Neue Ausstellung: die Stillleben des Otto Modersohn

Von Paula inspiriert

"Stillleben mit weißer Decke" titelt dieses Bild von Otto Modersohn. Foto: Otto-Modersohn-Museum
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Fischerhude (r/bb). „Von allen Bildgattungen wurde das Stillleben, noch hinter der Landschaftsmalerei, bis zu Beginn des 19. Jahrhunderts, in der akademischen Hierarchie als die niedrigste eingestuft“, heißt es in einer Pressemeldung des Otto-Modersohn-Museums. Ob zu Recht können Besucher des Museums in Fischerhude ab Sonntag, 21. April, beurteilen, dann startet in der Bredenau eine neue Ausstellung mit dem Titel „Otto Modersohn – die Stillleben“. Sie läuft bis zum 23. Juni.

Die Stilllebenmalerei erlangte zum Ende des 19. Jahrhunderts, am Beginn der Moderne, einen Bedeutungswandel vor allem durch Maler wie Henri Fantin-Latour und Paul Cézanne. Das Stillleben erwirbt als Bildgattung künstlerische Autonomie.

Otto Modersohn verstand sich zeitlebens als Landschaftsmaler. Stillleben und Porträts finden sich in seinem Werk nur vereinzelt. Eine Ausnahme bilden die Blumenstillleben, die in seinem Spätwerk in größerer Anzahl zu finden sind. Ausschlaggebend für seine Beschäftigung mit der unpopulären Bildgattung waren die Stillleben Paula Modersohn-Beckers, deren besonderes und eigenartiges Kolorit er schätzte.

Im Trennungsjahr des Ehepaares 1906 versuchte er erstmals eine Annäherung an deren Stillleben durch Kopien ihrer Bilder. Erhalten sind von diesen Versuchen nur zwei Beispiele.

Paula Modersohn-Beckers Mutter schreibt am 8. Mai 1906 von Bremen aus an ihre Tochter in Paris: „Dein Mann trägt diese schwere Prüfungszeit in einziger Art, ich habe mir so etwas nicht vorstellen können. Er hat sich deine Studien in sein Atelier geschleppt und ist umgeben von deinen Stillleben. Er hat deine Farben von Brünjes geholt und malt damit die merkwürdigsten Dinge, ausgestopfte Vögel und alte Krüge und stellt deine Stillleben daneben und vergleicht, ob er deine Farben erreicht.“

Otto Modersohn versuchte, eine Synthese zu finden. Es ging ihm eher wie Cézanne, der in seinen Stillleben eine „Harmonie zur Natur“ anstrebte. Malerisch war Otto Modersohn ein Verehrer französischer Peinture. Viele seiner Bilder lassen die hohe Verehrung für die wunderbaren Apfelstillleben Cézannes und deren kompositorische Eigenarten zuweilen auch in seinen Stillleben anklingen. „Es gibt auch bei Otto Modersohn Draufsichten und labil angelegte Arrangements mit kippender Perspektive“, heißt es in der Pressemeldung des Museums weiter. Wie bei Cézanne seien die häufigsten Bildakteure auf Decken drapierte Äpfel, Birnen, Teller und Krüge. Zuweilen vereinzelt der meist farbig gefasste Teller mit dem Obst, auf ihm und drum herum.

Wie bei Cézanne, hätten auch in den Arrangements Otto Modersohns die Gegenstände keine tief greifende (allegorische) Bedeutung. Sie seien der persönlichen Umgebung des Künstlers entnommen. Es gibt bei Otto Modersohn Küchenstillleben mit Gemüse, Obst und Gegenständen des Küchengebrauchs; es gibt die bereits erwähnten Apfel- und Obststillleben mit Tellern, Schalen und Krügen und die Stillleben mit Vögeln seiner Vogelbalgsammlung von 1906 bis 1927.

Zu sehen sind sie täglich von 10 bis 18 Uhr im Otto-Modersohn-Museum, In der Bredenau 95 in Fischerhude. Weitere Infos finden sich auf www.modersohn-museum.de.

Autor

Björn Blaak Björn Blaak
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 bjoern.blaak@rotenburger-rundschau.de

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