Neue Ausstellung im Modersohn-Museum startet

Alpenblick und Wümmeschlick

Dieses Überschwemmungsszenario malte Otto Modersohn um 1932. Das Bild befindet sich heute in Privatbesitz, ist aber Teil der neuen Ausstellung.
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Fischerhude – Am Ende der Bredenau tut sich etwas. Dort konzipiert das Otto-Modersohn-Museum derzeit eine Sonderausstellung. Sie trägt den Titel „Otto Modersohn – Fischerhude 1926 bis 1932“ und soll am 18. September starten.

Dazu heißt es in einer Ankündigung des Museums: Die Jahre 1926 bis 1932 sind für Otto Modersohn und seine Frau mit einschneidenden Veränderungen verbunden. Wie schon 1925, reist das Ehepaar auch 1926 und 1927 nach Würzburg, auf das Hofgut ‚Neue Welt’ zur Malerfreundin Gertraud Rostosky, und daran anschließend in das Allgäu nach Unterjoch, Oberjoch, Fischen und Tiefenbach.

Otto Modersohn, der sich in Franken, namentlich in Wertheim, Iphofen und Sulzfeld so wohl fühlte, dass er sich dort einen zeitweiligen Sommerwohnsitz vorstellen konnte, fand im Allgäu keine Bindung, weder menschlich noch künstlerisch. Die Bergwelt erschloss sich ihm nicht in der Weise, wie zuvor die sanfte fränkische Mainlandschaft. Aber auch menschlich blieb ihm die etwas derb-rustikale Wesensart der bayerischen Bergbewohner zunächst fremd.

Anders ging es seiner Frau Louise Modersohn-Breling, Sie fühlte sich dort schnell heimisch, suchte Kontakt zu den Menschen und unternahm mit ihnen ausgedehnte Bergwanderungen. Louise Modersohn träumte von einem Haus im Süden Deutschlands. Sie würde gerne an den Bodensee ziehen oder auch ins Allgäu und bedrängte Otto Modersohn inständig, ihr in diesem Wunsch zu folgen.

Otto Modersohns Malerei zeigt in den Jahren 1926 bis 1928 nuancierte stilistische Wandlungen.

Er erprobte verschiedene Malgründe, experimentierte mit saugenden und nichtsaugenden Malträgern, Tempera- und Ölfarbe, mit dünnem und pastosem Farbauftrag. Transparente, licht gehaltene Bildräume wechseln mit gedeckten, ganz verdichteten.

Seine bevorzugten Motive in Fischerhude bleiben die überschwemmten Wümmewiesen mit der Spiegelung des hohen Himmels, das Wümmeufer mit seinen urtypischen Entenhäusern, Stegen und Schleusen, die Surheide mit ihrem Gehölz und die Moorlandschaft mit den diagonal gesetzten Gräben, Moorkaten und Birkenstämmen. Hinzu kommen Wiederholungen seiner großen Moorbilder, die er zumeist im Auftrag des Kunsthandels malte.

Seiner Frau berichtete Otto Modersohn ins Allgäu – wo sie sich seit 1928 auf die Suche nach einer eigenen Bleibe für ihre Familie gemacht hatte - von seinen Aufträgen, Verkäufen, Ausstellungsbeteiligungen und Besuchen seiner Kunsthändler, die ihn vor einem Wohnortwechsel warnten. Er befürchtete, dass ein Umzug in den Süden die finanzielle Existenz der Familie ernstlich gefährden könne.

1929 gab Otto Modersohn dem Drängen seiner Frau aber dennoch nach und freundete sich zunehmend mit dem Gedanken an einen Zweitwohnsitz an. Ein Jahr später erwarb er ein altes Bauernhaus auf dem Gailenberg bei Hindelang im Allgäu, wo er bis 1935 die Frühjahrs- und Sommermonate verbrachte. Man malte gemeinsam in den Bergen, die auch für Otto Modersohn zu einer neuen Quelle der Inspiration wurden. Otto Modersohn schrieb am 29. Oktober 1930 nach seiner Rückkehr in einem Familienrundbrief: „Ich habe einige sehr schöne Monate auf unserem Besitztum im Allgäu verlebt. Nur zu schnell verging die Zeit. Erst hatten wir viel Regen und die Berge erglänzten im Schnee, dann kamen herrliche Wochen, in denen ich viel arbeiten konnte. Die großartige Bergwelt mit ihrem magischen Farbenzauber hat einen großen Eindruck auf mich gemacht. Die neuen Stoffe haben sehr erfrischend und verjüngend auf mich gewirkt.“

Durch die mehrmonatigen Aufenthalte im Allgäu reduzierte sich das in Fischerhude entstandene Werk jahreszeitlich auf die Frühjahrs- und Wintermonate. Sein großer Erfahrungsreichtum eröffnete ihm zunehmend eine malerische Umsetzung seiner Skizzen und Kompositionen aus der Vorstellung. Otto Modersohn näherte sich in dieser Zeit seinem häufig geäußerten Ideal an, seine Bilder wie seine Kompositionen entstehen zu lassen, ganz der Intuition hingegeben, verdichtete Vorstellungsbilder aus dem überreichen Fundus seiner Bilderfindung zu schöpfen. bb

• Geöffnet ist das Otto-Museum-Museum in der Bredenau 95 in Fischerhude täglich von 10 bis 18 Uhr.

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