Eines der größten Bilder von Otto Modersohn hängt in Fischerhude - Von Elke Keppler-Rosenau

Abends im Moor

Otto Modersohn: Abend im Moordorf, 1898
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Fischerhude. Im Fischerhuder Otto- Modersohn- Museum gibt es derzeit eine Neuerung zu sehen. Ein großformatiges Bild als Dauerleihgabe aus Privatbesitz, eines der größten Gemälde, die der Künstler jemals erstellt hat. Entstanden ist es 1898.

1898 war die Welt in und um Worpswede eine andere als heute. Die Menschen auf ihren kargen Hofstellen arbeiteten hart. Die Tage hatten mehr als 12 Stunden, in denen kleine Landwirtschaften bestellt werden mussten. Jede Hand, die mitanpacken konnte, wurde gebraucht, auch die von Kindern. Ihnen oblag es, das Vieh zu hüten. Selbst wenn es möglich war, dass sie regelmäßig zur Schule gingen, oblagen ihnen Pflichten, die sie ganz selbstverständlich zu erfüllen hatten. Männer und Frauen stachen Torf, den die Männer per Boot auf kleinen Kanälen nach Bremen transportierten und dort verkauften.

Die Frauen versorgten das Vieh, das Haus – die Kinder kamen an letzter Stelle. Viele starben im Kindbett, ärztliche Versorgung gab es kaum, andere wurden wegen Auszehrung nicht alt. Die Idylle im Moor, wie sie von Malern romantisch in unzähligen Bildern wiedergegeben wurde, existierte nicht wirklich. Das Leben war hart, entbehrungsreich und oft genug kurz.

Wenn Kunstfreunde heute die Werke der Maler wie Otto Modersohn, Paula Modersohn-Becker, Heinrich Wilhelm Rohmeyer oder Hermann Angermeyer anschauen, wird von dieser Lebenssituation nicht viel offenbar.

Torfkanäle fließen still dahin, Schafe werden über eine Wiese getrieben, Torfkähne mit braunen Segeln legen an kleinen Stegen an, nachdem sie von ihrer Verkaufsfahrt nach Bremen zurückgekehrt sind, eine Bäuerin bringt per Schiebkarre eine Ladung Grünfutter aufs Gehöft.

Der Himmel ist verhangen, Birken neigen sich im Wind – Abendstille legt sich über das Land. Hingeduckte Moorkaten, schmaler Steg über einem sich kreuzenden Kanal, ein Kind, das die Schafe ans Gehöft treibt, ein Frau mit gebeugten Schultern, die sich müht, die gefüllte Schiebkarre über den schmalen Weg zum Bauernhaus zu schieben und ein Torfkahn, der gerade am Ufer anlegt. Zwei Enten schwimmen im braunen Moorwasser, in dem sich das restliche Licht des Tages mit einem bisschen Blau widerspiegelt.

Der Blick des Malers scheint in die Weite zu gehen. Die Landschaft setzt sich fort, flach, wenig besiedelt – so wie es war 1898, als das Teufelsmoor wegen seiner Unwirtlichkeit noch eine überaus unbeliebte Gegend war. Aber dort war Land zu haben. Menschen ohne Geld und ohne eigene Perspektiven konnten dort nach Einweisung des Moorkolonisators Johann Christian Findorff umsonst siedeln. Sie durften sich auf eine Parzelle bewerben, die sie selbst urbar machen mussten und legten so den Grundstein für bäuerliche Generationen, die nach ihnen kamen.

„Den Ersten sien Dood, den Tweiten sien Not, den Drütten sien Brot“, lautete die Devise, und das Bild von Modersohn scheint in der zweiten Generation angesiedelt zu sein. Die Bildinhalte drücken die unglaubliche Lebensmühe aus, die die Menschen im Moor bewältigen mussten.

Mit feinem Pinselstrich und tief empfundenen Gefühl für Farben drückt der Maler Stimmungen aus, die das Lebensgefühl jener Epoche wiedergeben. Erdige Brauntöne, ein Grün von beinahe unbestimmter Farbe, die weißen Stämme der Birken – alles scheint zu einem Ganzen zu verschmelzen, das es aus bestimmten Perspektiven noch heute im Moor gibt. Natürlich ohne Torfkahn, ohne Frauen, die Schiebkarren schieben und ohne kleine Mädchen, die eine Herde Schafe beieinander halten. Das Licht jedoch, das Modersohn in diesem Gemälde eingefangen hat, ist in bestimmten Momenten noch das gleiche. Für dieses Bild, das erzählerische Inhalte hat, erhielt Modersohn seinerzeit in Wien einen Ehrenpreis von 2.000 Kronen.

Wie Antje Modersohn-Noeres, Museumsleiterin in Fischerhude berichtet, wurde es nach dem Zweiten Weltkrieg in keiner dem Museum bekannten Ausstellungen gezeigt. Es gab keine Abbildungen in Katalogen und niemand kannte den Besitzer.

Nachvollziehen konnte man lediglich die Abbildung im Katalog zur Jubiläums-Kunstausstellung 1898 in Künstlerhaus Wien. Es trug die Nummer 273.

Zu sehen ist diese wunderbare Leihgabe, die die Gemäldesammlung absolut bereichert, täglich im Otto-Modersohn-Museum von 10 bis 18 Uhr.

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