Was Menschen von Pferden lernen können

Spiegel der Seele

Ulrike Schumann Stöckert mit Fee und Levante die ein besonderes Gespür für Menschen haben. Foto: Elke Keppler-Rosenau
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Ottersberg (kr). Levante ist ein goldbrauner Mangalarga Marchador Wallach aus dem Besitz von Ulrike Schumann-Stöckert. Er ist nicht großrahmig, aber imposant durch seine Präsenz. Er geht auf die Menschen zu, ist neugierig, will sie beschnuppern und lässt es sich nicht nehmen, dabei alles in Augenschein zu nehmen, was diese so bei sich tragen. Seine dicken Pferdelippen bewegen sich tastend, aber sehr vorsichtig, entblößte er jedoch sein gewaltiges Gebiss, lässt es jeden, der nicht mit Pferden vertraut ist, zurückschrecken.

Levante ist aber ein überaus gutmütiges Pferd, das sich offenkundig darauf eingestellt hat, mit Menschen umzugehen, die Angst vor großen Tieren haben. Sein schönes gepflegtes Fell, seine schwarze Mähne und sein winziger weißer Stern auf der Stirn verlocken dazu, ihn zu streicheln, worauf er offenkundig aus ist.

Neben ihm steht Fee, eine Lipizzaner Stute im typischen Schimmelkleid. Sie übertrifft Levante noch an Liebenswürdigkeit. Fee wird ihrem Namen gerecht. Menschen, die ihr begegnen, vermittelt sie den Eindruck, dass sie um ihre Größe nicht weiß und dass sie das auch nicht interessiert. Fasst sie Vertrauen, wobei sie in Vorleistung geht, entwickelt sich schnell eine Kommunikation zwischen Mensch und Pferd, die eine beeindruckende Basis hat. Sie schnuppert, lässt sich kraulen, wobei sie ihren Kopf willig hinhält, und gibt dieses einmalige Gefühl von Zärtlichkeit zurück. Fee ist eine überaus elegante, aber ein wenig klein geratene Stute, was aber für die Therapierarbeit sehr hilfreich ist.

Menschen, die in extremen Situationen, oft familiär oder beruflich sind und denen der Blick auf das Ganze zu entgleiten droht, wird mit dem Umgang mit den Therapiepferden wieder eine neue Perspektive geboten. Sie gewinnen wieder einen zentralen und konkreten Blick auf ihr ganz persönliches Umfeld. Gewinnen an Sicherheit und Selbstbewusstsein und erarbeiten sich neue Handlungsoptionen.

Während Fee und Levante im Parcours auf weichem Sandboden laufen und auf jede Anweisung ihrer Besitzerin reagieren, gehen ihre Ohren immer hin und her. Sie hören alles, vernehmen jede Stimmung, die von den Menschen rübergebracht wird und stellen sich darauf ein.

Schumann-Stöckert erhebt im Umgang mit ihren Pferden niemals ihre Stimme. Im Gegenteil, sie spricht betont leise, was die Pferde veranlasst, ihr genau zuzuhören und auf ihre Worte zu achten. Als ausgebildete Co-Trainer übernehmen sie eine besondere Aufgabe, denn sie sind als Fluchttiere Wahrnehmungsexperten. Erschrecken darf man sie nicht. Der Umgang mit ihnen muss rücksichtsvoll, respektvoll und offen sein, dann geben sie sehr schnell Freundschaft zurück, die vielen Menschen im täglichen Leben abhandengekommen ist. Die Pferde regieren unmittelbar auf nonverbale, oft unbewusste Signale, spiegeln diese direkt und machen sie dem Menschen bewusst. „Viele, die sie sich vorher nicht als direkte Pferdemenschen gesehen haben, machen diese Erfahrungen“, erklärt Schumann-Stöckert.

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