit Vorurteilen zu kämpfen haben und noch weit davon entfernt sind, wirklich eingegliedert zu sein, egal, ob sie perfekt deutsch sprechen oder nicht.

Der wandelbare Balke schaffte es mühelos, in Rollen zu schlüpfen, die das deutsche Bürgertum von seiner wirklichen, so gepflegten Seite zeigten. Umständlich, überkorrekt, ein bisschen rechthaberisch und auch belehrend. Die perfekt Deutsch sprechenden und singenden Zollhausboys mit den drei Syrern Ismaeel Foustok, Azad Kour und Shvan Sheikho sowie dem Bolivier Thomas Krizsan sangen von Missverständnissen, spätem Begreifen von Zusammenhängen und immer von dem Willen, sich in ihrer neuen Heimat einzuleben und Freunde zu finden.

Der Song über die Werderjacke von Azad Kour, für den Balke den Text geschrieben hat, war lustig, zeigte aber auch einen Weg auf, sich gegenseitig anzunähern – und sei es über Fußball.

Fazit: Ein gelungenes Konzert in all seinen Facetten, das hoffen lässt, dass die Zollhausboys bald wieder in Kreuzbuchen auftreten.

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