Bürgerbus in Ottersberg droht finanzielle Schieflage / Sponsor gesucht

Katerstimmung

Die Bürgerbusse in Ottersberg und Oyten stehen noch bis mindestens 31. Januar still.
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Ottersberg (bb). Die Ottersberger Bürgerbusse stehen derzeit still. Gemeinsam mit den Vereinen aus Achim, Oyten und auch Sottrum wurde der Betrieb eingestellt. Coronabestimmungen machten einen Fahrbetrieb in den Augen der Betreiber unmöglich. Doch das ist nicht das einzige Problem, das der Vorsitzende des Ottersberger Bürgerbusvereins Henning Struckmann aktuell zu lösen hat: Der Hauptsponsor, der bisher großflächig auf den Bussen warb, hat sein Engagement eingestellt. Nun muss Ersatz her, damit der Bürgerbus nicht in finanzielle Schieflage gerät. „Da wir im Vorstand zuletzt nicht zusammenkommen konnten, haben wir uns auch noch nicht zur Suche nach einem neuen Hauptsponsor abgestimmt“, berichtet Struckmann gegenüber der Rundschau. Im Interview erklärt er, wie es um den Bürgerbus Ottersberg derzeit steht.

Wie haben Sie Ihr Vereinsjahr erlebt?

Henning Struckmann: Der Bürgerbus Ottersberg konnte recht schwungvoll und in Erwartung eines weiteren Jahres stabil hoher Fahrgastzahlen starten. Der 250.000. Fahrgast wurde gebührend gefeiert und die Vereinsmitglieder machten bei bestem Kohltourwetter im Februar ihren Ausflug zum Backsberg. Dann verunsicherte das Covid-19-Infektionsgeschehen auch den Verein als Betreiber von zwei Kleinbussen im Linienbetrieb. Auf Anraten des Aufgabenträgers ZVBN und des zuständigen Verkehrsunternehmens Weser-Ems Bus wurde beschlossen, den Busbetrieb im ersten Lockdown einzustellen. Die ehrenamtlichen Fahrer waren damit zur Untätigkeit verurteilt, der Vorstand hatte indes unter erschwerten Bedingungen wie Versammlungsverbot zahlreiche Themen zu regeln: Die im März geplante Mitgliederversammlung wurde vertagt, die finanzielle Situation machte ein Eingreifen erforderlich, ein Hygienekonzept für die Busse war umzusetzen. Unerwartet beendete zudem die Leiterin der Geschäftsstelle ihre Tätigkeit. Ersatz zu finden und die Übergabe der Aufgaben zu organisieren, war im Lockdown schwierig, aber es gelang. Ab Juni kehrte etwas Entspannung ein, die Busse nahmen den normalen Fahrplanbetrieb auf, und es waren sogar einige Treffen des Vorstands und der Fahrer möglich. Angenehm überrascht war der Verein, dass die allermeisten Fahrerinnen und Fahrer trotz Risikolage weiterhin Bürgerbus fahren wollten. Allerdings zeigte sich eine deutliche Zurückhaltung der Fahrgäste. So wurde beschlossen, zum Fahrplanwechsel im Dezember die Fahrten der Linien 788 und 789 um etwa 20 Prozent zu kürzen. Dieser neue Fahrplan konnte aber nur zwei Tage durchgehalten werden, denn seitdem stehen die Bürgerbusse entsprechend der Beschränkungen im harten Lockdown wiederum still. Letztlich wurden in 2020 gut 20.000 Fahrgäste gezählt, in 2019 waren es 33.800.

Welches sind Ihre schlimmsten Befürchtungen, was Ihre größten Hoffnungen, wenn Sie auf das Vereinsjahr 2021 schauen?

Natürlich hoffen wir auf eine rasche Beherrschung der Infektionslage und entsprechende Lockerungen, damit wir unseren Busbetrieb baldmöglichst mit gutem Gewissen neu starten können. Wir gehen davon aus, dass unsere Fahrenden immer noch Lust auf den Dienst im Bürgerbus haben und sich die Schichten problemlos besetzen lassen. Ansonsten ist es äußerst wichtig, dass Vorstand und Fahrer endlich persönlich zusammenkommen, Fragen und Anregungen diskutieren können, denn all das kam in den vergangenen zehn Monaten zu kurz. Das Zusammengehörigkeitsgefühl muss aufpoliert, die Motivation gepflegt werden. Die Vereinsführung sieht sich einigen weiteren Herausforderungen gegenüber: In der kommenden Mitgliederversammlung sind zwei Vorstandsposten, darunter der des Fahrdienstleiters und ein Beisitzer neu zu besetzen. Ein abgestimmtes Konzept dazu existiert noch nicht. Finanziell hat sich die Lage des Vereins schon in 2020 durch die Pandemie verschärft, und es ist zu hoffen, dass die in Aussicht gestellten öffentlichen Ausgleichszahlungen aus dem ÖPNV-Schutzschirm uns auch tatsächlich bald erreichen. Aber auch für das laufende Jahr rechnen wir mit deutlich geringeren Fahrkarten-Umsätzen, sodass ein wiederum höheres Defizit zu erwarten ist und mit dem Flecken Ottersberg abgestimmt werden muss.Erschwerend kommt hinzu, dass der Hauptsponsor für die Busse seinen Werbevertrag gekündigt hat und der Verein sich schnellstmöglich um neue Werbepartner kümmern muss. Im aktuell unsicheren Wirtschaftsumfeld ist das keine leichte Übung und der Erfolg ungewiss. Entscheidend für die erfolgreiche Arbeit des Vereins wird sein, dass die Fahrgäste das Angebot der Bürgerbusse rasch wieder annehmen und das Mobilitätsprojekt damit seine Berechtigung beweisen kann. Gleichwohl rechnen wir damit, dass etliche Fahrgäste wegfallen, weil sie übergangsweise oder auch dauerhaft Arbeit und Mobilität für sich neu organisiert haben. Ein großer Wunsch ist, im November unter annähernd normalen Bedingungen das zehnjährige Betriebsjubiläum zu feiern. In einer Pressemeldung teilten die Bürgerbusvereine Achim, Ottersberg, Oyten und Sottrum aktuell  mit, dass der Fahrbetrieb nun bis zum 31. Januar eingestellt ist.

Autor

Björn Blaak Björn Blaak
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 bjoern.blaak@rotenburger-rundschau.de

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