Ex-Lebensgefährtin des mutmaßlichen Doppelmörders von Fischerhude sagt aus

Ein manipulierender Lebemann

Am Landgericht sagt die Ex-Lebensgefährtin aus. Foto: Imago Images /imagebroker
 ©

Rotenburg/Verden – Wie sage ich meinen Kindern, dass deren Vater zwei Menschen getötet hat? Vor der schwierigen Aufgabe steht ein halbes Jahr nach der Tat noch immer die Ex-Lebensgefährtin des mutmaßlichen Doppelmörders von Fischerhude. Am Donnerstag wurde die 38-Jährige am Landgericht Verden als Zeugin befragt. Einen ganzen Sitzungstag lang. Die Zeit hat dennoch nicht für alle Fragen gereicht.

Es ging um viel mehr als den 28. Dezember 2021, als der 64 Jahre alte Angeklagte eine 73 Jahre alte Frau und deren 56 Jahre alten Sohn ermordet sowie eine Freundin der Familie mit einem Kopfschuss schwer verletzt haben soll. Die 38-Jährige war zehn Jahre mit dem Angeklagten liiert. Als Bereiterin habe sie 2009 auf dessen damaliger Reitanlage bei Lilienthal angefangen.

Anfangs sei der knapp 30 Jahre ältere Mann wie ein Vater für sie gewesen. „Und ich wohl die Tochter, die er gerne gehabt hätte.“ Seine positive Art und Risikobereitschaft hätten sie beeindruckt. „Bei der Auktion hat er noch bei 240 000 Euro die Karte gehoben. Ein Lebemann. Er kam in einen Raum und war präsent“, so ihre Beschreibung des Angeklagten. Doch er sei auch angeeckt. „Manche schauten zu ihm auf, andere dachten, was für ein Arschloch.“

Wie manipulierend er war, habe sie lange nicht gesehen. Dabei habe er schon anfangs gesagt: „Du bist noch so jung. Dich kann ich noch schön erziehen.“ Er habe einen Keil zwischen sie und ihre Familie und Freunde geschlagen. „Alle Register hat er gezogen. Behauptete, meine Mutter hätte was mit meinem Bruder und mein Bruder würde sich an unseren Kindern vergreifen.“ Alles Quatsch, machte sie deutlich.

Er wollte bedient werden, habe sie permanent kontrolliert. Kein eigenes Geld, lange Zeit nicht mal ein eigenes Handy. Von 250 000 Euro aus einer Erbschaft sei ihr nichts geblieben. „Ich bin mit ihm von der 25. Etage bis in den Keller, bis in die Hölle, gegangen“, sagt sie rückblickend.

Nach der Insolvenz und Zwangsverwaltung des Hofes bei Lilienthal habe der Bruder und Sohn der später Getöteten ihnen geholfen. Er hatte sie auf seinem Gestüt in Wehldorf aufgenommen. Kostenlos dort wohnen lassen. Der Hinterbliebene der Opfer finanzierte das Leben, sogar den Urlaub des Angeklagten und seiner Familie.

Wenige Wochen vor der Tat kam es zum Zerwürfnis. Der Gestütsbesitzer habe den Angeklagten vom Hof geworfen, weil dieser als Sicherheit zugesagte Gerätschaften heimlich weggeschafft habe. Heiligabend durfte der Angeklagte aber bei seiner Familie sein. Merkwürdig und traurig war er laut der Zeugin. Spielzeugpistolen als Geschenke für die Kinder und seinem Sohn habe er gesagt: „Papa wird bald für lange Zeit nicht da sein.“

Am 28. Dezember sei sie mittags noch mit dem Angeklagten unterwegs gewesen. Der Abschied, sein Verhalten, alles sei komisch gewesen. Gegen Abend sei ihr aufgefallen, dass auf dem Hof in Wehldorf alle weg waren. Ein Bewohner habe ihr geschrieben, dass die späteren Opfer verschwunden und sie deshalb bei der Polizei in Achim seien. Darum habe sie angeboten, nach Fischerhude zu fahren, „falls einer wiederkommt“.

„Als ich gesehen habe, was dort los war, habe ich ohne zu überlegen beim ersten Polizeiauto angehalten und gesagt: Der war’s.“ Benannt habe sie den Angeklagten. Was passiert war, habe sie immer noch nicht gewusst. Bis ein Polizist kam und ihr erklärte: „Sie sind jetzt Zeugin in einem Doppelmord, wenn nicht sogar Dreifachmord.“

28.02.2021

Landpark Lauenbrück

12.02.2021

Winterlandschaft in Rotenburg

22.12.2020

Weihnachtsbilder

29.10.2020

Herbstfotos der Leser