Der Ottersberger Kulturverein "Kukuc" feiert seinen 15. Geburtstag

Der Kult aus Kreuzbuchen

Gerd Geiser (links) und Jan Jaap Roosing tüfteln jedes Jahr wieder ein abwechslungsreiches Programm aus. Foto: von Salzen
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Ottersberg. Der Kuckuck ist in der Ornithologie ein besonderer Vogel. Er baut kein Nest, sondern legt die eigenen Eier lieber in die Behausungen anderer Vögel und überlässt ihnen das Brüten und die Aufzucht einfach. Sozial ist das nicht. Der Ottersberger Kulturverein Kukuc, der Name leitet sich ab aus „Kunst und Kultur Café“, das bereits 2001 in der Großen Straße in Ottersberg gegründet wurde, es heute so aber nicht mehr gibt, legt dem Besucher zwar auch so manches Ei ins Nest, aber eine soziale Komponente ist ihnen dabei nicht abzusprechen. Im Gegenteil: Der Verein fördert junge Künstler und solche, die neben ihrer Passion in sogenannten Brotberufen arbeiten. Und das nun schon seit 15 Jahren.

Allein die turnusmäßige Veranstaltung von „Bühne frei“ gibt Künstlern, in der Regel aus den Genres Musik, Varieté und Kleinkunst ein Forum, sich der Öffentlichkeit zu präsentieren.

Die Chef-Organisatoren Jan Jaap Roosing, Gerd Geiser und Dieter von Salzen sowie ein eingeschworenes Team aus zahlreichen ehrenamtlichen Helfern stellten vor 15 Jahren ein Konzept auf die Beine, das vielen Künstlern auch als Sprungbrett diente und bis heute dient. Was vor 15 Jahren im überschaubaren Rahmen in der Großen Straße in Ottersberg im Anbau eines heute nicht mehr existierenden chinesischen Lokals begann, hat sich etabliert und zur Institution entfaltet.

Von Anfang an galt es bei Künstlern als schick, im Kukuc aufzutreten, schnell gab es Wartelisten und immer wieder schoben die Veranstalter solche Künstler ins Programm, die vielversprechend waren, eine Bühne suchten, und gelegentlich auch mit ein bisschen Schüchternheit zu kämpfen hatten.

Das Publikum war immer wohlwollend, oft genug war kein freier Platz mehr zu haben, obwohl das Ambiente in der Großen Straße wenig Charme versprühte.

Es gab Überraschungskünstler, solche, die es werden wollten und etablierte, die schon eine Fangemeinde mitbrachten. Dieses Flair ist bei „Bühne frei“ bis heute geblieben und konnte kontinuierlich gesteigert werden. Allerdings gab es auch Rückschläge.

Als Verein auf Mitgliederbeiträge und ehrenamtliche Hilfe angewiesen, war die finanzielle Lage immer knapp bemessen. Da das Kukuc seinerzeit kaum Eintritt nahm, ging der Hut rum, eine Sitte, die es bis heute bei „Bühne frei“ gibt.

Als das Domizil in der Großen Straße geräumt werden musste, war guter Rat teuer. Ein Glücksfall verschlug den Verein ins damaligen Landrover Autohaus ins Ottersberger Industriegebiet. Gönner des Vereins und treue Fans hatten es möglich gemacht, außerhalb des betrieblichen Ablaufs in der Fahrzeughalle Veranstaltungen von hohem Niveau abzuhalten. Theatervorstellungen, Rock, Pop, Country, Folk, es gab alles und das besondere Flair des Landrover Hauses mit seinem Geruch nach Schmieröl, Gummi und Motoren trug maßgeblich dazu bei, dass die Veranstaltungen rappelvoll waren. Viele Ensembles, die im Kukuc erfolgreiche Auftritte hatten, kamen und kommen bis heute immer wieder. Es durfte wegen fehlender Nachbarn laut sein, es konnte wild geparkt werden, das Autohaus war einfach ideal und ganz besonders. Doch wirtschaftliche Umstände sorgten dafür, dass 2013 dort Schluss mit lustig war. Kukuc war heimatlos. Ein neues Domizil musste her, immer getragen von dem Gedanken – es darf nicht viel kosten, denn der Verein hat wenig Geld.

