Thema „Ruheforst“ kommt nicht zur Ruhe

Kein Schweigen im Walde

Protest-X "Kein Ruheforst" in der Quelkhorner Surheide Foto: Björn Blaak
 ©

Fischerhude (bb). Matthias Bartke ist nicht nur Mitglied des Bundestages in Berlin, sondern auch des Öfteren Wochenendgast in Quelkhorn. Beides hat er kombiniert, und am 9. Juli ein Schreiben als Abgeordneter und Wochenendhausbesitzer in der Surheide an Ottersbergs Bürgermeister Tim Willy Weber gesandt. Darin stellte er dem Verwaltungschef Fragen zum geplanten und mittlerweile vom Gemeinderat mehrheitlich befürworteten „Ruheforst“ in Teilgebieten des Waldes zwischen den Straßen In der Surheide und An den Fuhren und bat um baldige Antwort. Ruheforst-Befürworter Weber ließ sich nicht lange bitten und tat wie ihm geheißen. Fragen und Antworten hat die Rundschau im Folgenden gegenüber gestellt.

Matthias Bartke: „Warum wurde für den geplanten „Ruheforst“ das Waldstück in der Surheide ausgesucht? Gab es auch andere Waldstücke in der Umgebung, die für das Vorhaben geprüft wurden?

Tim Willy Weber: Es wurden mehrere Waldflächen im Besitz des Realverbandes gesichtet. Die schließlich ausgewählte Fläche hat einen hohen Bestand an Laubbäumen.

Bartke: Nach meiner Kenntnis ist ein Friedwald mit 4.000 Grabstätten geplant. Bei einer Grabnutzung von 30 Jahren ergibt die rechnerisch 160 Bestattungen jährlich. Bei schätzungsweise zehn Autobesuchern pro Beerdigung sind dies 3.200 An- und Abfahrten pro Jahr. Ist diese Annahme zutreffend?

Weber: Sie gehen meines Erachtens von einer Mehrfachbelegung aus. Die jeweilige Urnenbestattung findet an einer Stelle jedoch nur einmal statt. Wenn wir 4.800 durch 99 Jahre rechnen, würden wir auf rund 50 Beerdigungen jährlich kommen, vorausgesetzt alle Grabstellen werden belegt. Da die Totenruhe 30 Jahre beträgt, müssten durchschnittlich 4.800 durch 69 Jahre rund 70 Beerdigungen jährlich stattfinden.

Bartke: Ist eine Stellungnahme der örtlichen Kirchengemeinde eingeholt worden, die ja Träger des Friedhofes Fischerhude ist?

Weber: Eine Stellungnahme ist nicht eingeholt worden. Die Kirchengemeinde Fischerhude war zur Bereisung/Besichtigung im Februar 2020 eingeladen.

Bartke: Ist ein Benehmen mit dem Schützenverein hergestellt worden? Ist insbesondere sichergestellt, dass keine Schießübungen und Schützenfeiern während der Beerdigungszeremonien stattfinden? Soll es das Surheider Schützenfest künftig nicht mehr geben?

Weber: Das Schützenfest soll und kann weiter stattfinden. Der Übungsbetrieb findet in der Regel außerhalb der Trauerfeiern statt. Sollten hier weitere Absprachen nötig sein, werden die zwischen Realverband und Pächter geführt werden.

Bartke: Schräg gegenüber des Schützenhauses war jahrzehntelang eine Mülldeponie, die jetzt für den Ruheforst ausgespart ist. Ist geprüft worden, ob der Boden ringsum kontaminiert ist? Oder wird gegebenenfalls in Kauf genommen, dass die Bestattungen in kontaminierter Erde stattfinden?

Weber: Die von Ihnen benannte, Ihrer Wahrnehmung nach seit Jahrzehnten bestehende Mülldeponie, ist uns unbekannt. Befragungen älterer Mitbürger konnten diese Behauptung nicht bestätigen. Eine Mitbürgerin berichtete von einer Mergelkuhle, die nach ihrer Aussage von Anwohner/innen zur Ablage von Grünabfall genutzt wurde. Diese Kuhle befindet sich schräg gegenüber dem Schützenhaus. Sollten Sie weitere Kenntnisse über die von ihnen behauptete Kontamination des Bodens erlangen, würde ich mich über eine Benachrichtigung freuen.

Anwohnertreffen

Die Anwohner, die dem „Ruheforst“ skeptisch gegenüberstehen, wollen indes nicht so einfach hinnehmen, dass ihnen quasi vor ihrer Haustür Urnen ins Erdreich gegraben werden. Am heutigen Samstag treffen sie sich daher vor dem Schützenhaus mit einem Rechtsanwalt, um auszuloten, welche Schritte gegen das Ansinnen von Realverband, Ruheforst GmbH und Gemeindeverwaltung unternommen werden könnten.

Autor

Björn Blaak Björn Blaak
 04261 / 72 -435
 bjoern.blaak@rotenburger-rundschau.de

28.02.2021

Landpark Lauenbrück

12.02.2021

Winterlandschaft in Rotenburg

22.12.2020

Weihnachtsbilder

29.10.2020

Herbstfotos der Leser