Niederdeutsche Erstaufführung im Buthmanns Hof

Geschlossene Gesellschaft und danach kommt Peggy

Bürgermeister Tim Willy Weber, Thomas Willeberger, Inske Albers-Willberger und Michael Kallhardt laden zur Premiere der neuesten Aufführung von "SpielArt" in den Buthjmanns Hodfein. Foto: Elke Keppler-Rosenau
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Fischerhude. Plattdeutsches Theater heißt nicht automatisch, sich zu amüsieren und sich vor Vergnügen auf die Schenkel zu klopfen. Es kann dramatisch, philosophisch und hintergründig sein und muss auch nicht unbedingt ein Happy End haben, damit die Zuschauer mit einem Lächeln im Gesicht nach Hause gehen.

Dass Plattdeutsches Theater in seiner Thematik höchst anspruchsvoll sein kann, zeigt das „Theater SpielArt“, als Nachfolger des nicht mehr existierenden Ensembles Theater auf dem Flett vom Landschaftsverband Stade seit ein paar Jahren mit Inszenierungen, die nachhaltige Eindrücke hinterlassen. Am Samstag und Sonntag, 12. und 13. September, soll das erneut gelingen: Der Buthmnanns Hof erlebt den Auftakt einer Premiere, auf dem Spielplan stehen zwei Stücke, getrennt durch die Pause. „Ünner uns, Gechlossene Gesellschaft“, ein Schauspiel nach Jean-Paul Satre und danach „My Name is Peggy,“ ein Komödie von Marc Becker. Regisseur Thomas Willberger und seiner Frau Inske Albers-Willberger, Schauspielerin und Dramaturgin, bringen beide Stücke auf die Bühne – wie immer mit reduziertem Bühnenbild, was die Szenen umso plastischer hervortreten lassen soll.

Beide verzichten stets gerne auf begleitenden Schnickschnack, um das Bühnengeschehen und den Auftritt der Schauspieler explizit hervorzuheben. Bei der Doppelaufführung geht es im ersten Teil „Ünner uns“, um drei Personen, die einander im Leben nie begegnet sind, werden aber nach ihrem Tod für alle Ewigkeit in einem Hotelzimmer zusammen sein. Das ist nach Jean Paul Sartre die Hölle.

Das Schauspiel wurde zur Nazizeit im besetzten Frankreich mit Sondergenehmigung aufgeführt und vom Publikum gefeiert. Satres Erfahrungen als Kriegsgefangener flossen in dieses Stück ein. Es war sein drittes Theaterstück, das Werk erfuhr 1944 in Paris die Erstaufführung und beschrieb die völlige Anhängigkeit von Menschen, die auf engstem Raum miteinander leben oder existieren müssen.

Peggy, eine namenlose Frau, wird im zweiten Stück von Inske Albers-Willberger dargestellt. Sie ist im besten Alter und gewährt Einblicke in ihren Alltag. Fröhlich parlierend nimmt sie das Publikum mit auf die Reise der verpassten Chancen ihres Lebens. Ein monoton verlaufendes Privatleben erzählt von Hoffnungen, Sehnsüchten und Enttäuschungen, von einem Dasein als Single, Wechselbädern, Stimmungen und Gefühlslagen. Sie schwelgt in ihren erotischen Wunschvorstellungen, strickt an Selbsttäuschungen und erliegt der aufkommenden Tristesse. Nachdenklich wird sie einem Selbstbild nachspüren, das sich an vermeintlichen Männerphantasien orientiert und dennoch keinen garantierten Weg zum Glück finden.

Los geht es unter Berücksichtigung der Sicherheitsmaßnahmen am Samstag, 12. September, um 20 Uhr im Fischerhuder Buthmanns Hof mit der Premiere und einer weiteren Aufführung am gleichen Ort am Sonntag, 13. September, um 13 Uhr mit dem Heimathaus Irmintraut als Gastgeber.

Aufführungen im Heimathaus Wachholz in Beverstedt, der Scheeßeler Mühle, dem Heimathaus „Op de Heidlog“ in Kutenholz sowie in der Burg Bederkesa, dem Erbhof in Thedinghausen, der Kulturmühle in Berne und dem Linteler Krug folgen und machen die Tournee komplett. Termine lassen sich in Internet unter den jeweiligen Adressen abfragen.

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