Buch über Cato Bontjes van Beek

„Leben will ich“

Cato Bontjes van Beek, 1942 Foto: Archiv Saskia Bontjes van Beek
 ©

Fischerhude (kr). „Ich will nur eins sein – ein Mensch!“ Wann immer die Rede von Cato Bontjes van Beek (1920 bis 1943) ist, fallen irgendwann auch diese Worte, die sie in Briefen aus dem Berliner Gefängnis an ihre Familie richtete. Zu ihrem 100. Geburtstag 2020 gab der Hermann Vinke ein Buch mit dem Titel „Leben will ich, leben“ im Münchener Sandmann-Verlag heraus. Ein Buch, das einmal mehr den Lebensweg der Fischerhuderin beschreibt und sich ganz besonders ihrem tragischen Tod durch das Fallbeil der Nazis in Berlin widmet.

Auf rund 230 Seiten erfährt der Lesende Details aus ihrer kurzen Lebensgeschichte, die überaus anrührend sind. Er erfährt, wie sie sich bereits als Kind sozial engagiert und dieses Engagement als Heranwachsende fortsetzt.

Neben den Bildern von Kunstschaffenden aus dem Umfeld Catos, darunter Heinrich und Amelie Breling sowie Olga und Mietje Bontjes van Beek, Clara Rilke-Westhoff und Johanna Eißler, stellt das Buch erstmals die Fischerhuder Kunstkeramik (FKK) vor. Sie wurde im Jahr der Geburt Catos, 1920, von ihrem Vater, Jan Bontjes van Beek zusammen mit ihrer Tante, der Bildhauerin Amelie Breling im Brelinghaus gegründet. Nach Jans Weggang nach Berlin führte Amelie die FKK mit Unterstützung ihres Schwagers Fritz Schmidt bis 1948 fort. Eines ihrer letzten, wohl auch bekanntesten Werke, ist der Erzengel Michael in der Fischerhuder Liebfrauenkirche. Es ist zu vermuten, dass Cato den gleichen beruflichen Weg gegangen wäre, hätte sie nicht ein so grausames Schicksal erlitten. Sie wurde im Dritten Reich wegen „Beihilfe zur Vorbereitung zum Hochverrat“ zum Tode verurteilt und in Berlin-Plötzensee im Alter von 22 Jahren hingerichtet. Während ihrer Ausbildung zur Keramikerin beteiligte sie sich an einer Flugblatt-Aktion der Widerstandsgruppe „Rote Kapelle“. Cato stammte aus der Fischerhuder Künstlerfamilie Breling/Bontjes van Beek. Ihr Großvater war der Königliche Professor Heinrich Breling, der mit seiner Familie 1908 das Haus in der Bredenau bezog, in dem Cato aufwuchs. Durch die Heirat Otto Modersohns mit Louise Breling erweiterte sich das künstlerische Umfeld der Familie. Es herrschte die Atmosphäre einer Großfamilie mit lebhaftem Austausch. Catos Mutter Olga war als Jugendliche Bernhard Hoetgers bevorzugtes Modell. Sie studierte zudem Ausdruckstanz bei Isadora Duncan und trat ab 1918 erfolgreich als expressionistische Tänzerin im In- und Ausland auf. 1918 begegnete sie Jan Bontjes van Beek auf dem Worpsweder Barkenhoff. Er wurde kurzzeitig ihr Tanzpartner. Beide heirateten 1920 und noch im selben Jahr wurde Cato als ältestes von drei Kindern geboren. 1925 beendete Olga zugunsten der Kinder ihre Karriere als Tänzerin und wandte sich der Malerei zu, während Jan sich als Keramiker betätigte. 1933 ging er nach Berlin und baute dort erfolgreich eine Keramikwerkstatt auf. Cato absolvierte zunächst eine kaufmännische Ausbildung und begann 1939 in der Werkstatt ihres Vaters eine weitere Ausbildung zur Keramikerin. Catos Schwester Mietje, mit der sie eng verbunden war, studierte in Berlin Grafik und wurde später Malerin. Catos Bruder Tim verfolgte eine vielversprechende pianistische Laufbahn, die jedoch durch eine Verwundung an der Hand in den letzten Kriegstagen verhindert wurde. Briefe aus ihrer Haftzeit, die sie auf eine menschliche Probe stellte, belegen, wie sehr Cato ihrer Familie zugetan war. Aber auch, wie realistisch sie ihre Überlebenschancen einschätzte. Sie liebte die Natur, Bücher und die Fliegerei. Nichts davon wurde ihr vergönnt und die erschütternden Dokumente eines außergewöhnlichen geistigen Widerstandes. Sie mahnen bis heute an demokratischen Werte und Freiheitsrechte an, die es zu verteidigen gilt. • Hermann Vinke „Leben will ich, leben“, Sandmann-Verlag ISBN 9 783045 543801

28.02.2021

Landpark Lauenbrück

12.02.2021

Winterlandschaft in Rotenburg

22.12.2020

Weihnachtsbilder

29.10.2020

Herbstfotos der Leser