Klönabend mit Einblicken in eine eigene Welt

Mythos Pooljagd

Siegfried Miesner (von links), Hans Blanken und Gerd Böhling hatten sowohl Wissenswertes als auch Heiteres über die Pooljagd zu berichten. Foto: Elke Keppler-Rosenau
 ©

Fischerhude (kr). Es gibt Experten und Fischerhude-Kenner, die behaupten, die Pooljagd (Entenjagd) sei mehr als 100 Jahre alt. Weit gefehlt. Sie geht in ihren Ursprüngen auf das Jahr 1100 zurück. So lange, wie das Wümmedelta besiedelt ist, gibt es die Pooljagd und so lange ist sie ein Privileg einiger weniger, die über ererbte Rechte darüber verfügen. Überwiegend waren das in früheren Zeiten wohlhabende Bauern, die sich mit ihrer Jagdleidenschaft ein geschätztes Zubrot verdienten und die eigene Speisekammer füllten. Bei einem interessanten Klönabend im Saal des Fischerhuder Buthmanns Hof führten Hans Blanken, Arthur Kröncke, Siegfried Miesner und Gerd Böhling jüngst in die Historie der Pooljagd ein.

Aalfang und Entenjagd trug damals maßgeblich zum Wohlstand der Fischerhuder bei und wenn die Heuernte nicht so üppig ausfiel, wie erhofft, hatten sie ein gutes Auskommen, denn in den regelmäßig überschwemmten Wümmewiesen rasteten die Wasservögel zu Tausenden und Aale gab es so viel, dass man es heute kaum noch glauben mag. Angler von heute können von solchen Fängen nur träumen (siehe Artikel oben). Restaurants, Gastwirtschaften aber auch Privatleute in Bremen waren zahlungskräftige Abnehmer.

Kröncke, Miesner und Böhling gingen in ihrem Vortrag bis an die Anfänge zurück und endeten schließlich in der Gegenwart, die den Rückgang dieser Jagdleidenschaft nachzeichnete, die aber von einigen Unentwegten immer noch hochgehalten wird.

Hans Blanken und Kröncke erzählten von Zeiten, in denen die Rechte an der Pooljagd durch Urkunden verbrieft waren. Bauern, einst Bauleute genannt, besaßen Dokumente, die von Generation zu Generation weitergereicht wurden. Aber der Zahn der Zeit, Kriege, Feuer, Erbstreitigkeiten, familiäre Zwänge und Veränderungen ließen diese Nachweise über die Jahrhunderte verschwinden. Nicht aber die von Mund zu Mund weitergegebenen und hochgehaltenen Rechte, ungehindert auf Entenjagd zu gehen, sofern es für dieses Privileg eine Eigentumsberechtigung an den dafür vorgesehenen Wiesen gab.

Einfache Bürger durften selbstverständlich nicht jagen. Ohne Erlaubnisscheine ging gar nichts, das verstand sich von selbst und das gilt bis heute. Als die Wümmewiesen trockengelegt wurden, um sie in Ackerflächen umzuwandeln, entstand quasi ein Kampf „Nass gegen Trocken“. Landwirte legten die Gräben trocken und Pooljäger rissen sie wieder auf, um den Enten Wasser zu bieten. Mit der Renaturierung des Wümmedeltas änderte sich das wieder. Heute sind wieder Überflutungen angesagt, was ein hohes Aufkommen an Wasservögel nach sich zieht.

Kröncke schilderte anschaulich, wie Pooljäger seit Generationen mit Obrigkeiten zu kämpfen hatten, die ihnen die Rechte entziehen wollten, sie mit Einschränkungen überschütteten, aber die Fischerhuder waren schlitzohrig genug, um ihre Passion bis in die heutige Zeit hinüberzuretten. In manchen Regionen gab es in Deutschland die Pooljagd bis in die 1950er-Jahre. Davon ist nur Fischerhude übrig geblieben. Böhling erzählte, wie er die Jagd früher erlebt hatte: Die Hütten waren primitiv, feucht, kalt und die Jäger mussten ihr Lager mit Ratten und Mäusen teilen. War jemand nicht schnell genug beim Verzehr seines Proviants, so kamen ihm die Nager gnadenlos zuvor und des Nachts krabbelten sie auf ihnen herum.

Seinerzeit wurde noch mit Netzen gejagt, mit Blei geschossen, Lockenten wurden an Schnüren gehalten und die Tötungsmethode der gefangenen Enten war grausam. „Hüt is dat anners. Die Hütten, acht hebt wie noch, sünd isoliert. Wi slopt up Schlaraffia Matratzen un ünner Daunendecken. Wi künnt us wat koken und hebbt allen Komfort. Romantisch is dat ok noch, ober eben anners. Un dat gevt ok noch junge Lüüd, de von dissen Virus infiziert sünd. Ober de hebt er Handy dorbi, er Tablet un all solche Sokens. Is eben ne annere Generation,“ führte Böhling aus und schmückte diese Entwicklung zum Vergnügen der Gäste mit vielen Details aus, wobei er sich der plattdeutschen Sprache bediente, die in Fischerhude einen besonderen Klang hat.

20.08.2019

Sommerfest in Oyten

20.08.2019

Boxenstopp

16.08.2019

Kreisschützenfest Wittorf II

16.08.2019

Fischerstechen Lauenbrück