Bürgerinitiative will Sportförderung für Tontaubenanlage verhindern

Petition an den Landtag

Noch ist kein Betrieb auf der Wurfscheiben-Schießanlage in der Molkereistraße. Eine Bürgerinitiative möchte, dass das auch so bleibt. Foto: Elke Keppler-Rosenau
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Fischerhude (bb). Längere Zeit hörte man nichts mehr von der Wiederbelebung des Wurfscheiben-Schießplatzes in der Molkereistraße. Hat sich die Bürgerinitiative inzwischen mit der Idee arrangiert, dass dort demnächst wieder scharf geschossen wird? Ganz und gar nicht. Annette Dresselhaus, Gründerin und Sprecherin der Bürgerinitiative gegen den Schießstand und ihre Mitstreiterinnen und Mitstreiter haben nun ein Petition bei der Präsidentin des Niedersächsischen Landtages in Hannover, Gabriele Andretta, eingereicht.

Darin fordern sie „keine Umweltgifte im Naturschutzgebiet“. Ihr Ziel ist eine nachhaltige Bodensanierung und das Ende der Betriebserlaubnis für den Wurfscheiben-Schießstand im Landschafts- und EU-Vogelschutzgebiet „Fischerhuder Wümmeniederung“

Im dem Schutzgebiet existiert seit 1969 ein Tontauben-Schießstand. Seit 2013 ruht der Betrieb, weil erhebliche Mengen Umweltgifte im Boden nachgewiesen wurden.

„Der Landkreis hat auf Geheiß des Niedersächsischen Umweltministeriums Bodenproben auf allen vier damals im Landkreis Verden existierenden Wurfscheiben-Schießplätzen genommen. Die Bodenbelastung mit Blei und Arsen betrug in Fischerhude im Schnitt das zehnfache im Vergleich zu den anderen drei Anlagen“, weiß Dresselhaus zu berichten. Sie ergänzt: „Während die anderen Schießstände im Landkreis Verden daraufhin stillgelegt wurden, wollten die Fischerhuder Schützen nicht aufgeben.

In der Petition heißt es außerdem: „2017 wies ein weiteres Gutachten eine noch einmal deutlich höhere Umweltbelastung nach.“ Das 2019 vorgelegte Sanierungskonzept des Betreibers sehe vor, kontaminiertes Erdreich in Kunststofffolie einzupacken und auf dem Gelände des Schießstandes zu lagern.

„Wir halten das Sanierungskonzept für unzureichend. Wir fordern eine nachhaltige Sanierung und Renaturierung des Geländes im Sinne des Naturschutzes“, so Dresselhaus. Dieses Konzept beinhalte auch die Schließung des Schießstandes. Dresselhaus weiter: „Wir fordern vom Land, bereits genehmigte Fördergelder für das aktuelle Sanierungskonzept in Höhe von 250.000 Euro und weitere 50.700 Euro Sportförderung zu überprüfen.“

Die Bürgerinitiative listet in der Petition diverse Forderungen auf, darunter eine Rücknahme der Genehmigung des Schießstandes von 1969 vor dem Hintergrund der Verschärfung des heute geltenden Immissionsschutzrechts sowie eine nachhaltige Sanierung des Schießstandgeländes durch vollständigen Abtrag des mit Blei und Arsen verseuchten Bodens aus Mitteln des Landesprogramms zur Sanierung von Brachflächen. Auch verlangen sie die Prüfung der Verwendung von Sportfördermitteln in Höhe von 50.700 Euro des Landessportbundes für die Reaktivierung des Wurfscheibenschießstandes.

Auch führt die Bürgerinitiative ins Feld, dass die Schießanlage in Fischerhude in einem EU-Vogelschutzgebiet läge und seit 2012 in einem Landschaftsschutzgebiet in unmittelbarer Nähe zu dem 772 Hektar großen Naturschutzgebietes (NSG) „Fischerhuder Wümmeniederung“.

„Auf dem in den Jahren seit 2013 von der Natur zurückeroberten Gelände des Schießstandes brüten inzwischen wieder Rebhühner“, weiß die Initiative zu berichten.

Das wesentliche Argument des Landkreises für die Reaktivierung sei die Sicherung des Bestandes, weil der Tontauben-Schießstand bereits vor den Naturschutzmaßnahmen existierte. So habe der Landkreis dem Schützenverein bereits die Baugenehmigungen zur Erneuerung der Anlage erteilt.

„Unser Ziel als Bürgerinitiative gegen den Tontauben-Schießstand in den Wümmewiesen ist es, mit allen Verantwortlichen gemeinsam eine nachhaltige, naturschutzgerechte Lösung für die Sanierung des Geländes zu entwickeln“, heißt es abschließend in der Petition.

Am Montag, 23. November, entscheidet der Kreistag über eine Bezuschussung aus der Sportförderung an den Schützenverein.

• Das Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland garantiert „jedermann“ das Recht, sich mit Bitten und Beschwerden (= Petitionen) an die zuständigen Stellen wie Volksvertretungen und Parlamente, zu wenden.

Bewusst hat der Verfassungsgeber dieses Grundrecht jedem eingeräumt, der sich durch eine Verwaltungsentscheidung benachteiligt fühlt oder Bitten und Vorschläge zur Gesetzgebung vorbringen will.

Autor

Björn Blaak Björn Blaak
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