Satiriker Gerd Geiser über die neue Schotterkultur

Gärten des Grauens

Mehr Stein als Garten ist für Satiriker Gerd Geiser diesmal der Stein des Anstoßes. Foto: Elke Keppler-Rosenau
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Horstedt/Ottersberg (kr). Alles sorgt sich derzeit um den Erhalt der Artenvielfalt. Es bilden sich Initiativen, die sich um Insekten kümmern, die Wildblumen und Kräuter schützen wollen und der Nabu will sogar per Gesetz eine verbindliche Lebensgrundlage für Bienen, Wespen, Schmetterlinge und andere Kleinlebewesen zementieren – so wie manch ein Hausbesitzer seinen Garten. Der Satiriker Gerd Geiser hat sich exklusiv für die Rundschau seine Gedanken zum Schottertrend gemacht, nachdem er kürzlich durch eine fast fertiggestellte Neubausiedlung seines Nachbardorfes fuhr.

„Ich fragte mich, warum die Häuser dort einen Gleisanschluss erhalten sollen, denn beim Bau von Gleisanlagen sei ein Schotterbett notwendig und in den Vorgärten fehlten eigentlich nur noch die Schienen. Das war im Frühjahr. Doch bis zum Sommer hatten sich die Aufschüttungen nicht in entsprechender Weise verändert. Stattdessen musste ich feststellen, dass der Schotter mittlerweile auch in der Senkrechten verarbeitet wurde.

In Drahtgeflechten, sogenannten Gabionenkörben, als Gabionenzäume und Gabionenensembles erreichte das graue Gebrösel oftmals Höhen bis zu vier Metern. Geiser fielen die unterschiedlichsten Grautöne auf und die veranlassten ihn, ins Thema einzusteigen: „Ich fand heraus, dass finanziell am günstigsten ein recycelter Autobahnabschnitt, also klein gehäckselter Beton, ist. Den kann man bereits für 13 Euro in die Tonne klopfen. 15-mal teurer ist schwarzer Knack-Basalt. Bei Nichtgefallen würde der Lieferant den Schotter auch nach 30 Tagen auf eigene Kosten zurücknehmen. Das sei aber angesichts der zunehmenden Beliebtheit von Schottergärten offensichtlich nicht notwendig. Darüber hinaus sind vor dem Einbringen von Schotter zwei Regeln zu beachten. Die zu schotternde Fläche müsse dauerhaft verdichtet und mit einem Flies versiegelt werden.

Bisher haben jene Gärten des Grauens so gut wie keine dem Schotter angepassten graubunten Gewächse hervorgebracht, sodass die Liebhaber dieser versiegelten Flächen anscheinend gleich ganz auf die Bepflanzung ihrer grauen Lunge verzichtet haben.

Nur vereinzelt konnte ich winzige Formgehölzchen aus dem Baumarkt aus dem Trümmerschutt hervorlugen sehen, welche sicherlich von den dort wohnenden Trümmerfrauen als Ersatz für einen grünen Garten dort eingesetzt wurden.“.

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