7. Juni 1920: Eine Feuerwalze zerstört den Ortskern

Quelkhorn in Flammen

Am 7. Juni 1920 brannten 16 Gebäude in Quelkhorn nieder. Foto: Archiv Fischerhude
 ©

Quelkhorn (bb). Am 7. Juni vor 100 Jahren stand Quelkhorn in Flammen. Der Fischerhuder Archivar Hans Blanken erinnert an den großen Brand von 1920, der einen großen Teil des Ortskerns von Quelkhorn zerstörte. Insgesamt fielen 16 Gebäude, darunter sieben Wohnhäuser und neun Scheunen, dem Feuer zum Opfer.

Das Feuer entstand nachmittags gegen 14 Uhr in einer Scheune des Hauses Nummer 14 (heute „Am Mühlenberg“) des Baummanns Hermann Bartels. Das Wohnhaus und drei Scheunen brannten ab. Nur ein Nebengebäude der Hofstelle blieb stehen. Es war das Einzige, das bereits mit einem ein Ziegeldach ausgestattet war. Alle anderen Gebäude waren Stroh gedeckt.

Das Feuer wütete nicht nur auf Bartels Anwesen, sondern zerstörte mit seiner ganzen Wucht auch noch die Häuser seiner Nachbarn Hinrich Ficken, Claus von Bargen und Johann Mindermann. Da der Wind aus Nordwesten kam, griff das Feuer auch auf die Köthnerstelle von Johann Puvogel, heute Parzival-Hof, über. Sein Wohnhaus und zwei Scheunen brannten ab. Sogar das Haus Nummer 32 von Hinrich Mindermann, gelegen in der heutigen Quelkhorner Landstraße brannte samt Scheune nieder. Das gleiche Schicksal ereilte das Wohnhaus von Johann Meyer (Haus Nummer 27) samt zwei Scheunen. Diese Gebäude lagen Ecke Quelkhorner Landstraße und Buchholzer Straße. Sie und ein Nebengebäude von Baumann Johann Gieschen in der Buchholzer Straße brannten als Letztes ab. Dort gelang es immerhin noch, das Wohnhaus zu retten. „Das Inventar der Wohnhäuser wurde größtenteils dank der rasch herbeigeeilten Feuerwehren gerettet. Aber viele landwirtschaftliche Maschinen und Geräte sind verbrannt“, so Blanken. Drei Schweine und eine Ziege seien allerdings in den Flammen umgekommen. Die Feuerwehren aus Fischerhude, Ottersberg, Otterstedt, Sagehorn, Falkenberg, Buchholz, Wilstedt und Tarmstedt beteiligten sich damals an der Löschhilfe. Allesamt hatten die Wehren einen schweren Stand gegenüber dem rasenden Wüten des Feuers, das sich aufgrund des kräftigen Windes seinen zerstörerischen Weg quer durch das Dorf suchte. 1920 waren die Wehren noch nicht motorisiert. Mit Handdruckspritzen und Löscheimern wurde versucht, den Flammen Herr zu werden. „Bis die benachbarten Feuerwehren mit von Pferden gezogenen Spritzenwagen vor Ort waren, hat es einige Zeit gedauert“, schildert Blanken. In Quelkhorn selbst gab es keine Löschwasserbrunnen. Es waren im Dorf lediglich vier sogenannte Notkuhlen vorhanden. „Das waren Becken, in denen Regenwasser für Feuersnöte gesammelt wurde. Aus diesen Kuhlen haben die Feuerwehren das Wasser zum Löschen gepumpt“, weiß Blanken. In dem Buch „Quelkhorn im Wandel der Zeit“ ist nachzulesen, dass damals Angestellte in der Scheune von Bartels ihre Mittagspause abgehalten haben. Bei Ausbruch des Feuers seien sie aber schon wieder auf dem Feld gewesen. Zur Brandursache gibt es dahingehend eine Vermutung: „Vielleicht hat einer von ihnen seine Pfeife ausgeklopft und durch die Asche ist das Feuer entstanden“, so Blanken. Überliefert ist hingegen die Aussage, dass der Baumann Hinrich Cordes aus Haus Nummer 30, heute die Bio Gärtnerei des Parzival-Hofs in der Quelkhorner Landstraße, so geschockt war, dass er nie wieder das Dorf betreten hat. „Er ist nur noch nach Ottersberg gegangen“, heißt es. Die Hofstellen von Bartels, Puvogel und Mindermann Nummer 32 wurden an selber Stelle wieder aufgebaut, das Haus Nummer 27 von Johann Meyer nicht. Die Höfe von Familie von Bargen und Ficken wurde in Richtung Wilhelmshausen an der Quelkhorner Landstraße neu aufgebaut. Mindermann aus Haus Nummer 8 hatte sich in der Straße „An den Fuhren“ ein neues Haus gebaut. Doch auch das existiert nicht mehr. Es wurde im Februar 2013 zerstört – durch ein Feuer.

Autor

Björn Blaak Björn Blaak
 04261 / 72 -435
 bjoern.blaak@rotenburger-rundschau.de

13.07.2020

In Krieg und Frieden

03.07.2020

Kettensäge und Kreativität

24.04.2020

Frühlingsbilder

08.03.2020

Sportabzeichen Übergabe Sottrum