Landkreis geht von steigenden Corona-Fallzahlen aus - Von Andreas Schultz

„Keine Zeit für Partys“

Der Mundschutz ist zum treuen Begleiter in der Corona-Pandemie geworden, genau wie das gründliche Händewaschen, auf das der Landkreis erneut als effektives Mittel zu Vermeidung von Ansteckung hinweist.
 ©Andreas Schultz

Landkreis Rotenburg. „Der Landkreis Rotenburg wird keine Insel der Glückseligen bleiben“, sagt Carmen Menzel, Leiterin des Gesundheitsamts. Der bundesweite Trend der Covid-19-Infektionen weist nach oben, erst Donnerstag wies das Robert-Koch-Institut mit mehr als 11.000 gemeldeten Neuinfektionen einen neuen Tagesrekord aus. Das gibt auch Carmen Menzel, Leiterin des Gesundheitsamts, und Landrat Hermann Luttmann zu denken, die zur am gleichen Tag Pressekonferenz eingeladen hatten.

Die gute Nachricht: In den vergangenen Wochen sei man mit den bekannten Clustern in Gnarrenburg und Westertimke zurechtgekommen, die Allgemeinverfügung des Landkreises habe in Gnarrenburg „ganz gut gewirkt“, bereits eine Woche später seien die Infektionszahlen dort deutlich zurückgegangen, teilt Menzel mit. Mittlerweile könne man die Fallentwicklung, die auf eine private Feier zurückgeht und durch viele Sozialkontakte begünstigt werde, deutlich eindämmen. In Westertimke habe die Personenzurückverfolgung dem Gesundheitsamt viel Arbeit gemacht. Der Christengemeinde sind bis zur Vorlage eines akzeptablen Hygienekonzepts alle Treffen untersagt, allerdings dauere es nicht mehr lange, bis entsprechendes Konzept vorliegt.

Aber: „Auch wir müssen mit einer Zunahme der Fälle rechnen“, prognostiziert Menzel. Grund für diese Einschätzung ist die steigende Zahl der Einzelfälle in den Städten sowie Einheits- und Samtgemeinden. Die Leiterin des Gesundheitsamts spricht von einem „diffusen Wachstum“: Lediglich Fintel kommt noch ohne aus, die anderen zwölf Teilbereiche des Landkreises rangieren, abgesehen von bekannten Hotspots, zwischen einem und acht Fällen, wie sich den öffentlich zugänglichen Zahlen der Behörde auf ihrer Internetseite entnehmen lässt. Demnach gibt es aktuell 79 Infizierte. Von der Gesamtzahl von 424 Fällen sind 342 wieder genesen. Rund 300 Kontaktpersonen befinden sich in Quarantäne (Stand 23. Oktober, 12 Uhr).

„Mittlerweile sind nicht nur Einzefälle nicht mehr verfolgbar, hier bleibt unklar, wo eine Ansteckung erfolgte“, heißt es dazu in der Pressemitteilung des Landkreises. Das Gesundheitsamt geht davon aus, dass die Fallzahlen analog zum Bundestrend auch im Landkreis Rotenburg steigen. Es sei damit zu rechnen, dass sich daraus auch mehr Krankenhausaufenthalte entwickeln. Aktuell sind drei Infizierte in stationärer Behandlung, einer auf der Intensivstation. „Wir werden nicht Bilder bekommen, wie wir sie aus Italien kennen. Davon sind wir weit weg. Wir haben es jetzt in der Hand, das zu verhindern“, sagt Landrat Hermann Luttmann.

Vor diesem Hintergrund macht Menzel deutlich, dass die Kapazitäten des Gesundheitsamts begrenzt sind: „Wir sind quasi 24 Stunden am Tag im Einsatz, unsere Kräfte sind endlich – auch, wenn wir aus allen Ecken Verstärkung suchen. Wir arbeiten unter maximaler Belastung. Aber wir bekommen zum Glück auch ordentlich Bewerbungen. Das zeigt die Bereitschaft, mit anzupacken“, so Menzel. Die Personennachverfolgung funktioniere noch, mittlerweile gehe der Trend aber zu Verzögerungen. Sollte die Zahl der Neuinfektionen so groß werden, dass das Kontaktpersonenmanagment nicht mehr umfassend erfolgen kann, will die Behörde das Augenmerk auf die besonders gefährdeten Personengruppenlegen, wie es in der hauseigenen Pressemeldung heißt. Der Landkreis vermutet, dass das bei einem Sieben-Tage-Inzidenzwert von 100, also beim relativen Fallaufkommen von 100 pro 100.000 Einwohner in einer Woche, der Fall sein könnte. „Wir stellen uns darauf ein, dass wir uns dann auf den vulnerablen Bereich wie Pflege- und Altenheime konzentrieren“, erklärt Menzel. Aktuell liegt der Wert mit 20 bis 25 unter der 35er-Marke.

Den eigenen Umgang mit der Pandemie in seinen Bildungseinrichtungen bewertet der Landkreis positiv. „Die Übertragung in Schulen und Kitas erfolgt selten. Das ist ein gutes Signal, denn wir können deshalb davon ausgehen, dass die dortigen Hygienekonzepte gut funktionieren“, sagt die Leiterin des Gesundheitsamtes. Bei bisher mehr als 300 Tests in Grundschulen sowie fünfte bis achte Klasse gab es laut Behörde vier positive Fälle, bei mehr als 100 Tests in Kitas einen. „Der Landkreis verfolgt deshalb das Konzept, die Schulen und Kitas offenzuhalten und bei einem Aufkommen von Fällen einzelne Gruppen beziehungsweise Kohorten zu isolieren und gegebenenfalls weitere Maßnahmen wie Masken tragen oder Wechselschichten anzuordnen“, heißt es in entsprechender Pressemeldung.

Damit der Sieben-Tage-Inzidenzwert nicht stark steigt, sei jeder Einzelne gefragt. „Hygiene und Kontaktreduktion sind da die Mittel der Wahl“, sagt die Chefin des Gesundheitsamts und fügt hinzu: „Wenn man die Kontaktpersonen an einer Hand abzählen kann, hat das gute Chancen, das Infektionsgeschehen zu vermindern“. Zudem erinnert sie daran, wie effektiv das Händewaschen ist: „Das ist ein alter Hut, und gerät gern in Vergessenheit, aber Händewaschen ist eine ganz wesentliche Maßnahme“.

Außerdem sei aktuell „nicht die Zeit für Partys“, mahnt die Leiterin des Gesundheitsamtes an. Auch der Landrat appelliert in diesem Zusammenhang an die Verantwortung jedes Einzelnen. „Ich will nicht, dass die Polizei zum Einsatz kommt, um die Corona-Regeln auf privaten Feiern zu kontrollieren, und ich will auch nicht das Denunziantentum befördern. Es geht um eigenveantwortliches Handeln: Da müssen die Leute jetzt selbst gucken“. Corona werde nicht innerhalb von zwei Monaten verschwinden, aber jetzt habe man die Gelegenheit sicherzustellen, noch milde durch den Winter zu kommen.

Autor

Andreas Schultz Andreas Schultz
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