Das kleine Museum Binneboom am Hexenberg birgt große Überraschungen - Von Elke Keppler-Rosenau

Spaziergang durch die Zeit

Wer das Binneboom-Museum besucht, bekommt eine Menge zu sehen. Foto: Elke Keppler-Rosenau
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Hexenberg. Das Schild an der schmalen Straße zum Hexenberg ist eigentlich bescheiden. Nur wer genau hinschaut, entdeckt die Abzweigung zum Binneboom-Museum. Dennoch macht es neugierig. „Binneboom“, was ist das eigentlich? Allein der Name lohnt, ihn zu hinterfragen. Klaus Krentzel, Betreiber des privaten Museums auf seiner alten Hofstelle inmitten von Wiesen, Gräben und direkt an der Wümme gelegen, inklusive Bootsanleger, hat sich das vor etwa 30 Jahren ausgedacht.

Binneboom ist plattdeutsch, eine Sprache, die er von Haus aus spricht und die bei den Alteingesessenen in den Borgfelder Wümmewiesen bis heute gesprochen wird. Ein Binneboom ist ein Ladebaum. Mit ihm wurden Heuladungen auf den Pferdefuhrwerken befestigt. Die Ladungen waren in der Regel so hoch, dass sie weit über die Seitenwände der Wagen hinausragten. Der Binneboom drückte mit Stricken das Heu zusammen.

Genau so ein Teil befindet sich auch in der riesigen Geräteremise auf dem Hof von Klaus Krentzel. Museumsbesucher tauchen dort in eine vergangene Welt ein vom 18. bis ins 20. Jahrhundert. Bei vielen Geräten wissen Besucher heute nicht mehr, welchem Zweck sie einst dienten. Wenn Krentzel sich Zeit nimmt – und er ist trotz seiner 79 Jahre ein viel beschäftigter Mann – gibt er Führungen. Ausführlich erklärt er, wie in der Landwirtschaft alles genutzt wurde und wie in alten Dorfschmieden das meiste noch per Hand angefertigt werden musste. Viele Höfe hatten damals eigene kleine Werkstätten, in denen notwendige Geräte für den Eigenbedarf passend gemacht worden sind. Auf einem mächtigen Eichenstamm, der umgedreht zu einem Bock wurde, ist ein Schraubstock befestigt. Ein gewaltiges Gerät, funktionsfähig bis heute und er könnte noch Generationen überdauern.

Alte Schleifsteine stehen dort mit Ackergeräten, die es heute nicht mehr gibt, in Reih und Glied. Auf ihnen wurden Hacken und andere Schneidegeräte geschärft. Ihren Stein bewegte man über eine Kurbel, während er zur Befeuchtung in einem Wasserkasten lief. An der Seite steht eine Rübenzerkleinerungsmaschine, die ebenfalls von Hand betrieben wurde. An dem Teil ist ein Schild befestigt, das auf den vorherigen Besitzer, den ersten Bürgermeister Bremens nach dem Zweiten Weltkrieg, hinweist: Wilhelm Kaisen. Er betrieb neben seinen politischen Geschäften eine kleine Landwirtschaft in Bremen-Borgfeld.

Seine Tochter Ilse Kaisen, mit Klaus Krentzel gut bekannt, sorgte dafür, dass dieses antike Teil nicht auf dem Schrottplatz landete, sondern im Binneboom-Museum einen Ehrenplatz bekam. Einen Ehrenplatz hat auch Kaisens Spaten. Der wird allerdings im Haus verwahrt. Neu geschärft, würde er noch heute gute Dienste tun, aber es ist eben ein Stück mit Geschichte, wenn nicht sogar Bremens Geschichte, denn Kaisen bearbeitete seine Scholle persönlich und gerne. Er war dem Landleben sehr verbunden.

Zu jedem Stück seiner Sammlung hat Hausherr Krentzel eine Geschichte zu erzählen. Nicht nur vom Nutzen der Dinge, sondern auch von den Menschen, die ihm die Exponate überlassen haben, oder unter welchen Umständen sie zu ihm gelangt sind. Es gibt kaum jemanden, den der Museumsbetreiber nicht kennt und wenn er erzählt, ist alles von einem herzlichen Humor geprägt.

