Kita-Streik: Landrat Luttmann fordert Eltern auf, Druck zu machen - Von Nina Baucke

Auf dem Rücken der Familien

Demonstration zu Beginn des Streiks: Arbeitskampf auf dem Rücken der Familien?
 ©Dennis Bartz

Landkreis Rotenburg. Wenn die Kommunen auf der einen und die Gewerkschaft Verdi auf der anderen Seite bei ihren Positionen bleiben, dann geht Montag der Streik der Erzieher im öffentlichen Dienst in die dritte Woche. Rotenburgs Landrat Hermann Luttmann hofft nun auf die Eltern – sie sollten Druck ausüben, „auf beide Seiten“, wie er ausdrücklich betont.

Seit zwei Wochen stehen an jedem Werktag berufstätige Eltern vor dem Spagat, Urlaubstage zu nehmen oder alternative Betreuungsmöglichkeiten aufzutun – von selbst im Privaten organisierten Gruppen, in denen die Eltern als Betreuer einspringen, bis hin zu Notgruppen der Kommunen.

Es sind gerade die Familien, auf deren Rücken nach Ansicht Luttmanns der Arbeitskampf ausgetragen wird. „Der Streik entwickelt sich für sie immer mehr vom Ärgernis zur Belastung“, so der Landrat. Grundsätzlich schätzten er und die Kommunen die hochwertige und qualifizierte Arbeit der Erzieher. „Wir haben ja auch erhebliche Anstrengungen unternommen, um die Betreuung sicherzustellen. Und ich stütze die Forderung der Kindertagesstätten nach einer dritten Kraft. Das ist vollkommen berechtigt.“ Arbeitskampfmaßnahmen sollten eigentlich das letzte Mittel sein, so Luttmann, „aber in diesem Fall war das von Anfang an so.“

Er sieht sich selbst ungerechtfertigterweise in der Kritik, die aufkam, als er aus Termingründen nicht bei der Demonstration am 19. Mai in Rotenburg anwesend gewesen war: „Es wurde geschimpft, weil ich nicht da war. Hätte ich einen Vertreter geschickt, wäre geschimpft worden – und wenn ich da gewesen wäre, ebenso“, bemerkt Luttmann. Er forderte zugleich die Kommunen auf, das, was ihnen der Landkreis für die Kinderbetreuung zahlt, pauschal den Eltern zu erstatten. „Das ist zwar rechtlich nicht geprüft, aber eine politische Bitte – und den Eltern gegenüber einfach nur fair.“

2009 hatten Kommunen und Gewerkschaften eine gesonderte Gehaltstabelle vereinbart. „Bis heute sind die dort vereinbarten Gehälter um bis zu 30 Prozent gestiegen“, erklärt Luttmann. „Dass es da einen Nachholbedarf gibt, kann ich nicht erkennen. Zumal Kirchen und andere freie Träger von Kindertagesstätten oft sogar weniger zahlen.“

Am Verhandlungstisch tut sich nach Aussage Luttmanns derzeit wenig: Die kommunalen Arbeitgeber machen Verbesserungsvorschläge, lehnen aber die von Verdi geforderten zehn bis 20 Prozent mehr konsequent ab, während auch die Gewerkschaft nicht von ihren Positionen abweicht. „Verdi sollte vernünftig werden. Wenn sich die geforderten Tarife durchsetzen, sind das zusätzliche Kosten für die Kommunen bundesweit in Höhe von 1,2 Milliarden Euro jährlich“, so der Landrat. „Und das können wir nicht leisten.“

Derzeit wendet der Landkreis Rotenburg Luttmanns Angaben nach jährlich netto 7,2 Millionen Euro für die Kinderbetreuung auf. Wenn Verdi sich tatsächlich durchsetzt, ist laut dem Verwaltungschef die Konsequenz klar: „Das wird Auswirkungen auf die Gebühren haben, die die Eltern entrichten müssen.“

Autor

Nina Baucke Nina Baucke
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