Vortrag über den dramatischen Preisanstieg bei Nutzflächen

Ackerland ist abgebrannt

FGBO-Vorsitzender Harald Steege (rechts) begrüßt Landwirt Jens Cordes, der in Ottersberg einen Vortrag über den dramatischen Preisanstieg bei Nutzflächen hielt.
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Ottersberg (r/bb). Die Freie Grüne Bürgerliste Ottersberg (FGBO) hatte gemeinsam mit dem Verein „Roland-Regional – Bildung und Wissen“ den Demeter-Landwirt Jens Cordes aus Stuckenborstel zum Vortrag und Diskussion zur jüngsten öffentlichen Mitgliederversammlung eingeladen. Cordes referierte über ein aktuelles Thema, das Verbraucher und regionale Landwirte gleichermaßen betrifft.

Nach der Begrüßung durch FGBO-Vorsitzenden Harald Steege sowie der Einführung von Wilfried Voortmann vom Verein Bildung und Wissen, erläuterte Cordes per Powerpoint-Präsentation, dass die Preise für Acker- und Weideland in den vergangenen 20 Jahren dramatisch gestiegen sind. Kostete 1998 ein Hektar Ackerland noch etwa 17.000 Euro, musste der Landwirt im Jahre 2018 schon über 25.000 Euro dafür bezahlen. Wobei es bei diesen Preisen auch wieder große regionale Unterschiede gibt. Ackerland in Bayern sei deutlich teurer als ein Acker beispielsweise in Sachsen oder Mecklenburg-Vorpommern.

Die Gründe für die Preistreiberei ließen sich schnell erklären: „Boden wird knapper. Allein 90 Hektar werden täglich versiegelt, also bebaut – mit Straßen oder Häusern. Immer mehr Flächen werden für die weltweit steigende Nachfrage nach Nahrungsmitteln benötigt“, heißt es in einer Pressemeldung der FGBO. In Deutschland würden obendrein „die hoch subventionierten Betreiber der Biogasanlagen“ immer mehr Ackerland für ihre Energiepflanzen, bevorzugt Mais, nutzen, wie an den zunehmenden Monokulturen auf den Äckern deutlich zu sehen sei. Und zu guter Letzt wird ganz allgemein in Ackerland investiert, da die Besitzer größerer Vermögen derzeit den Erwerb von Grund und Boden als sicheres und risikofreies Investment betrachten würden. „Hinzukommt, dass die ,Enkelgeneration’ als die heutigen Erben der Flächen keinen oder nur einen geringen Bezug zur Landwirtschaft haben und deshalb ihr Land möglichst gewinnbringend verkaufen wollen“, so Cordes. All diese Faktoren führen laut Cordes dazu, dass der Landwirt immer seltener Flächen pachten oder ankaufen kann, weil entweder Boden gar nicht zur Verfügung steht oder für einen Betrieb nicht mehr erschwinglich ist. Genau an dieser Stelle warb Cordes für eine vor vier Jahren gegründete Genossenschaft namens Kulturland eG. Dieser Genossenschaft hätten sich bereits 430 Menschen angeschlossen, die mit ihrem Genossenschaftsanteil dafür sorgen wollen, dass landwirtschaftliche Flächen für regional arbeitende Betriebe auch künftig zur Verfügung stehen. Die Kulturland-Genossenschaft erwirbt Ackerland, Wiesen, Weiden, Hecken und Biotope und stellt das Land regional eingebundenen Bauernhöfen zur Verfügung, die „Bio-Lebensmittel vor Ort vermarkten, Führungen anbieten, Naturschutz und Landschaftspflege betreiben, soziale Betreuung leisten oder erlebnispädagogisch mit Schulklassen arbeiten“, fasst Cordes zusammen, dessen Hof in Stuckenborstel ebenfalls Nutznießer jener Genossenschaft ist. Mit einem Mindestanteil von 500 Euro könne jeder Genosse werden. Mit der Beteiligung erwirbt Kulturland Ackerland, Wiesen, Weiden, Hecken und Biotope. Jedes Genossenschaftsmitglied ist direkt am Hofleben beteiligt. Das so investierte Geld wirft keine Zinsen ab – „sein Ertrag liegt in der Zukunft, bei den Kindern, bei selten gewordenen Tieren und Pflanzen, beim Erhalt von naturgebundenen ,Heimatplätzen'“, erläutert der Landwirt aus dem Landkreis Rotenburg, der auf der FGBO-Mitgliederversammlung noch viele Fragen der Zuhörer beantworten musste. Einig waren sich die meisten Besucher darin, dass Ackerland und Weiden nicht zum Spekulationsobjekt für den Geldmarkt werden dürfen, sondern zum Erhalt der Produktion an gesunden Lebensmitteln zur Verfügung stehen müssen.

Autor

Björn Blaak Björn Blaak
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