Die alte Holzschuhmacherwerkstatt in einem Anbau der Remise ist ein weiteres Sahnestück im Binneboom-Museum. Holzschuhmacher Hans Kück aus Huxfeld fertigte darin nicht nur Holzschuhe in allen Größen aus Pappelholz, sondern auch Pferdeschuhe. Diese wurden unter die Hufe geschnallt, damit die Tiere in moorastigen Ackerflächen oder nassen Wiesen nicht einsanken. Holzschuhmacher fertigten auch Mollen an. Diese flachen Holzschalen, ebenfalls aus Pappelholz, von dem es in der Wümmeniederung genügend gab, dienten in Haushalten verschiedenen Zwecken: Man sammelte darin Eier im Hühnerstall, Kartoffeln für den täglichen Verzehr und so weiter. Diese Mollen waren überaus praktisch, es gab sie in allen Haushalten.

Dass die Werkstatt komplett so erhalten ist und nun musealen Zwecken dient, ist ebenfalls Krentzel zu verdanken. Bei vielen Exponaten fällt auf, dass der praktische Nutzen stets im Vordergrund stand. Und auch, dass sie aus Materialien hergestellt wurden, die vorhanden waren, um sie nicht kaufen zu müssen, denn Bargeld war auf dem Land knapp.

Hinter der Remise mit Blick auf die Wümme können Besucher ein absolutes Kuriosum entdecken. Eine alte Seemine, die, mit Schwarzpulver gefüllt und einer komplizierten Technik versehen, Schiffe auf See explodieren ließ. Wer nun glaubt, dass es mit den Anschauungsstücken im Außenbereich getan ist, der irrt. Im Haus, auf der Diele, den Nebenräumen und auf dem sorgfältig ausgebauten Dachboden wird es erst richtig interessant.

Im Obergeschoss befindet sich im hinteren Bereich ein Raum, in dem ein antiker Webstuhl aufgebaut ist. Der steht dort nicht als Museumsstück, sondern wird genutzt. An ihm entstehen in überlieferter Technik herrliche Stoffe. Jutta Krentzel versteht es meisterlich, aus verschiedenen Garnen in allen Farben Stoffbahnen zu weben, die sie zu schönen Textilien verarbeitet. Tischwäsche, Vorhänge, Kissenbezüge, und Geschirrhandtücher entstehen in einer Qualität, die man nur bei exklusiven Kunsthandwerkern findet.

Im musealen Bereich trifft man wieder auf die Dinge, die von überallher aus der Region zusammengetragen wurden. Eine bestens erhaltene Frisörausstattung mit Scheren, Brenneisen, Lockenklemmen und vielem mehr, Werkzeuge jeglicher Art, alles fein säuberlich nach handwerklicher Zugehörigkeit geordnet.

Es gibt kaum ein ländliches Handwerk, das im Binneboom-Museum nicht vertreten ist. Auf der Diele hat Krentzel weitere, in sich geschlossene Sammlungen zusammengetragen. Alte Getreidekörbe, in denen Korn aufbewahrt wurde, um sie Mäusen nicht zugänglich zu machen, stehen auf den Wiemen, wie man die Balken von Dielen früher nannte. Auf ihnen schliefen des Nachts die Hühner, sicher vor dem Zugriff von Füchsen.

Eine Batterie Bienenkörbe, aus Stroh geflochten, zieht die Aufmerksamkeit auf sich. Krentzel, selbst Imker, preist die Vorzüge dieser alten Kästen an, die wegen ihres Klimas für die Bienenhaltung viel vorteilhafter gewesen sein sollen, als die modernen Behältnisse aus Kunststoff.

Wer aufmerksam schaut, merkt schnell, dass die Sammlungen, sowohl innen als auch außen, überaus gepflegt sind. Da hängen keine Spinnennetze zwischen den Exponaten, kein Staub liegt auf den Werkzeugen, was auf eine sorgfältige Pflege aller Dinge schließen lässt.

• Geöffnet hat das Binneboom-Museum am Hexenberg jeden ersten Sonntag im Monat von Mai bis September von 14 bis 18 Uhr. Gruppen können sich unter Telefon 0421/273731 anmelden.

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