Gisela Stammer bringt mit „Heugebläse“ drittes Buch heraus

Sieben Tage einer Kindheit

Gisela Stammer wuchs in Visselhövede auf einem Bauernhof auf. Heute lebt sie in Darmstadt und hat ihr drittes Buch herausgebracht.
 ©

Fischerhude. Wie man aus sieben Tagen der Kindheit auf dem Lande einen ganzen Roman macht, zeigt die Autorin Gisela Stammer in ihrem neuesten Werk „Heugebläse“. Darin thematisiert sie, wie in ihren bekannten und viel gelesenen Büchern Heimlichmilch und Bauernkanarie, auch diesmal das Leben auf dem Land. Eigentlich sollte in der Fischerhuder Buchhandlung in der ersten Novemberwoche eine Lesung mit der Autorin aus diesem Buch stattfinden, die wegen Corona allerdings abgesagt werden musste.

Das Buch, erschienen im Verlag Atelier im Bauernhaus mit einem Umfang von rund 200 Seiten, beschreibt sieben Tage ihrer Kindheit auf dem Bauernhof ihrer Eltern in Visselhövede. Akribisch, fast minutiös beschreibt Stammer darin den Alltag auf dem Hof in den frühen 1960er-Jahren aus der Sicht der kleinen Grete, die mit ihren Eltern Hermann und Emma auf dem Hof lebt.

Es war normal, in das Arbeitsleben eingebunden zu sein. Es gab Pflichten, die wie selbstverständlich abverlangt wurden und kein Kind hätte es gewagt, sich dagegen aufzulehnen, sonst hätte es Ohrfeigen und andere Sanktionen gegeben, heißt es.

Hermann, der Vater, war eine übergeordnete Macht. Die Kinder mussten ihm folgen, ob sie wollten oder nicht. Die Mutter, Emma, war etwas milder, aber auch sie forderte die Mithilfe der Kinder in Landwirtschaft und Haushalt ein. Waren die Eltern auf dem Feld bei der Heuernte, war es den Kindern mit ihren Freunden aus der Nachbarschaft ihr größtes Vergnügen, mit dem Heugebläse, das das frisch geerntete Heu auf den Heuboden blies zu spielen. Man rutschte darauf hinunter wie Kinder es heute in einem wasserbetriebenen Freizeitpark tun, nur eben viel einfacher.

Der Erfindungsgeist weckte in den Kindern der damaligen Zeit viel Kreativität, was bei den Erwachsenen gar nicht gut ankam. Wurde mit dem Heugebläse als Riesenrutsche gespielt, war klar, dass kein verräterisches Strohhälmchen in den Haaren zurückbleiben durfte, sonst hätte es was gesetzt. Die kleine Grete fungierte dabei oft als Wächter, denn die Spielkameraden mussten rechtzeitig vor dem Eintreffen der Eltern gewarnt werden.

Kühe wurden damals noch auf der Weide gehalten und mussten von den Kindern am Abend in den Stall getrieben werden. Schweine ebenso. Es galt Holz für Herd und Ofen herbeizuschaffen, eine Zentralheizung gab es nicht. Aber es machte sich bereits eine Technisierung in der Landwirtschaft breit. Es wurden Traktoren angeschafft. Wer noch mit Pferden arbeitete, galt als rückständig.

Stammer beschreibt aber auch die Missstände in der Landwirtschaft, die seinerzeit das Tierwohl noch nicht kannte. Ein Kapitel, das man gerne überlesen möchte, beschreibt, dass die Tiere oft brutal geprügelt wurden und den Menschen ausgeliefert waren, wie sie es bis heute sind. Auch menschliche Schicksale kommen nicht zu kurz. Leben und Sterben liegen in dem Buch eng beieinander und prägen die kleine Grete auf sehr sensible Weise.

Stammer lebt heute in Darmstadt und arbeitet an einer beruflichen Schule. Seit 2009 schreibt sie Bücher mit großem Erfolg und flicht eigene Erfahrungen und Erlebnisse in ihre Erzählungen ein. Gerne greift sie dabei auch Momentaufnahmen mit Flüchtlingen aus ihrer Kindheit auf, was zu Vergleichen der heutigen Zeit anregt.

• „Heugebläse“ ist ab sofort unter ISBN 978 3 96085 0243 im Handel erhältlich.

29.10.2020

Herbstfotos der Leser

16.10.2020

Kinder und Kartoffeln

17.09.2020

Sponsorenlauf Ahausen

26.08.2020

Kinder machen Theater