Eröffnung der Modersohn-Ausstellung „Die Märchenbilder“

Wie durch ein Bilderbuch

Viele Besucher verweilten vor dem Bild "Die Märchenerzählerin", dessen Ankauf der Anlass für die Sonderschau der Märchenbilder von Otto Modersohn ist. Foto: Wilfried Adelmann
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Fischerhude. Wie durch ein aufgeschlagenes Bilderbuch, von einer Seite zur nächsten, wandeln die Besucher der am Wochenende eröffneten Sonderausstellung des Otto Modersohn Museums. Professor Clemens Bonnen, Vorsitzender der Gesellschaft-Otto-Modersohn-Museum, hielt die Begrüßungsrede und dankte den Sponsoren. Rainer Noeres führte in das Thema der Ausstellung ein und eröffnete die Sonderausstellung.

Viele Besucher verweilten vor dem Bild „Die Märchenerzählerin“, dessen Ankauf der Anlass für jene Sonderschau der Märchenbilder von Otto Modersohn ist. Aus den späten Jahren des 19. und des frühen des 20. Jahrhunderts stammen die Bilder, die eine neue Herangehensweise in Inhalt und Form der Bilderstellung für den Maler einleitet: „Erst aufzeichnen und dünn, goldig braun (Luft nicht) untermalen (Tempera vielleicht), dann mit deckender Ölfarbe auf die Sachen losgehen, so fertig wie möglich. Alle Töne, besonders dunkle Sachen heller malen, denn die Lasur soll die Sache erst vollenden. Dabei kratzen. So kann die Malerei wirklich delikat und köstlich werden. So werde ich in Zukunft malen“, lautet ein Eintrag in Otto Modersohns Tagebuch vom 22. April 1896.

Inhaltlich will der Künstler keine Illustrationen von Märchen malen, sondern Märchenfiguren, die im Betrachter nach der seelischen Wahrheit forschen. Die Sehnsucht nach einer besseren, gerechteren Welt lässt auch Heinrich Vogeler schwärmen und seinen Vorzeichnungen die Worte „Es wird einmal sein...“ voranstellen.

Rainer Maria Rilke betont 1903 in seiner Monografie über die Worpsweder Maler die Bedeutung der Kindheit für ihr weiteres Schaffen. Und tatsächlich erstellte Modersohn schon in seiner Jugend Alben mit den Stammbäumen der europäischen Herrscherhäuser.

Allerdings will sich Modersohn von Rilke nicht in die Ecke des Märchenonkels stellen lassen und notiert am 2. März 1903 in seinem Tagebuch: „Rilkes Buch ist sehr fein ohne Frage – es hat natürlich allerlei Schiefes. Bei mir betont er eigentlich nur den Märchenmaler – ich bin aber mehr. Die einfache, stimmungsvolle Moorlandschaft bildet immer einen Teil meiner Kunst. Ich will eben beides. Im einfachsten Stück Natur, in feiner Stimmung etc. kann eine sehr hohe Kunst sich äußern. Darum will ich natürlich auch meine Märchen malen.“

Ob diese Auseinandersetzung einer der Gründe ist, weshalb der Maler sich ab 1903 wieder auf die Natur reduziert, kann nur vermutet werden. Solch emotionale Äußerungen wie die in einem Brief vom 25. Februar 1901 an Carl Hauptmann, entstehen jedenfalls nicht mehr: „Ich stehe in einer Zeit des Werdens und Wachsens. Ich entdecke in mir manche bisher nur leise geahnte Seite und bin überglücklich darüber. Ein so köstliches Gefühl hat mich noch nie erfüllt, solange ich male.“

Es ist eine kurze Schaffensphase im Werk von Otto Modersohn – aber eine sehr beeindruckende. Und das merkt man auch dem Publikum an, wenn es durch das „Märchenbuch“ wandelt und das kindliche Gespür in sich wiederentwickelt, die Verbildetheit abstreift und sich den eigenen Sichtweisen hingeben kann. Dabei können die Märchenbilder von Modersohn hilfreicher Anlass sein. Von einem Künstler, über den Paula Becker sagte: „Er ist wie ein Mann und wie ein Kind.“

• Das Otto-Modersohn-Museum, In der Bredenau 95, in Fischerhude hat täglich von 10 bis 18 Uhr geöffnet.

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