Kulturprojekt „creative tribe“ begeistert - Von Rosemarie Swingle

Clown under

Ein "kreativer Stamm" sorgte im Bahnhof für viel Applaus. Foto: Rosemarie Swingle
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Ottersberg. Die Güterhalle am Seitenflügel des Bahnhofsgebäudes ist gut besucht und voller neugieriger Besucher. Darunter Anwohner aus Ottersberg verschiedenen Alters und viele Studierende der Hochschule im Flecken. Gelockt hat sie ein „kreativer Stamm“, bestehend aus jungen Menschen aus Europa, die rund zwei Wochen lang an einem Bildungsprojekt am Bahnhof teilgenommen hatten. An diesem Abend wollten sie dem Publikum und sich zeigen, was sie gelernt haben.

Die Teilnehmenden stammen größtenteils aus Italien, Griechenland und Deutschland, mit unterschiedlichem Bildungsgrad, größtenteils ohne Theater-Vorerfahrungen oder Clownerie-Affinität. Sie haben in Arbeitsgruppen Sequenzen erarbeitet, diese verknüpft und aufgeführt. Mitkonzipiert und unter dem Namen „creative tribe“ ins Leben gerufen, wurde das Projekt von dem 29-jährigen ehemaligen HKS-Studenten Johannes Grünwald. Mit Unterstützung von Lala Cifuentes befanden sich alle „Kreativen“ des Stammes im Austausch. Entstanden ist ein vielschichtiges Stück voller Begegnungen.

Die Aufführung beginnt spartanisch: In der Mitte der Halle stehen Klappstühle eng nebeneinander, jemand fegt den Boden, etwas gelangweilt schaut ein Mädchen an eine imaginierte Zeit an einer Anzeigetafel, vergleicht sie mit dem Telefon, setzt sich auf die Bank neben die, die sich anderweitig die Zeit vertreiben, wie in einer Wartehalle. Plötzlich dreht sich ein junger Mann Richtung Publikum, er beginnt einen Monolog in fremder Sprache, der Verwunderung, Trauer und Entrüstung zeigt. Wer der Sprache nicht mächtig ist, fragt sich vielleicht, was er wohl sagte, worüber er wohl sprach? Armut vielleicht? Einsamkeit?

Eine junge Frau packt energisch Sachen in einen Koffer, sie spricht zu dem Koffer und blickt verträumt und traurig hinein, läuft zwischen den Stühlen hin und her und beginnt immer lauter zu sprechen, bis die Worte wie kugeln eines Maschinengewehrs aus ihrem Mund stürzen. Als es wieder still wird, setzt sie sich mit hängenden Schultern an den Rand eines Stuhls.

Eine Gruppe junger Menschen drängt sich nach und nach unter den Schein einer hellen Lampe. Sie greifen langsam und liebevoll hoch in den Schein der Lampe und wirken geblendet, ekstatisch, verliebt, nachdenklich, innerlich berührt, als wollten sie etwas von der Quelle des Lichts erhaschen. Manche treten dazu oder lassen sich aus dem Lichtkreis sinken. Das schnelle Spiel einer Geige erhöht die Intensität und Dringlichkeit des Moments.

Szenenwechsel: Eine Gruppe Clowns wuselt sich durch das Publikum und entlädt sich springend und tanzend lebensfroh in der Bahnhofshalle. Nach dem lustigen Intermezzo tauchen drei stumme schwarze Figuren wie Schatten an der Wand auf, sie schreiten nebeneinander, mal in Licht getaucht, dann im Finstern auf das Publikum zu. Zwischen den auf Kissen auf dem Boden sitzenden Zuschauerreihen taucht eine der Schauspielerinnen auf und beginnt leise und langsam ein friedliches Lied zu singen, die anderen beginnen dem Publikum im einzelnen in die Gesichter zu blicken.

Ein weiteres Trio hält sich an den Armen fest und lässt sich nicht los, auch wenn die beiden Äußeren sich entgegengesetzt bewegen. Dadurch bewegt sich die Person in der Mitte hin und her und lässt sich irgendwann zu Boden sinken, ohne dass dadurch die Bewegungen der anderen beiden zur Ruhe kämen.

Wieder tritt ein Clown auf, weitere folgen. Eine clowneske Auseinandersetzung mit einem Klappstuhl beginnt. Dieser verliert seine praktische Seite und wird durch Beinmuskeln ersetzt. Der Weg vom Sitzen zum Fallen mit Einbeziehung des Klappstuhls erntet viele Lacher aus dem Publikum.

Das Ende: brandender Applaus und eine große Feier auf der fröhlich getanzt wurde.

„Es lief alles besser als erwartet“, sagte Grünwald mit ein paar Tagen Abstand gegenüber der Rundschau. Das Publikum des Abends mag es ähnlich empfunden haben.

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