„Mein Name ist Peggy“ in Buthmanns Hof

Auf dem Weg zum Glück

Wenn Inske Albers-Willberger auf der Bühne steht und in plattdeutsch parliert, ist vom akustischen Verständnis höchste Aufmerksamkeit angesagt. Foto: Elke Keppler-Rosenau
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Fischerhude. Premiere ist für Theater Spiel-Art, der Nachfolgerin des beliebten Theater auf dem Flett, für seine Saison immer in Fischerhude. Trotz Pandemie und die darin eingebundenen Hygiene-Vorschriften war es in diesem Jahr nicht anders. Gastgeber war erneut die Stiftung Heimathaus Irmintraut und die Begrüßung der überschaubaren Anzahl von Gästen hatte Ottersberger neuer Bürgermeister Tim Willy Weber als Hausherr übernommen.

Unter der Regie von Thomas G. Willberger gab es in diesem Jahr gleich zwei plattdeutsche Aufführungen, die pausenversetzt stattfanden. „My Name is Peggy“ aus der Feder von Marc Becker, ein Ein-Personen-Stück mit der brillanten Schauspielerin Inske Albers-Willberger, amüsierte das Publikum, was nach dem schweren Stück von Jean Paul Satre diesen Auftritt sichtlich genoss.

Inske Albers-Willberger, wirbelte wie eine aufgeregte Hummel, die nach Orientierung sucht, über die minimalistisch ausgestattete Bühne im Buthmanns Hof. Sich ständig selbst hinterfragend, berichtete sie auf Platt von ihren Hund Bernd, den sie nach ihrem ersten Freund benannt hatte.

Bernd war eigentlich ihr ein und Alles. Aber er war leider so töricht, auf die Straße zu laufen, wo sein Leben unter einem Auto endete und er schließlich nur noch aussah wie ein Flokati.

Sicher war sie traurig, aber sie fragte sich auch, ob Bernd nicht selbst schuld war. Und als dann noch der Autofahrer ausstieg und mit einer sonoren Stimme „Sorry“ sagte, war Peggy hin und weg. Gut, er hatte ihren Hund überfahren, aber eigentlich war er doch ganz nett, vor allem vor dem Hintergrund, dass sie als Frau im mittleren Alter auf der dringenden Suche nach einem Mann war. Albers-Willberger parlierte in plattdeutsch, wodurch hochdeutsche Zuschauer manchmal kaum hinterherkamen. Die Schauspielerin stieß ihr Publikum in ein Wechselbad der Gefühle. Einerseits sorgte sie für Heiterkeit, andererseits aber auch für Nachdenklichkeit, wobei sie stets den besonderen und authentischen Klang der plattdeutschen Sprache ansetzte.

Viel Selbstironie belebte die Rolle der Peggy, die unermüdlich an ihrer Selbsttäuschung strickte und die gleichzeitig in ihren erotischen Wunschvorstellungen schwelgte. Bisweilen erlag sie zum Vergnügen des Publikums ihrer aufkommenden Tristesse. Aber sie ließ sich nicht davon abhalten einem Selbstbild nachzuspüren, das sich an vermeintlichen Männerfantasien orientiert.

Den Weg zum Glück fand Peggy übrigens nicht, obwohl sie durchaus bereit war, den Verlust von Bernd schnell zu verschmerzen.

Becker, der Autor des Stückes, war längere Jahre Hausregisseur am Oldenburger Staatstheater und veröffentliche bekannte Stücke wie „Weltuntergänge“ oder „Aus der Mitte der Gesellschaft.“

Fazit

• Dieses Ein-Frau-Stück dokumentierte einmal mehr die beeindruckende Zusammenarbeit des Ehepaares Willberger, das sich mit Bühnenpräsenz und Regie nicht nur ergänzt, sondern sich aufeinander zubewegt.

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