Modersohn-Museum: Bilder von Heinrich Vogeler und Christian Modersohn

Zeichner im Krieg

Beklemmend aktuelle Wirkung: "Die Ruinen in Charkow" malte Christian Modersohn 1942. Foto: Modersohn-Museum
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Fischerhude – Krieg in Europa und jeden Tag neue Schreckensbilder. Vor dem aktuellen Hintergrund kommt der Sonderausstellung des Fischerhuder Otto-Modersohn-Museums eine besondere Bedeutung zu. Zu sehen sind unter dem Titel „Zeichner im Krieg“ ab Samstag 42 Zeichnungen Heinrich Vogelers, entstanden auf dem Balkan 1917 während des Ersten Weltkrieges, sowie 50 Aquarelle und Zeichnungen von Christian Modersohn aus den Jahren 1941/42, gemalt auf russischem und ukrainischem Boden in der damaligen Sowjetunion während des Zweiten Weltkrieges.

Christian Modersohn (1916-2009) war der jüngste Sohn Otto Modersohns, ebenfalls Künstler und in den 1970er-Jahren Begründer des Museums in Fischerhude.

„Ihm blieb – wie auch seinem Bruder Ulrich – das Erleben des Krieges nicht erspart. Beide nahmen am Vernichtungsfeldzug gegen die Sowjetunion teil“, schildert Tochter und Museumsleiterin Antje Modersohn. Von diesem Erleben zeugt nach ihren Worten eine Auswahl von 50 Aquarellen und Zeichnungen, die Eingang in die Ausstellung „Zeichner im Krieg“ gefunden haben.

Christian Modersohn habe nicht nur gemalt, um das Kriegsgeschehen festzuhalten, so wie er es sah und in den furchtbaren Auswirkungen auf die Menschen erlebte, sondern auch das, was davon unberührt blieb – etwa das Leben in den malerisch in der Landschaft gelegenen Hütten und Dörfern, die ihn besonders zwischen Don und Wolga zutiefst beeindruckt hätten. „Oder in Bjelgorod, wo er in der Kathedrale inmitten zerschossener Ruinen den Messen beigewohnt hat und sehen und hören konnte, wie die tiefgläubigen Menschen in ihren wunderbaren Gesängen Trost fanden“, erläutert Antje Modersohn. Auf dem Platz vor der Kathedrale zeichnete Christian Modersohn eine alte Frau mit Kopftuch und durchdringend fragendem Blick: „Warum dieser Krieg?” Er zeichnete die Kinder und eine ihre Lieder vom Don singende Gruppe junger und alter Frauen. „Ihr gemeinsamer Gesang erscheint wie ein Licht in ihrer Mitte“, so schön habe es der mit Christian Modersohn befreundete ukrainische Literaturwissenschaftler Lew Kopelew gesagt, als er die Zeichnung Jahre später in Händen hielt.

Für Christian Modersohn, der 1943 nach der Schlacht von Stalingrad schwer verwundet nach Hause zurückkehrte und überhaupt nur dank der Hilfe von drei jungen russischen Männern überlebte, „war das Erlebnis der russischen Landschaft und der Menschen dieses Landes so eindrücklich, dass er in späteren Jahren mehrere Reisen dorthin unternahm“, erinnert seine Tochter. Er freundete sich mit dem deutsch-sowjetischen Philosophen Jan Vogeler und dem aus Kiew stammenden Menschenrechtler Lew Kopelew an und setzte sich zeitlebens für die Aussöhnung und Freundschaft beider Länder ein. Und „immer wieder erzählte er von der lebensrettenden Hilfe der drei jungen Russen und seiner Dankbarkeit, die für ihn lebensbestimmend wurde“, sagt Antje Modersohn.

Heinrich Vogeler (1872-1942), der zur ersten Generation der Künstlerkolonie Worpswede gehört hatte, nahm als Freiwilliger am Ersten Weltkrieg teil. Er wurde von 1915 bis 1917 als Nachrichtenoffizier im Osten, vornehmlich auf dem Balkan, mit Propaganda- und Aufklärungsaufgaben betraut. Seine in diesen Jahren entstandenen Bilder und Zeichnungen wurden erstmalig 2004 im Landesmuseum Oldenburg und in der Worpsweder Kunsthalle gezeigt. „Für Vogeler bildete der Erste Weltkrieg eine Zäsur im Leben sowie in seiner Kunst“, erläutert Museumsleiterin Antje Modersohn. Das Kriegserleben habe zu einem vollkommenen Bruch Vogelers mit dem Jugendstilkünstler, Illustrator, Buchkünstler, Gebrauchsdesigner, Innenausstatter und Architekten geführt, der er bis dahin gewesen war. Für Vogeler bewirkte „der Krieg in seiner Sinnlosigkeit, seinen Verbrechen und Gräueltaten“ neue Erkenntnisse, die nach seinen Worten „in die Einsicht zur notwendigen gesellschaftlichen Veränderung des gemeinschaftlichen Miteinanders führen müssen“.

Vogelers in der Ausstellung vereinigten 42 Zeichnungen entstanden im Jahr 1917 auf dem Balkan, mehrheitlich in Österreich-Ungarn und Rumänien. „Es sind Zeichnungen, die zumeist topografische, architektonische und landschaftliche Motive zum Gegenstand haben. Auch figürliche Situationen, Soldaten bei ihren täglichen Verrichtungen und Tiere werden erfasst. Darstellungen der Kriegshandlungen, Tote, Verletzte und Ruinen finden in Vogelers Zeichnungen keine Berücksichtigung“, beschreibt Antje Modersohn. In einem Brief an seine Frau Martha hatte Vogeler betont, dass er auf die Darstellungen des Krieges in seinen Zeichnungen und Bildern fast vollständig verzichtet hätte. Nach dem Ersten Weltkrieg wandte er sich dem Sozialismus zu und emigrierte 1931 in die Sowjetunion.  

pee

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