Krebsscheren sind beliebte Zierpflanzen und mögen es gesellig - Von Christiane Looks

Weg vom Schweinefutter

Krebsscherengesellschaft. Foto: Joachim Looks
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Eversen. Unser erstes Auto war ein Citroen 2 CV. Aus dem hohen Norden Deutschlands in das Ruhrgebiet gezogen, knüpften wir Bekanntschaften zu anderen über dieses charmante französische Fahrzeug. 1968 hatte sich in Köln ein Citroen-Club gegründet. Mitglieder dieses Clubs lebten in unserer Nähe. Sie fuhren „Ente“, wie das kultige Fahrzeug liebevoll genannt wird, und sprachen uns an, ob wir nicht Interesse hätten, an ihrem Enten-Club teilzunehmen, einem Ruhrgebiets-Ableger des Citroen-Clubs.

Als es uns dann nach wenigen Jahren in Nordrhein-Westfalen wieder nach Norddeutschland in das Bremer Umland zog, schlossen wir uns den 2 CV-Freunden Bremens an, um neue Entenfreunde kennenzulernen. Zu ihnen zählten zwei Oberneuländer, die in einem ideenreich zur Wohnung umgebauten, ehemaligen Blumenladen wohnten. Durch sie lernten wir nicht nur Bremens Osten kennen, sondern erfuhren, dass seit den 1960er Jahren Bemühungen, das von holländischen Siedlern im 12. Jahrhundert nutzbar gemachte „Hollerland“ in Bauland zu verwandeln, regelmäßig daran scheiterten, dass hier Wachtelkönig und Schlammpeitzger ihr Zuhause haben. Beide sind geschützte Tiere und nur schwer nachzuweisen, da sie sich gut verbergen. Schlammpeitzger, eine seltene Fischart, bleiben tagsüber lieber im Schlamm von Gräben und gehen erst mit der Dämmerung auf Nahrungssuche, wenn Tagaktive sich zurückziehen. Der Wachtelkönig, ein sehr verborgen und einzelgängerisch lebender Vogel, ruft nachts. Nur bei regnerischem Wetter ist sein Ruf gelegentlich auch tagsüber zu hören. Wer hat da schon Lust, einem Wachtelkönig zu lauschen, zumal der Ruf so klingt, wie wenn mit den Daumennagel über grobe Kammzähne gestrichen wird? Wachtelkönige sind keine Gesangskonkurrenten zu Singdrossel und gar Nachtigall!
Und dann waren da auch noch Krebsscheren, eine Wasserpflanze mit gesägt-stacheligen Blättern, die an Aloen erinnern und deshalb auch Wasseraloe genannt werden. Sie bedeckten flächig ganze Gräben des Hollerlands, sodass sich grüne Schwimmteppiche bildeten.
Krebsscheren sind nur während des Sommerhalbjahres an der Wasseroberfläche zu sehen. Im Herbst sinken die Pflanzen in schlammigen Untergrund ab und bilden dort Winterknospen. Diese steigen im nächsten Frühjahr auf, und es entstehen neue Pflanzen. Das Herz alter Pflanzen schwimmt ebenfalls wieder auf und wächst weiter. Krebsscheren haben ihren Namen, weil die Pflanze über sogenannte Hochblätter verfügt, die oberhalb üblicher Laubblätter stehen und an die Scheren von Krebsen erinnern. Die Wasserpflanze bildet Ausläufer in den Blattachsen, die sich mit Ausläufern anderer Krebsscheren verhaken und ganze Teppiche bilden können. Gern wurde dieses in vergangenen Zeiten nicht gesehen, weil die Massenentwicklung von Ausläufern zu viel Biomasse führt und Verlandungen fördert. Die Bestände wurden dezimiert, auch weil sie Schweinen als Nahrung dienten und wegen ihres hohen Kalium- und Phosphorgehalts als Gründüngung zu nutzen waren. So verschwanden sie aus Fischteichen und Gräben. Heute steht die Krebsschere unter Schutz. Sie kommt in Norddeutschland vor allem im Raum Bremen/Wesermarsch vor, ist aber auch im Landkreis Rotenburg vertreten.
Krebsscheren sind beliebte Zierpflanzen für Gartenteiche und können in gut sortierten Gärtnereien erworben werden. Zwei Meter Wassertiefe stellen für die Pflanze kein Problem dar, jedoch sollte ein Teich nicht zu klein sein, weil die zweihäusige Pflanze vermehrungsfreudig ist. Zwar zeigen sich von Mai bis Juli kleine Blüten an weiblichen Pflanzen, die Samen bilden, für die Vermehrung sind aber vor allem Ausläufer wichtig. Die Krebsschere mag nicht nur schlammige Gewässer, sie dürfen gerne auch nährstoffreicher sein und sonnig. Bei solchen Bedingungen bewährt sie sich als natürlicher Wasserfilter, weil sie dem Wasser Nährstoffe entzieht.
Nachdem wir lange Zeit mit der Qualität unseres Gartenteichwassers nicht zufrieden waren, haben wir Krebsscheren in den Teich gesetzt, die aus einem anderen Garten erfolgreich zu uns umzogen. Der Erfolg ließ nicht lange auf sich warten. Der Teich überzeugt heute mit klarem Wasser trotz schlammigen Untergrunds. Die Pflanzen fühlen sich sehr wohl und vermehren sich gut. Mittlerweile geben auch wir Krebsscheren ab, weil sie ohne Eingreifen die Wasseroberfläche restlos ausfüllen würden. Sie mögen es halt gesellig.
Werden Krebsscheren abgegeben, empfiehlt es sich, dicke Handschuhe anzuziehen, denn die Blätter sind wirklich messerscharf, eben gesägt! An ihrem neuen Standort entwickeln sich die Pflanzen am besten, wenn sie zunächst im Randbereich eines Teiches ausgesetzt werden, wo sie geeignetes Wurzelwerk bilden. Später können sie dann in tieferes Wasser übersiedeln, in dem sie sich frei schwimmend einrichten.
Spannend wird es im Sommer, wenn Großlibellen nach ihrer Larvenentwicklung an Krebsscherenblättern schlüpfen. Diesen Zeitpunkt warten hungrige Vögel geduldig ab, um sich frisch geschlüpfte Libellen zu greifen und hinunterzuschlingen. Erstaunlich, dass selbst Spatzen dabei heftig flügelschlagend Erinnerungen an deutlich zierlichere Kolibris zu wecken vermögen. Ob die räuberischen Schein-Kolibris dabei beachten, dass sich unter den Libellen die geschützte Grüne Mosaikjungfer für ihre Vermehrung eng an die Krebsschere gebunden hat – sie ist bei ihrer Eiablage auf genau diese Pflanze spezialisiert – war noch nicht zu beobachten, weil an unserem Gartenteich vor allem die häufig anzutreffende Blaugrüne Mosaikjungfer zu Hause ist.

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