Guter Rat war teuer, denn niemand wollte das visionäre und inzwischen kultige Kulturprojekt sterben lassen. Zwischenzeitlich drehten die Kukuc-Verantwortlichen sogar am ganz großen Rad: Ins Auge gefasst hatten sie das im oberen Bereich leer stehende sogenannte „Kortlanggebäude“, in dem sich im Erdgeschoss der Rewe-Markt befindet. Bühne, Sitzplätze, Restauration und sogar einen Dachgarten hatten sie geplant und der Öffentlichkeit vorgestellt. Die Finanzierung jenes Objektes scheiterte allerdings kläglich.

Wären die Enthusiasten und Idealisten des Kukuc nicht am Ball geblieben, gäbe es das Kukuc wohl inzwischen nicht mehr. Die Leidenschaft siegte. Es wurde ein neuer Veranstaltungsort gefunden. Skurril und gewöhnungsbedürftig, aber inzwischen nicht weniger kultig – das Schützenhaus Kreuzbuchen, tief im Wald zwischen Ottersberg und Otterstedt gelegen und nur über einen dunklen, unbefestigten Weg erreichbar. Parkplätze gibt es reichlich, aber selbst die werden knapp, wenn sich besondere Künstler für das monatlich stattfindende Programm angesagt haben.

Wer zum ersten Mal Kreuzbuchen, so die allgemeine Bezeichnung für den Veranstaltungsort, betritt, sieht sich zunächst erschlagen von dem Interieur.

Es ist dunkel und an den Wänden über und über mit Schützenscheiben dekoriert. Generationen von Schützenbrüdern und -schwestern haben sich dort mit ihren Trophäen verewigt. Die Vereinsfahne, sorgsam hinter Glas aufbewahrt, erinnert an Traditionen eines Brauchtums, der inzwischen auch ums Überleben kämpft. In Vitrinen sieht man Pokale von Schießwettbewerben, die dem Schützenverein zur Ehre gereichen, und die bis heute immer noch mehr werden, denn die Schützen sind nach wie vor überaus aktiv. Sie teilen ihr Vereinsgebäude mit anderen Vereinen, die kein eigenes Domizil haben, was aus wirtschaftlicher Sicht sinnvoll erscheint. Dass sie mit ihrem besonderen Ambiente für eine Atmosphäre bei den Kulturveranstaltungen sorgen, gibt es gratis dazu.

Die Detroiter Sängerin und Bob-Dylan-Kusine Sonia befand die Location bei ihrem jüngsten Gastspiel 2018 sogar als „nice, cool and charming“.

Wenn das Kukuc weltweit bekannte Künstler wie Sonia, den israelischen Pianisten Guy Mintus, Seeda aus der Mongolei oder Michal Shapira, im Programm haben, ist das einem kontinuierlich wachsenden Netzwerk geschuldet, das von Gerd Geiser und Reinhard Röhrs ausgebaut und gefestigt wird.

Der Musiker Röhrs ist übrigens von Anfang an eine feste Größe im Programm des Kulturvereins. Seine Musik auf dem Kontrabass – er spielt auch hervorragend Klavier – ist eine seiner künstlerischen Facetten. Als Entertainer, Alleinunterhalter und Komiker oder im Duo mit Jan Frisch ist er unschlagbar. Bei schrägen Weihnachtsliedern in der Adventszeit bleibt kein Auge trocken. Alle Jahre wieder zeigen beide dem Publikum, dass Weihnachten keineswegs rührselig sein muss.

Auch Theaterstücke sind im Kukuc auf Heiterkeit gepolt. Erst kürzlich gastierte das Trio „Sch… Leben“ mit einer Aufführung, die dem Publikum die Lachtränen in die Augen trieb, weil es das Thema „Altern“ von einer Seite beleuchtete, die zwischenmenschliche Abgründe offenbarte.

Gäste werden von den Ehrenamtlichen als Kukuc-Fanclub schon am Eingang begrüßt, manchmal auch geherzt. Viele kennen sich seit vielen Jahren persönlich. Es gibt eine geräumige Theke, an der der erste Drink, gerne auch alkoholfrei, im Stehen eingenommen wird. Man freut sich, einander wiederzusehen, kommt noch vor Beginn des Programms ins Gespräch. Die überaus aufmerksamen Helfer hinter der Theke haben stets gut zu tun, und wenn es Parkplatzprobleme gibt, nimmt Kukuc-Mitbegründer Jan Jaap Roosing das Geschehen gerne auch selbst in die Hand.

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