Wilfried Behrens über den verstorbenen Claus Riebesehl - Von Alina Lyuleeva

Ein Werk, das bleibt

Wilfried Behrens ist der zweite Nachfolger von Claus Riebesehl. Foto: Alina Lyuleeva
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Fintel. 25 Jahre – von 1986 bis 2011 – war Claus Riebesehl Bürgermeister in Fintel, doch seine Spuren sind in der Gemeinde heute noch sichtbar. Wilfried Behrens, amtierender Bürgermeister von Fintel, spricht in einem Interview über konträre Positionen mit Konfliktpotenzial, aber auch über die Verdienste seines Vorgängers, der vor Kurzem im Alter von 85 Jahren starb.

Herr Behrens, haben Sie ein Beispiel, wo Ihre Meinungen mit denen von Claus Riebesehl komplett auseinandergingen?

Wilfried Behrens: Landläufige Meinung Anfang der 90er-Jahre war: Wir brauchen auf dem Dorf keinen Kindergarten. Diesen Standpunkt hat Herr Riebesehl über lange Zeit zusammen mit seiner Fraktion der CDU vertreten, während die Eltern der Umgebung und auch die Fraktion der SPD dafür geworben haben, einen neuen Kindergarten zu errichten. Zu dieser Entscheidung musste Riebesehl unter dem Druck der Eltern der Region zwar hingeleitet werden, löste die hitzige Diskussion zu dem Thema aber großartig, sodass es 1991 zu der Errichtung eines neuen Kindergartens in Fintel kam.

Umbau der Gemeindestraßen, Dorferneuerung in den 1980er-Jahren, der Kauf des Heimathauses und ein neuer Fußballplatz für Fintel – wie gelangen Claus Riebesehl diese Erfolge?

Behrens: Er schaffte es immer, Leute zusammenzuführen, gemeinsam arbeiten und denken zu lassen. Er war als Landwirt immer vor Ort und überall bekannt. Heutzutage wissen manche Leute nicht, wer der Bürgermeister ist. Bei Claus Riebesehl war es anders.

Was ist das Geheimnis von 25 Jahren Bürgermeisteramt?

Behrens: Man sagt den Landwirten die sogenannte „Bauerschläue“ nach, dass sie in irgendeiner Weise auf Gedanken kommen, auf die ein anderer gar nicht kommen würde. Diesen Begriff möchte ich nach vorne stellen. Denn er hat zu vielen Dingen Wege gefunden, bei denen man dachte, das geht ja wohl gar nicht – aber doch! Das ist eine typische Eigenschaft von den Landwirten seiner Art. Er ist noch aus der Zeit, wo noch viel Handarbeit auf dem Hof gemacht wurde.

Haben auch Sie vor den 25 Jahren Erfolgsgeschichte nachzueifern?

Behrens: Ich habe keinen festen Plan, nein. Wenn alles gut ist und es gewünscht wird, dann stehe ich selbstverständlich zur Verfügung. Aber letztendlich entscheidet der Wähler. Es kann sein, oder auch nicht, dann wird jemand anderes Bürgermeister von Fintel. Ich bin jetzt 70 und man kann so langsam abschätzen: bis dahin, weiter geht das dann auch nicht. Vielleicht wird es dann mal an der Zeit, dass man einen jüngeren Kandidaten für dieses Amt gewinnt. Allerdings ist es nicht so leicht, denn diese Arbeit ist ehrenamtlich und die Wahl findet alle fünf Jahre statt.

2011 endete die Amtszeit von Claus Riebesehl ...

