Landkreis genehmigt Bau von zwei weiteren Anlagen in Quelkhorn - VON PETRA HOLTHUSEN

Windpark wächst

Vor dem Aufbau des ersten Quelkhorner Windrads im Sommer 2017 wurde ein Raupenkran montiert, der später die Einzelteile der Anlage gen Himmel hievte. Archivfoto: Keppler
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Quelkhorn – Das Zulassungsverfahren inklusive Umweltverträglichkeitsprüfung dauerte insgesamt dreieinhalb Jahre, aber jetzt geht’s ein Stück voran mit der Energiewende: Der Landkreis Verden hat der NWind GmbH aus Hannover die immissionsschutzrechtliche Genehmigung für Bau und Betrieb von zwei weiteren Windkraftanlagen im Außenbereich von Quelkhorn erteilt. Das hat die Genehmigungsbehörde Ende Dezember bekanntgegeben.

In Ergänzung des 2017 an der Buchholzer Straße errichteten Windrads, das seinerzeit als größtes und leistungsstärkstes seiner Art im Landkreis für Aufsehen sorgte, will die NWind jetzt zwei Anlagen des Typs Enercon E-126 EP3 mit je vier Megawatt Nennleistung, 135 Metern Nabenhöhe, 127 Metern Rotordurchmesser und 198,5 Metern Gesamthöhe dazubauen.

Mit einer Leistung von acht Megawatt können hochgerechnet aufs Jahr theoretisch etwa 4.400 Haushalte mit Strom versorgt werden.

Die Erweiterung am Standort Quelkhorn hatte das Unternehmen aus Hannover, das deutschlandweit Windenergieanlagen baut und betreibt, bereits bei der Inbetriebnahme des ersten Quelkhorner Riesen angekündigt. Zusammen mit drei benachbarten Anlagen auf Kreisrotenburger Gebiet firmiert der Windpark Quelkhorn künftig offiziell als Windfarm.

Auch weil die beiden neuen Windstromerzeuger – anders als der erste in dem Bereich – außerhalb des festgelegten Vorranggebietes für Windenergienutzung liegen, gestaltete sich das Genehmigungsverfahren sehr aufwendig und langwierig. Wegen der Nähe zu verschiedenen geschützten Landschaftsteilen und in Sorge um die Fledermaus- und Vogelvorkommen in dem Gebiet hatten Naturschützer die Planung kritisiert.

Die Bau- und Betriebsgenehmigung erteilte die zuständige Behörde des Landkreises jetzt auf Grundlage des Bundesimmissionsschutzgesetzes (BImSchG). Eine der Voraussetzungen war eine Umweltverträglichkeitsprüfung. Der 33-seitige Zulassungsbescheid enthält allerhand Auflagen und Nebenbestimmungen, die teils schon vor Baubeginn zwingend zu erfüllen sind. Beispielsweise wird die Genehmigung erst wirksam, wenn dem Landkreis eine Sicherheitsleistung in Höhe von mindestens 270. 000 Euro vorgelegt wird, um die Einhaltung der Rückbauverpflichtung zu gewährleisten. Als eine von verschiedenen Ausgleichsmaßnahmen muss der Investor außerdem für die Beeinträchtigung des Schutzgutes Landschaftsbild eine Ersatzzahlung in Höhe von rund 222.000 Euro leisten.

Um das Kollisions- und Tötungsrisiko für die in dem Gebiet nachgewiesenen Fledermausarten – darunter Zwerg- und Rauhautfledermaus sowie der Große Abendsegler – zu mindern, müssen die Rotorblätter der Windräder zu festgelegten Zeiten still stehen. Abschaltpflicht besteht laut Genehmigungsbescheid in den Monaten Juni bis Oktober bei bestimmten Witterungsbedingungen jeweils eine halbe Stunde vor Sonnenuntergang bis eine Stunde vor Sonnenaufgang.

Zur Verringerung des Vogelschlagrisikos müssen die Windenergieanlagen zwischen dem 1. April und 15. Juli jeweils von Sonnenauf- bis Sonnenuntergang abgeschaltet werden, wenn in einem 200-Meter-Radius um den Mastfuß Feldarbeiten jeglicher Art stattfinden. In dem Gebiet kommen Greif- und Großvögel wie Mäusebussard, Turmfalke, Rotmilan und Weißstorch vor.

„Die erteilten Auflagen zum Schutz von Vögeln und Fledermäusen stellen sicher, dass die Anforderungen an den Artenschutz eingehalten werden“, heißt es im Zulassungsbescheid. Insgesamt würden laut Genehmigungsbehörde bei auflagen- und ordnungsgemäßem Betrieb der Anlagen „keine schädlichen Umwelteinwirkungen und keine erheblichen Nachteile für die Nachbarschaft“ hervorgerufen.

Eine Zufahrt von der Kreisstraße Richtung Buchholz aus genehmigt der Landkreis dem Windparkentwickler erst ab der Betriebsphase. Für die Bauzeit müssen die Anlagenstandorte eine Zuwegung von der Quelkhorner Landstraße aus erhalten. Von hier sollen die Schwer- und Sondertransporte die Flächen ansteuern, auf denen zunächst Spezialkräne den Raupenkran in die Höhe bauen, mit dessen Hilfe die schwergewichtigen Einzelteile der fast 200 Meter hohen Windräder montiert werden können.

Wann die NWind mit dem Bau beginnen will, ist noch nicht bekannt. Zum Zeitplan will sich Geschäftsführer Nils Niescken in der kommenden Woche äußern.

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