Helmut Pohlmann stirbt im Alter von 77 Jahren

Gründer des Parzival-Hofes ist tot

Helmut Pohlmann ist tot. Foto: Angelika Pohlmann
 ©Angelika Pohlmann

Quelkhorn (bb/mit Archivmaterial). Am Sonntag starb der Gründer sowie ehemalige Geschäftsführer und Wohnheimleiter des Quelkhorner Parzival-Hofes, Helmut Pohlmann, im Alter von 77 Jahren.

Pohlmann wurde 1943 im litauischen Kaunas als Sohn des Malermeisters Max Pohlmann und seiner Frau Hedwig als zweites von drei Kindern geboren. Als Kriegsflüchtling verbrachte er seine Jugend in Wuppertal. In seinem Denken beeinflusst wurde Pohlmann durch die in der Wandervogelbewegung geführten Diskussionen über Ideale, Technisierung des Alltags, den Existenzialismus und den Humanismus. Diese Auseinandersetzungen waren es, die den gelernten Gärtner 1965 zum Kriegsdienstverweigerer werden ließen. Im Troxler-Haus, eine anthroposophische Einrichtung für seelenpflegebedürftige Menschen in Wuppertal, leistete er seinen Zivildienst ab, hatte dort erste Berührungspunkte zur Arbeit mit Behinderten und blieb dem Haus bis 1969 als Klassenlehrer und Werkstattleiter erhalten.

Nach 13 Jahren in den Niederlanden, wo er zunächst ein Heim für soziale Heilpädagogik leitete und später den Aufbau einer Einrichtung für schwer entwicklungsgestörte Kinder übernahm, kehrte er 1982 aus privaten Gründen nach Deutschland zurück – zunächst als heilpädagogischer Lehrer an die Rudolf-Steiner-Tobias-Schule in Bremen. Dort stieß Pohlmann auf das Problem von Eltern, die sich fragten, was aus ihren Kindern wird, wenn sie groß sind. Als mögliche Antwort entstand die Idee, eine Lebens- und Arbeitsgemeinschaft für behinderte Jugendliche und Erwachsene nach anthroposophischen Kriterien zu gründen. Die Idee für den Parzival-Hof war geboren. Pohlmanns Leitsatz lautete: Im Wesenskern ist kein Mensch behindert. Er ist an der Stelle behindert, an der er etwas nicht kann – egal ob als sogenannter Normaler oder als Mensch mit zentralen Beeinträchtigungen. Der Blick sollte sich nicht auf das richten, was ein Mensch nicht kann, sondern auf das, was er kann.
Hohe Auszeichnung
2008 erhielt Pohlmann aus den Händen des Verdener Landrats Peter Bohlmann im Auftrag des damaligen Bundespräsidenten Horst Köhler den Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland. Damit wurde der unermüdliche Einsatz des damals 65-Jährigen zum Wohle von Menschen mit Behinderungen gewürdigt.
Der Parzival-Hof war für Pohlmann zeit seines Lebens etwas Besonderes, wurde er ihm doch eine Heimat. 2006 zog sich Pohlmann aus dem operativen Geschäft zurück, blieb aber sowohl dem Verein Parzival-Hof als auch der 2002 gegründeten Stiftung Leben und Arbeit als Vorstandsmitglied erhalten. Darüber hinaus war er Mitglied im Verband für anthroposophische Heilpädagogik, Sozialtherapie und soziale Arbeit, wo er sich insbesondere in der fachlichen und organisatorischen Beratung neuer Initiativen engagierte.
„Seit zweieinhalb Jahrzehnten haben Sie sich mit all Ihrer Leidenschaft und aus ganzem Herzen in Quelkhorn Ihrer Arbeit verschrieben und sich für das Wohl von Menschen mit Beeinträchtigungen eingesetzt. Sie sind allseits anerkannt für Ihr Können, Ihr umsichtiges Handeln, Ihre Fürsorge und Ihre Herzenswärme. Für diese große Leistung sprechen wir Ihnen Dank und Anerkennung aus“, lobte der Verdener Landrat in seiner Laudatio 2008.

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