Behrens: Er hatte die Wahl eindeutig verloren, das muss man so sagen. Erstmalig gab es eine andere Mehrheit, daraufhin ist Rüdiger Bruns Bürgermeister geworden. Das hat sicherlich einige Gründe, aber auf Einzelheiten möchte ich nicht eingehen. Es ist mir wichtig zu verdeutlichen, dass die Amtszeit von Claus Riebesehl insgesamt als sehr positiv angesehen werden muss und auch sein Nachfolger Bruns und ich auf eine Weise am gleichen Strang ziehen. Vielleicht etwas anders gesteuert, eine etwas abweichende Richtung. Aber mit dem gleichen Ziel, das Dorf so zu entwickeln, dass wir zukunftsfähig bleiben, dass die Infrastruktur erhalten bleibt und möglichst verbessert wird. Auch die Erweiterung des Edeka-Marktes ist ein Thema, zu dem momentan die Pläne entwickelt werden.

Also setzen Sie seine Arbeit fort?

Behrens: In seinem Sinne – ja. Ich versuche, möglichst Einigkeit zu erzielen, alle Entscheidungsträger mitzunehmen bei den wichtigen Dingen. Das ist das Ziel. Es gelingt nicht immer, aber das oberste Gebot ist, dass alle im Nachhinein sagen können: Damit können wir gut leben. Das muss auch sein, um den allgemeinen Dorffrieden zu erhalten. Das ist wichtig, auch wenn sich hier und da sich mal jemand auf den Schlips getreten fühlt. Das war Claus Riebesehl durchaus auch so.

Würden Sie ihn als eine eher entschlossene Persönlichkeit beschreiben?

Behrens: Ja, er hatte ein sehr breites Kreuz, stand immer zu dem, was er gesagt hat und hatte auch sein gewisses Durchsetzungsvermögen. Er hat ab und an auch mal auf den Tisch gehauen und gesagt: Leute, so geht’s jetzt und fertig. Das ist absolut als eine positive Eigenschaft anzusehen. Ich habe sehr gern mit ihm gearbeitet, die ganze Zeit. Er wollte zwar fortlaufend informiert werden, aber bei Kleinigkeiten erwartete er eigenständige Entscheidungsfindung, Handeln und Verantwortungsübernahme in seinem Team. Ich habe hier prima Mitarbeiter und auch beim Bauhof kräftige Unterstützung. Besonders in der Verwaltung brauche ich hier und da tatkräftige Hilfe, aber das war auch bei Claus Riebesehl der Fall. Da sind wir uns ähnlich. Nur bei den repräsentativen Aufgaben, wie Reden halten, da habe ich vielleicht einen kleinen Vorsprung.

Es heißt, Claus Riebesehl ging immer mit der Zeit. Nun ist die Zeit nahezu zehn Jahre später allerdings durchaus schnelllebiger geworden. Wie kommen Sie damit zurecht?

Behrens: Im Allgemeinen gibt es viele Themen, die gefordert sind. Zum Beispiel auch die Breitbandversorgung, die allerdings nicht allein in unserer Hand liegt. Seit 2012 sind wir mit dem Landkreis dran und das Programm geht weiter. Bis 2021/2022 sollen die letzten auch noch so weit entferntesten Fleckchen versorgt werden. Fördertöpfe für verschiedene Projekte sind auf jeden Fall da.

Was an der Zusammenarbeit mit Claus Riebesehl hat Ihrer Meinung nach Ihre Arbeit als Bürgermeister am meisten geprägt?

Behrens: Ich würde vor allem die Liebe zur Heimat, zum eigenen Dorf in den Vordergrund stellen. Darüber hinaus habe ich vor allem die Strategie der klaren Linie, der klaren Vorgaben zu schätzen gelernt. Bei Claus Riebesehl gab es immer einen klaren Kurs, diese Arbeitsweise habe ich gern übernommen. Er war gradlinig und ist immer korrekt vorgegangen, das hat ihn ausgezeichnet. Man will ja nicht unbedingt kopieren, aber die vorgegebene Richtung ist durchaus ein Ziel, egal welche Partei dahintersteht. Ein Dorf ist ein Dorf und da geht es in erster Linie um das Dorf. Claus Riebesehl war ein großartiger Mann. Er hat 25 Jahre hier die Verantwortung gehabt, und auch, wenn seine Amtszeit 2011 endete – das, was er bewältigt hat, das bleibt.

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