Fünf Lastzüge bringen Lebensmittel und Medikamente in die Ukraine - VON PETRA HOLTHUSEN

Hilfe zum Überleben

In Sicherheit: Fünf Kriegsflüchtlinge hat der Bus aus Ottersberg von der polnisch-ukrainischen Grenze mitgebracht.
 ©privat

Ottersberg – Die Hilfe zum Überleben ist angekommen: 80 Tonnen gespendete Lebensmittel, Hygieneartikel, Medikamente und Verbandsmaterial haben Mitarbeiter des Unternehmens Benas und weiterer Firmen mit fünf Lastzügen in die Ukraine gebracht. „Es hat alles gut geklappt“, sagt Mitorganisator Torsten Kuper. Einfach war es trotzdem nicht, teils sogar gefährlich für die Helfer, die entgegen der ersten Planung über die Grenze ins Kriegsgebiet fahren mussten, um die Hilfsgüter zu den notleidenden Menschen zu bringen.

Ausgangspunkt der privat organisierten humanitären Hilfsaktion war ein Spendenaufruf der Firma Benas aus Vorwerk, die unter anderem die Biogasanlage in Ottersberg betreibt. Zwei Mitarbeiterinnen, die bei Benas beschäftigt sind, stammen aus der Ukraine und bangen seit Beginn des Kriegs um das Leben ihrer Familien und Freunde in ihrem Heimatland. Ebenso die drei Monteure aus der Ukraine, die während ihrer Tätigkeit bei Benas vom Ausbruch des Krieges überrascht wurden.

Der Plan war, eine Lkw-Ladung mit Hilfsgütern ins Grenzgebiet zu bringen. Doch die Resonanz auf den Spendenaufruf war riesig und das Vorhaben nahm ungeahnte Dimensionen an. Unzählige Privatpersonen und Unternehmen aus der Region und darüber hinaus aus Hamburg und Itzehoe lieferten Tausende Kartons mit haltbaren Nahrungsmitteln und Drogerieartikeln in Vorwerk an, während der Ottersberger Arzt Torsten Kuper mit Kollegen und Apothekern ein großes Spendenaufkommen an Medikamenten und medizinischem Material organisierte. Die Stuhrer Spedition Schindler und die Fischerhuder Brüning-Gruppe stellten weitere Lkw zur Verfügung, sodass sich am Freitagmorgen nach einer großen gemeinsamen Kraftanstrengung von vielen Spendern und Helfern fünf voll beladene Lastzüge auf den Weg machen konnten.

Drei Transporter steuerten die freiwilligen Fahrer durch Polen, um die Hilfsgüter nach 1 300 Kilometern im ukrainischen Grenzgebiet umzuladen und an ukrainische Helfer zu übergeben für den Weitertransport in die Stadt Schytomyr. Die anderen beiden Lkw nahmen den längeren Weg über Rumänien, um die Universitätsstadt Iwano-Frankiwsk im Südwesten der Ukraine anzusteuern und hier nach 60 Stunden Fahrt unter anderem die Uniklinik mit dringend benötigten Medikamenten zu beliefern.

Weil die ukrainischen Fahrer nicht außer Landes über die Grenze und auch nicht in deren Nähe kommen durften, mussten die deutschen Helfer die Transporter ungeplant ein Stück in die Ukraine und damit ins Kriegsgebiet fahren. Was sie dort gesehen, gehört und erlebt haben, wollen sie nicht öffentlich erzählen. „Sie haben die Schrecken des Krieges eindrücklich erfahren“, formuliert Kuper.

Was die Transportfahrer auch erlebt haben, war riesige Dankbarkeit bei den Empfängern der Hilfsgüter. „Sie brauchen diese Sachspenden in Form von Lebensmitteln und Medikamenten ganz dringend“, betont Kuper, „Geldspenden nützen den Menschen dort jetzt nichts, weil es dafür nichts mehr zu kaufen gibt. Läden und Apotheken sind leer.“ Zudem gäben Hilfsaktionen wie diese den Menschen in der Ukraine Hoffnung und Zuversicht – „einfach das Gefühl, nicht alleine gelassen zu werden“.

Zeitgleich mit den fünf Lastwagen schickten die privaten Organisatoren einen Reisebus der Firma Schmätjen ins polnisch-ukrainische Grenzgebiet. Mit an Bord: eine ukrainische Benas-Mitarbeiterin und die Hoffnung, eine Gruppe Flüchtlinge aufnehmen und nach Ottersberg bringen zu können. Doch die Menschen, mit denen ihre Abholung verabredet war, „haben es nicht mehr aus dem Land geschafft“, berichtet Kuper. Die Enttäuschung war groß. Froh war die Busbesatzung jedoch, dass sich in dem Gedränge traumatisierter Kriegsflüchtlinge an einem grenznahen polnischen Bahnhof fünf Schutz suchende Menschen spontan entschlossen, in den Bus nach Ottersberg einzusteigen. Am Samstag kamen sie hier an und wurden von den Familien, die die Geflüchteten bei sich aufnehmen, in Empfang genommen. Acht weitere Kriegsflüchtlinge aus dem Bekanntenkreis der ukrainischen Benas-Beschäftigten holten die Ottersberger aus Hamburg ab. Auch sie fanden private Aufnahme und werden von der Hilfsinitiative weiter begleitet.

28.02.2021

Landpark Lauenbrück

12.02.2021

Winterlandschaft in Rotenburg

22.12.2020

Weihnachtsbilder

29.10.2020

Herbstfotos der Leser