Neuer Finteler Gasthof kämpft ums Überleben

Hilfen greifen nicht

Jetzt ist er wieder offen und doch schon wieder zu. Aber Essen "To Go" bietet die "Heidjer Genussküche" trotz Corona für alle Gäste an. Foto: Judith Tausendfreund
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Fintel. Gerade erst war der neue Name gefunden: Statt Gasthof Röhrs heißt das Restaurant nun „Gasthof Fintel – Die Heidjer Genussküche“. Viele Monate hatten sich die Vorbereitungen gezogen, denn der ehemalige Gasthof Röhrs in der Dorfmitte stand lange Zeit leer. Um das zu ändern, hatte sich noch in 2019 sogar eine eigene Genossenschaft gegründet, die Initiativgruppe „Dorfmitte Fintel“. Denn das Lokal ist seit mehr als 100 Jahren Zentrum des dörflichen Miteinanders – dementsprechend bedeutsam ist den Fintelern, dass es weiter besteht. Im Oktober war es soweit, der neue Pächter Denny Thoms unterschrieb den Vertrag und beschloss, am 1. November zu eröffnen.

Dann kam es am 2. November zum erneuten Lockdown und somit auch zur Schließung der Gastronomie kam. Thoms ist bitter enttäuscht und fühlt sich von der Bundespolitik maßlos im Stich gelassen: „Da werden einfach alle Gründer direkt in die Insolvenz geschickt“. Denn, auch wenn es diverse Überbrückungsgelder und Hilfspakete gibt, für ihn greifen alle Maßnahmen nicht. Einen durchschnittlichen Umsatz aus dem Jahr 2019? Fehlanzeige, da gab es seinen Laden noch nicht. Auch andere Hilfsprogramme sind ihm nicht bekannt, er erhält keinerlei Unterstützung.

Momentan hält sich der Gastwirt nur noch mit Privatdarlehen und eigenen Mitteln über Wasser. „Ich rechne damit, dass wir den Rest des Jahres nicht mehr öffnen dürfen. Im Januar und Februar sind erfahrungsgemäß kaum Umsätze zu machen. Bis März bin ich dann so weit, dass ich schließen muss“, befürchtet er. Er weiß, wovon er redet, Thoms ist erfahrener Gastronom.

„Als ich den Pachtvertrag unterschrieben habe, sind wir aber davon ausgegangen, dass wir bis zu 100 Personen bewirtschaften dürfen“, so seine Ausgangssituation noch im Oktober. Dementsprechend hat er den Mietvertrag für den Gasthof samt zugehöriger Wohnung unterzeichnet. Zwei Wochen später sieht die Lage ganz anders aus. „Für mich ist das ein Todesstoß.“. Zwar bietet Thoms eine Außer-Haus-Küche an, doch die eigentlich geplanten Umsätze sind so kaum zu generieren.

Hinzu kommt, dass Thoms investiert hat: Neue Möblierung, ein anderer Tresen, ein neuer Herd und vieles mehr schaffte er an – und doch steht er jetzt im Grunde vor dem Aus. Schon während des ersten Lockdowns hatte er seinen damaligen Mitarbeitern aus eigener Tasche das durch Kurzarbeit gekürzte Gehalt aufgestockt. Auch jetzt beschäftigt er zwei Angestellte. „Eigentlich hat das Arbeitsamt mir geraten, die Leute erst gar nicht anzustellen“, berichtet der verzweifelte Unternehmer.

Die Genossenschaft unterstützt ihn, doch zaubern kann man auchdort nicht. Die Gemeinde selber kann ebenfalls nicht eingreifen, denn eine Kommune darf nicht wirtschaftlich agieren. Nun hat sich Thoms an Lars Klingbeil, Bundestagsabgeordneter der SPD, und an Eike Holsten, Landtagsabgeordneter der CDU, gewandt. Erste Gespräche wurden geführt, beide Politiker haben zugesagt, sich über Unterstützungsmöglichkeiten zu informieren.

Auch auf Facebook wurden schon einige Appelle formuliert – in den Foren geht es um Spenden und andere Ideen. Diese können auch einfach darin bestehen, fleißig in der Heidjer Genussküche Essen zu bestellen – denn jede Einnahme zählt. Die aktuelle Karte gibt es unter www.gasthof-fintel.de und auf www.facebook.com/gasthoffintel.

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