Bestsellerautor Jan-Uwe Rogge referiert über den täglich Stress

Von Eltern und Kindern

Bestsellerautor Jan-Uwe Rogge war zu Gast in der Fischerhuder Grundschule und hielt allen anwesenden Eltern und Pädagogen den Spiegel vor. Foto: Elke Keppler-Rosenau
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Fischerhude. Der Erziehungswissenschaftler, Kinderpsychologe und Autor Jan-Uwe Rogge gilt bundesweit als Kapazität, wenn es darum geht, Kindern, Eltern und Bildungseinrichtungen den richtigen Weg zu einem umgänglichen Miteinander aufzuzeigen. Von seinem Wohnort vor Hamburg aus reist er durch das Land, hält Vorträge vor Pädagogen und Eltern, liest aus seinen Büchern, ist gern gesehener Gast in Talkshows und anderen Fernsehsendungen und widmet sich allen Fragen der Erziehung. Bei seinem Besuch in der Grundschule Fischerhude sprach er in der vollen Turnhalle vor Pädagogen und Eltern, unter die sich auch einige Großeltern gemischt hatten.

Wer nun einen Autor erwartet hatte, der auf der Bühne vor seinem Pult sitzt und aus seinem jüngsten Buch „Kinder brauchen Grenzen“ vorliest, sich räuspernd, immer mal wieder einen Schluck Wasser zu sich nimmt und dabei einem Klischee von Buchschreibern entspricht, sah sich angenehm überrascht. Auf der Bühne auf und ab tigernd, zeigte er beeindruckende Entertainerqualitäten, die jedem versierten Kabarettisten zur Ehre gereicht hätten.

Mit nahezu hintergründigem Humor widmete er sich Themen der Erziehung und da er sich in einer Grundschule befand, richtete er seine Ausführungen vornehmlich an ein junges Publikum. Wer bis dahin noch nicht wusste, was Helikopter-Eltern sind, die eine neue, aber derzeitig bereits sehr präsente Generation von Müttern und Väter ausmachen, wurde aufgeklärt, wobei er insbesondere den Müttern einen blank geputzten Spiegel vorhielt. Er imitierte einen in früheren Zeiten völlig unbekannten Sprachstil, mit dem die sogenannten Kampf-Mütter heute unterwegs seien. Völlig überanstrengt und übers Ziel hinausschießend, würden sie ihre Kinder mit einem Höchstmaß an Höflichkeit behandeln, um ein gutes und tadelloses Beispiel abzugeben, das sie gnadenlos auch von ihrer Umwelt einfordern würden. Rogge imitierte den Tonfall von Müttern, die versuchten, ihre Kinder zu einer gewünschten Zeit vom Spielplatz loszueisen. Seltsam anmutende Vornamen, oftmals der Bibel entliehen würden dann nicht gerufen, sondern gepresst gezischt werden. Die Kinder würden die Wünsche ihrer Mütter oft genug ignorieren, so lange es geht und später schreiend kommentieren. „Auf Freigeländen sitzen die Mütter in den Büschen, um zu kontrollieren, was ihre Kinder tun. Sie haben alles im Blick und wenn die Gebüsche zu voll werden, werden sie abgeholzt“, übertrieb Rogge, um die radikale Vorgehensweise von Helikopter-Müttern überspitzt darzustellen. Natürlich übertrieb er seine Darstellungsweise, aber nur, um verständlich zu machen, dass das heutige Verständnis von Erziehung und einer behüteten Kindheit oftmals auf die Spitze getrieben werden würde. Das Wort „Affenliebe“ fiel nicht, aber es verbarg sich hinter den einzelnen Ausführungen ebenso wie die eindringliche Mahnung, Erziehung nicht übertrieben zu praktizieren. „Kinder brauchen Grenzen“, formulierte Rogge und appellierte dabei an Eltern, mit ihren Bemühungen nicht zu liberal zu sein. Ob es ums Anziehen, oder Aufräumen gehen würde, ums Fernsehen oder um Hausaufgaben, der tägliche Familienstress sei für eine richtungsweisende Erziehung derzeit kritisch zu hinterfragen. Insbesondere Kinder junger Eltern würden mehr und mehr austesten, wie weit ihre eigenen Kompetenzen reichten und so die Vorgaben der Eltern sabotieren. Kinder hätten sehr feine Antennen, die sie benutzen würden, sich Vorteile zu verschaffen. Man müsse keinesfalls in autoritäre Verhaltensweisen verfallen, um seine Kinder vor diesem Teufelskreis von Grenzenlosigkeit zu bewahren. Oftmals würde Gelassenheit und gesunder Menschenverstand genügen, um die Kids mit einem verträglichen Maß an Strenge auf den richtigen Weg zu bringen. Rogge behandelte mit feinem Humor Themen wie Disziplin, Wut, Lügen, Konsequenz, Strafe, Unvollkommenheit sowie Konsum. Damit hielt er den anwesenden Eltern und Pädagogen den Spiegel vor – und zeigte verblüffende Lösungen auf.

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