Schaf- und Ziegenherde befreit Quelkhorner Moor von Bewuchs

430 hungrige Naturpfleger

Täglich von Sonnenaufgang bis Mittag beweidet die Herde von Schäferin Sabine Klatt zwei Wochen lang das wiedervernässte Quelkhorner Moor, frisst das Pfeifengras ab und trägt zum Erhalt des wertvollen Ökosystems bei. Fotos: Ikeo
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Quelkhorn – Mit 430 Schafen und Burenziegen ist Schäferin Sabine Klatt zurzeit im Quelkhorner Moor anzutreffen. Zwei Wochen lang beweiden die Tiere das 25 Hektar große Gebiet und fressen Pfeifengras, alte Heide und Birkengrün ab. Indem sie unerwünschten Bewuchs, der dem renaturierten Hochmoor wichtiges Wasser entzieht, kurz halten, tragen die Schafe und Ziegen zum Erhalt des einzigartigen Ökosystems bei.

Erich von Hofe, Vorsitzender des Klimaschutzvereins Ikeo, welcher seit dem Tod von „Moorvater“ Jochen Bertzbach die Pflege des Quelkhorner Kleinods übernommen hat, unterstreicht die Bedeutung des tierischen Einsatzes: „Eine wertvolle ökologische Arbeit.“ Den jährlichen Besuch der Herde finanziere die Naturschutzbehörde des Landkreises mithilfe von niedersächsischen Fördermitteln.

Welchen besonderen Beitrag die Tiere zum Natur- und Artenschutz im Quelkhorner Moor leisten und welche Bedeutung dem Moor in Zeiten des Klimawandels zukommt, das erfuhren Interessierte jetzt bei einer Stippvisite vor Ort. Dazu hatte Ikeo neben seinen Mitgliedern vor allem die Helferinnen und Helfer der winterlichen Entkusselungsaktionen eingeladen. Mit Spaten und Astscheren ackern die Freiwilligen jedes Jahr mehrere Tage im Moor, um es von Birkenschösslingen zu befreien. Rund 35 von ihnen folgten nun der Einladung, sich ein Bild von der Entwicklung der Landschaft zu machen und die vierbeinigen Helfer kennenzulernen.

Über die Arbeit ihrer Schafe und Ziegen und die ökologischen Zusammenhänge informierten die Schäfer Sabine Klatt und Jörk Hehmsoth die Gäste.

Dass Moorschutz gleich Klimaschutz ist, darauf hatte schon Jochen Bertzbach, der vor Jahrzehnten Motor der Wiedervernässung des Quelkhorner Moors war, in seinen Publikationen hingewiesen: „Intakte Moore speichern mehr Kohlenstoff als jedes andere Ökosystem der Erde und haben Jahrtausende zur Abkühlung des Klimas beigetragen, indem sie der Atmosphäre Treibhausgase entzogen.“ Entscheidend für die Klimawirksamkeit naturnaher Moore sei der stetig unter Wasser stehende Boden, der Kohlendioxid aus der Atmosphäre dauerhaft binde.

„Nasse Moore speichern sechsmal so viel CO2 wie Wälder“, ergänzt Erich von Hofe. Insofern sei renaturierten und wiedervernässten Moorflächen wie denen in Quelkhorn „eine unheimlich große Bedeutung“ beizumessen.

Aus der Zeit, als das Moor trockengelegt war und dort noch Torf als begehrtes Heizmaterial gestochen wurde, erzählte der Besuchergruppe Wilfried Mittendorf, Fischerhuder Ortsbürgermeister und Biologe. Anhand eines Stücks Schwarztorf stellte er die Entstehung und Entwicklung des Quelkhorner Moors anschaulich dar. Bis in die 1960er-Jahre wurde dort Torf abgebaut.

Vor mehr als 35 Jahren initiierten Naturschützer um Jochen Bertzbach die Wiedervernässung, die aus dem Gebiet einen einzigartigen Lebensraum machte, in dem seltene hochmoortypische Flora und Fauna wieder zu Hause sind.

pee

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