Gastronomen-Meisterschaft am Zevener Bildungszentrum - Von Nina Baucke

Aufregung mit Vorsuppe

Sarah Ahrens verpasst ihren Tellern den letzten Schliff.
 ©Nina Baucke

Zeven. Bei Karina Ewald gibt es Wolfsbarsch auf Zucchini-Paprika-Gemüse, Kürbis-Curry-Suppe mit Garnelenspieß, Zweierlei vom Kalb an Kalbsjus, gebratene Champignons und Parmesan-Risotto sowie eine Schokoladen-Bayerische-Crème an Kirschkompott. Eine Woche lang hat die 21-Jährige zu Hause an ihrem Menü gefeilt. „Das hier ist die pure Aufregung“, bemerkt sie. „Aber es ist ein schöner Stress.“ Sie ist eine von 24 Teilnehmern an der Schulmeisterschaft der Gastronomen am Kivinan-Bildungszentrum in Zeven.

Jedes Jahr schreibt die Schule den Wettbewerb aus, teilnehmen dürfen die jeweils acht Auszubildenden des dritten Lehrjahres aus den Bereichen Koch, Hotel- und Restaurantfach, die etwa ein halbes Jahr vorher von 20 Schülern jeder Sparte einen Theorietest als Beste bestanden haben. Für den Wettbewerb geht es dann an die Praxis: Aus einem festgelegten Warenkorb mit Pflichtkomponenten müssen die Köche ein dreigängiges Menü inklusive eines Appetitanregers kreieren. „Und gerade dieses Kreativ-Sein macht Spaß. Schließlich ist kein Gast wie der andere“, findet Ewald. Trotz Kreativität hat sie einen Ablaufplan im Kopf, dem sie beim Kochen folgt. Denn auch der spielt bei der Bewertung eine Rolle.

„Der letztendliche Geschmack des Essens und das Aussehen des Tellers machen nur einen kleinen Teil der Gesamtwertung aus“, erklärt Klaus Franke, Juror und Studienrat am Kivinan-Bildungszentrum. Die Liste mit den einzelnen Kriterien ist drei DIN-A4-Querseiten lang: die Strukturierung der Arbeitsvorgänge, wie die Teilnehmer ihre Lebensmittel lagern, die Garzeiten beachten und ihren Arbeitsplatz einrichten. „Vor allem Hygiene ist wichtig“, sagt Franke. Von der sauberen Kleidung über abgedeckte Wunden bis hin zum Wechsel der Schneidebretter. Sehen die Juroren, dass ein Teilnehmer im Chaos zu versinken droht, greifen sie ein. Das bringt allerdings einen Punktabzug für den Schüler mit sich.

Wie Karina Ewald steht auch Umut Kaya seit 13 Uhr in der Küche des Bildungszentrums. Als er die letzten Teller des Hauptganges zur Durchreiche gebracht hat, beginnt er zielstrebig damit, Schokoladenauflauf auf Desserttellern anzurichten. „So ein Wettbewerb ist schon was Cooles: Im Betrieb sind immer noch Kollegen dabei, hier will und muss ich es alleine schaffen.“ Auch der 19-Jährige hat sein Menü mit Wolfsbarschtatar und Kalbsrückensteak mehrmals geprobt.

Während in der großen Küche ein Chor aus Rufen, Töpfeklappern und dem Zischen des Gemüses in den Pfannen die akustische Kulisse bildet, ist der Klangteppich nur einen Raum weiter deutlich dezenter: leise Gespräche und das Klappern von Besteck. Dort fühlen heute die Hotel- und Restaurantfachleute ihren Fähigkeiten auf den Zahn, und das Schulungsrestaurant ist ihr Revier des Abends. „Magische Momente im Varieté“ ist das Motto des Wettbewerbs, der sich in der Vorbereitung und in der Tischdekoration wiederfinden soll. „Zuerst stand ich bei Null, bis ich mich dann schlau gemacht habe“, sagt Anna-Katharina Funez-Recarte. Bis zuletzt beim Aufbau feilt die 28-Jährige an ihrem Konzept. „Ich hatte zwar einen Plan, aber wenn ich es dann in der Wirklichkeit umsetze, gefällt mir das ein oder andere dann doch anders besser.“ Das Motto spiegelt sich bei ihr in einer roten Tischdecke und einem üppigen Blumengesteck in Rot und Schwarz wieder. Zwei Tische weiter hat Sarah Fröhlich mit Trockeneis und Lebensmittelfarbe experimentiert. „Leider gefriert mir das Wasser ständig, jetzt muss ich mit etwas Wärme nachhelfen“, bemerkt die 22-Jährige mit einem Lachen. Die angehende Restaurantfachfrau ist etwas aufgeregt, „die Gäste sind aber sehr nett“.

Es ist eine bunte Mischung aus Lehrern, Stadtprominenz, Eltern und teilweise auch Ausbildern, die sich einen Abend lang von den Schülern bekochen und bedienen lassen. Dabei steht der Wettbewerb nicht allein für sich: Denn im kommenden Frühjahr und Sommer legen die 24 Schüler ihre Abschlussprüfung ab, für sie dient daher die Schulmeisterschaft als Testlauf.

„Das ist schon mal ein kleiner Einblick in das, was uns bei der Prüfung erwartet“, sagt André Ahrens. Gemeinsam mit Anna-Lena Mahlmann betreut er einen Tisch an der Seite. Zu den Aufgaben der Hotelfachleute gehört es, neben dem Eindecken zum Varieté-Motto auch ein Rahmenprogramm zu schreiben und Empfangsgetränke für die Gäste vorzubereiten. „Dafür braucht es schon einiges an Fantasie“, finden die beiden 19-Jährigen. „Es geht darum, ein Gefühl für jeden Gast zu entwickeln und die richtige Balance zwischen Aufmerksamkeit und Zurückhaltung zu finden.“

Einen Einfluss auf die Note hat der Wettbewerb nicht. „Aber die Schüler nehmen diese Sache schon sehr ernst“, sagt Studienrätin Helena Henking-Lühring. „Man merkt ihnen und ihren Konzepten an, dass sie sich sehr viele Gedanken gemacht haben. Da steckt schon ein bisschen was dahinter.“ Für Anna-Katharina Funez-Recarte ist das eine gute Vorbereitung auf den Abschluss, betont sie. Eine gute Möglichkeit, sich einzuschätzen, findet auch Sarah Fröhlich. „Jeder wünscht sich sicher, zu gewinnen, aber für mich ist die Hauptsache, dabei zu sein.“ So sieht es auch Umut Kaya. „Allein hier mitzumachen ist schon eine Ehre“, ist der angehende Koch überzeugt. Karina Ewald ist der olympische Gedanke allerdings nicht genug: „Es heißt zwar, Dabeisein ist alles, aber wenn ich nicht gewinnen will, brauche ich nicht mitzumachen.“

Die Schulmeister stehen fest: Rebecca Wüstehube setzte sich beim Endergebnis bei den Restaurantfachleuten durch, Sarah Ahrens bei den Köchen und Anna-Lena Mahlmann bei den Hotelfachleuten. Die drei Auszubildenden vertreten das Kivinan-Bildungszentrum Zeven im April bei der Landesmeisterschaft in Göttingen.

Autor

Nina Baucke Nina Baucke
 04261 / 72 -433
 nina.baucke@rotenburger-rundschau.de

28.02.2021

Landpark Lauenbrück

12.02.2021

Winterlandschaft in Rotenburg

22.12.2020

Weihnachtsbilder

29.10.2020

Herbstfotos der Leser