Die Erweiterung des Windparks in Quelkhorn stößt auf Kritik - Von Björn Blaak

Wind und Gegenwind

Unweit dieser Windenergieanlage in Quelkhorn sollen 2021 zwei weitere und rund 200 Meter hohe Anlagen in Betrieb genommen werden. Foto: Björn Blaak
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Quelkhorn. Das Unternehmen NWind aus Hannover hat Ende Oktober beim Landkreis Verden eine Genehmigung für die Errichtung und den Betrieb von zwei Windkraftanlagen beantragt. Das Vorhaben umfasst zwei Windräder mit je 135 Meter Nabenhöhe, 127 Meter Rotordurchmesser und 198,5 Meter Gesamthöhe. Die Standorte liegen im Außenbereich von Ottersberg-Quelkhorn, nahe Buchholz. In Betrieb gehen sollen die Anlagen bereits im kommenden Jahr. Mit dem Antrag legte das Unternehmen auch eine Umweltverträglichkeitsprüfung, kurz UVP, vor. Und das, was darin steht, ruft nun Kritiker auf den Plan.

Der Landkreis Verden stellt dazu fest: „Eine allgemeine Vorprüfung hat ergeben, dass erhebliche nachteilige Umweltauswirkungen auf geschützte Vogelarten sowie den Schutzzweck eines Landschaftsschutzgebietes nicht offensichtlich ausgeschlossen sind.“

In der UVP, die vom Hamburger Planungsbüro Elbberg durchgeführt und von NWind in Auftrag gegeben wurde, heißt es: „Durch die geplante Erweiterung des Windparks Quelkhorn kommt es wahrscheinlich für fünf Reviere der Feldlerche und zwei Reviere der Schafstelze zur störungsbedingten Brutplatzaufgabe sowie betriebsbedingt zu einer Erhöhung des Tötungsrisikos für windenergiesensible Vogelarten, die unter Umständen zur Verschlechterung des Erhaltungszustandes der jeweiligen lokalen Population führen kann.“ Und weiter: „Für fünf Fledermausarten kommt es ebenfalls betriebsbedingt zu einer Erhöhung des Tötungsrisikos, was unter Umständen zur Verschlechterung des Erhaltungszustandes der jeweiligen lokalen Population führen kann.“

Genau gelesen hat diese Studie die in Quelkhorn lebende Tierärztin Diana Scheffter. „Die beauftragte Firma kommt zu dem Schluss, dass eine starke bis sehr starke Belastung der Fauna zu erwarten ist und dass das FFH-Gebiet mit schützenwerten Tierarten mitten im Drei-Kilometer-Radius liegt“, sagt sie.

Ein weiteres Problem sieht die Quelkhornerin in der Höhe der Anlagen, die nicht nur die bereits vorhandenen um ein Vielfaches überragen, sondern auch das Landschaftsbild nachhaltig beherrschen würden.

Auch der Umstand wird in der Studie beleuchtet: „Das Landschaftsbild im relevanten Umkreis um die geplanten Anlagen (30 Quadratkilometer) weist zu großen Teilen eine geringe bis mittlere Bedeutung auf. Im Bereich der in der Nähe liegenden Landschaftsschutzgebiete ,Buchholzer und Wilstedter Moor’ sowie ,Wümmeniederung mit Dünen und Seitentälern’ beziehungsweise dem FFH-Gebiet ,Wümmeniederung’ ist die Bedeutung hoch bis sehr hoch.“ Die Sichtverstellung der Landschaftseinheiten liegt bei 96 Prozent, auch wenn die Anlagen nicht im gesamten Untersuchungsgebiet sichtbar ist, so die Studie. Für die erheblichen beeinträchtigten Bereiche wurde seitens des Landes eine Ersatzzahlung ermittelt.

Ein Unding, findet Scheffter: „Es kann doch nicht angehen, dass diese besonders schützenswerte Natur zerstört und dieses über die Zahlung von Geld kompensiert wird.“ Im Gutachten heißt es dazu: „Für die Beeinträchtigung des Schutzgutes Landschaftsbild ist eine Ersatzzahlung in Höhe von 209.652,40 Euro zu leisten, die an die drei betroffenen Landkreise Verden, Rotenburg (Wümme) und Osterholz anteilig zu zahlen sind.“

Scheffter wundert sich angesichts der Größe des Bauvorhabens und der Summe, die fließen soll, dass bisher wenig Öffentlichkeit für dieses Vorhaben entstanden ist. Sie vermutet, dass „die betroffenen Grundstückseigentümer den Ball flach halten wollen, da hier viel Geld in die eigenen Taschen fließen wird.“

Ottersbergs Bürgermeister Tim Willy Weber teilt auf Nachfrage mit: „Die Windräder in Quelkhorn sind schon länger Thema und werden von mir befürwortet. Wenn der Investor die Auflagen erfüllt, hat er ein Recht, die Windenergieanlagen (WEA) zu errichten.“ Fischerhudes Ortsbürgermeister Wilfried Mittendorf erinnert sich: „In langwierigen Vorgesprächen sind die Grundstückseigentümer in diesem Verfahren weiträumig bedacht worden, um von deren Seite die Akzeptanz zu erhöhen.“

Er verweist darauf, dass der Abstand zu einem FFH-Gebiet alleine kein Ausschlusskriterium mehr für derartige Anlagen sei. Dies habe das Oberverwaltungsgericht dem Landkreis gerade klar gemacht. „Auf Rotenburger Seite gibt es schon lange Windenergieanlagen mit geringem Abstand zum FFH-Gebiet“, weiß Mittendorf zu berichten. Mittendorf, seit 1992 Mitgesellschafter der WEA-Anlagenbetreibergesellschaft Wümme-Wind, findet, dass der Ausbau der Windenergie fortgesetzt werden muss, wenn die angestrebten Klimaziele erreicht werden sollen. Er ist aber auch dafür, dass die Einflüsse dieser Anlagen auf Avifauna und Fledermäuse zu prüfen und gegebenenfalls eine Genehmigung zu versagen sei.

Er hätte sich generell gewünscht, wenn Windenergieanlagen an benanntem Standort möglich sind, dass der Flecken mehr Einfluss auf die Betreibergesellschaft genommen hätte. Ihm schwebe dabei eine Bürgerwindparkbetreibergesellschaft mit Sitz in Ottersberg vor, mit Gesellschaftereinlagen aus Quelkhorn, Fischerhude und anderen Ortsteilen Ottersbergs. Davon verspreche er sich neben Gewerbesteuer auch mehr Akzeptanz in Quelkhorn und Fischerhude. Um jene Akzeptanz geht es auch der Quelkhornerin Scheffter. Ihre Hoffnung ist, dass sich die Bewohnerinnen und Bewohner des betroffenen Gebietes vorab ein eigenes Bild von den geplanten Windenergieanlagen und deren Auswirkungen machen. Sie jedenfalls habe den Eindruck gewonnen, dass „die Öffentlichkeit noch keine Kenntnis von den geplanten Windrädern hat – selbst die unmittelbar betroffenen Anwohner nicht.“ Sie ergänzt: „Es macht für mich den Anschein, als wenn klammheimlich das Genehmigungsverfahren für die Windräder durchlaufen wird, und die Öffentlichkeit vor vollendete Tatsachen gestellt werden soll.“

• Einzusehen sind die relevanten Unterlagen noch bis Dienstag, 22. Dezember, im Ottersberger Rathaus, auf www.landkreis-verden.de sowie der Seite https://uvp.niedersachsen.de/portal/.

Autor

Björn Blaak Björn Blaak
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 bjoern.blaak@rotenburger-rundschau.de

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