Bruder und Sohn der beiden Mordopfer von Fischerhude sagt vor Landgericht Verden aus

„Ein strategischer Amoklauf“

Verden/Fischerhude – „Ich glaube, das war ein strategischer Amoklauf“, das sagte am Landgericht Verden der Bruder und Sohn der beiden Mordopfer von Fischerhude. Der 55-Jährige, der den insolventen Angeklagten und dessen Familie über Monate auf seinem Gestüt in Wehldorf (Kreis Rotenburg) wohnen lassen hatte, vermutet, dass der 64 Jahre alte Angeklagte auch ihn umbringen wollte.

Wenige Wochen vor der am 28. Dezember 2021 verübten Tat habe er den Angeklagten nach einem Diebstahl vom Hof geworfen. Erst nach und nach habe er den Angeklagten durchschaut. Ihn zuvor immer wieder finanziell unterstützt. Siegfried P. habe ihm von einer „Krebserkrankung im Endstadium“ berichtet und dass er „eigentlich schon blind sei“. Da habe er ihm noch 8000 Euro für einen dreiwöchigen Familienurlaub gegeben. „Einmal wollt er noch Kroatien sehen“, so der Zeuge. Insgesamt habe er dem Angeklagten rund 50000 bis 60000 Euro geliehen.

Über mehrere Stunden wurde der Zeuge befragt. Er berichtete von einer Freundschaft, die sich schnell entwickelt habe. Nach der Pleite des Angeklagten und der Räumung seines Hofes in Lilienthal, „saßen die von einem Tag auf den anderen auf der Straße. Kein Geld, kein Plan, was sie machen sollten“.

„Meine Mutter war bereit, zu helfen“, schilderte der Zeuge. Sie hätte in die Wohnung in Wehldorf einziehen sollen, die dann der Angeklagte mit seiner Lebensgefährtin und zwei Kindern bezogen habe. Der Einzug der Mutter und des Bruders wurde verschoben. Zunächst für drei Monate, doch der Angeklagte sei nicht ausgezogen. Der Zeuge will ihm dann ein Haus in Rautendorf (Kreis Osterholz) zur Verfügung gestellt haben. Dort habe der Angeklagte jedoch erst Umbauarbeiten gestartet. Aufwendiger als vereinbart.

Im Gegenzug sollte der Zeuge zwei Pferde aus dem Besitz der Lebensgefährtin des Angeklagten bekommen und die Hälfte eines zusammen ersteigerten Pferdes. „Dann ist uns aufgefallen, dass der Pass des Pferdes fehlte.“ Pferdepässe soll der Angeklagte nach dem Mord an dem 56 Jahre alten Bruder und der 73 Jahre alten Mutter des Zeugen aus deren Haus in Fischerhude gestohlen haben.

In seinem Geständnis bei der Polizei beschuldigte der Angeklagte den Zeugen, ihn mit dem Doppelmord beauftragt zu haben. „Abartig“, sagte der mit den Tränen kämpfende Zeuge. „Das war der Gipfel der Gemeinheit und Niedertracht. So unvorstellbar.“ Nun plagen ihn Schuldgefühle. „Weil ich ihn in die Familie integriert und ihm geholfen habe“.

Mit Mutter und Bruder sei er sehr eng verbunden gewesen. „Wir haben uns alle geliebt und vertraut. Wir wollten unsere Lebensphilosophie auf dem Hof in Wehldorf ausleben und den Rest unseres Lebens einfach zusammen sein. Generationsübergreifend an einem Ort“, sagte der Zeuge.

„Ich glaube, dass er neidisch war, weil unsere Familie funktionierte. Wir haben Spaß gehabt. Er hatte mit allen Streit, war abgekoppelt“, so der Zeuge auf die Frage, ob er eine Erklärung für die Tat habe.

Die Befragung des Zeugen, der Amsterdam als Wohnsitz nannte, dauerte bis gegen 20 Uhr. Bis zur Mittagspause hatten seine Schwester aus Wunstorf und seine erwachsene Tochter aus Berlin ausgesagt

wb

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