Landpark in Lauenbrück leidet unter Corona-Folgen - Von Dennis Bartz

„Wir lassen Federn“

Katharine und Friedrich-Michael von Schiller wollen ihren Park so bald wie möglich für Besucher öffnen.
 ©Foto: Dennis Bartz

Lauenbrück. Die Sikahirsche, Tarpanpferde und Auerochsen-Kuh Brunhilde grasen entspannt in der Sonne, während die Ziegen vergeblich auf Streicheleinheiten von Besuchern und die Esel auf den nächsten Ausritt warten. Der Landpark in Lauenbrück ist seit dem 2. November coronabedingt geschlossen – und bleibt es bis mindestens zum 15. März. Ob und wie es danach weitergeht, wissen die Geschäftsführer Katharine und Friedrich-Michael von Schiller nicht: „Aufgrund der steigenden Fallzahlen gehen wir nicht davon aus, dass wir im März wieder eröffnen dürfen.“

Ungeachtet der ungewissen Situation und trotz der aufgrund fehlender Besuchereinnahmen zunehmend angespannten finanziellen Lage läuft der Tagesbetrieb hinter den geschlossenen Toren weiter. „Wir können die Tiere ja nicht in Kurzarbeit schicken. Sie müssen weiter versorgt und die Wege, Gehege und Beete weiter gepflegt werden. Wir arbeiten jeden Tag so, als würden wir am nächsten wieder eröffnen“, erklärt das Ehepaar von Schiller. Es beschäftigt zwei Mitarbeiter im Büro, vier weitere im Park. Gruppen der Lebenshilfe unterstützen bei der Gartenarbeit und der Tierpflege.

Anders als noch beim ersten Lockdown vor knapp einem Jahr, als das Landpark-Team motiviert neue Projekte entwickelt hatte, wachsen inzwischen der Frust und das Unverständnis über die Entscheidungen der Politik. „Wir halten es für falsch, wenn wir genauso eingestuft werden wie beispielsweise der Zoo in Berlin. Wenn ein Eisbärbaby geboren wird, herrscht dort natürlich ein großer Menschenandrang. Wir dagegen sind ein gesunder Naturpark mit Tieren. Hier können sich die Menschen an der frischen Luft erholen. Uns stehen 250.000 Quadratmeter Parkanlage zur Verfügung, umgerechnet also so viel wie etwa 35 Fußballfelder. Wir haben ein Hygienekonzept entwickelt, das es in Stadtparks und anderen öffentlichen Anlagen nicht gibt. Dort tummeln sich derzeit die Menschen bei schönem Wetter. Wir sind dazu in der Lage, die Hygienemaßnahmen sogar noch weiter zu verschärfen, wenn das nötig wäre: mit Einbahnstraßen-Regelungen im Park, begrenzten Besucherzahlen und festen Zeitfenstern, die online gebucht werden“, berichtet Katharine von Schiller.

Das vergangene Jahr habe nicht nur viel Kraft gekostet, sondern auch die finanziellen Reserven zu einem großen Teil aufgebraucht. „Wir mussten Federn lassen“, erklärt Friedrich-Michael Schiller und rechnet vor: „1.000 Euro kostet der laufende Betrieb pro Tag während des Lockdowns, also etwa 30.000 Euro im Monat. Mit den Besuchereinnahmen fehlt uns jedoch ein wichtiger Posten. Im Frühling und Sommer holen wir uns normalerweise ein finanzielles Polster für den Winter, in dem wetterbedingt geringere Besuchereinnahmen und höhere Kosten haben, weil wir mehr zufüttern müssen. Im vergangenen Jahr hatten wir wegen des Lockdowns bereits etwa 25.000 Besucher weniger, ein Minus von 25 Prozent. Wir tun gemeinsam alles, um das Kulturgut Landpark zu erhalten und wollen verhindern, dass wir langfristig die Tierbestände reduzieren müssen, aber ohne Besucher ist das nicht finanzierbar. Wir wollen auch nicht immer um Spenden betteln.“

Im Moment bleibt ihnen nichts anderes übrig. Denn der Saisonstart liegt trotz des frühlingshaften Wetters auf Eis, Pläne für Veranstaltungen wie den beliebten Landmarkt und Poetry Slam im Park sind derzeit aussichtslos. „Sobald wir mit den Planungen beginnen, ist das mit hohen Kosten verbunden. Deshalb werden wir nach dem ersten Halbjahr schauen, wie sich die Situation entwickelt. Wenn nur 300 Besucher zum Landmarkt kommen dürfen, ist ein Event in dieser Größenordnung nicht finanzierbar“, bedauert Katharine von Schiller. Zukunftsprojekte wie der Landgarten und Landfrüchte seien zudem coronabedingt ausgebremst.

Wer dem Landpark in dieser schweren Zeit unter die Arme greifen will, findet dazu zahlreiche Informationen auf der Internetseite www.landpark.de unter dem Reiter „Jetzt helfen“. Förderer haben beispielsweise die Möglichkeit, jetzt eine Jahreskarte zu kaufen – die Laufzeit beginnt erst dann, wenn der Park wieder öffnet. Zusätzlich bietet der Landpark eine lebenslange Förderkarte an. „Die Idee ist uns während der Corona-Krise gekommen. Wer sich dafür entscheidet, kann sein Leben lang so oft er will zu uns kommen“, so Katharine von Schiller. Beliebt sind auch die Patenschaften für Bäume sowie für Tiere. Die Cröllwitzer Pute gibt es beispielsweise bereits ab etwa 50 Euro pro Jahr, Esel für 160 Euro, und wer sich besonders mit dem Auerochsen verbunden fühlt, zahlt als Pate ab 200 Euro. Dafür erhält der Spender eine Urkunde mit Foto und kann sein Tier kostenlos am Gehege besuchen.

Der Landpark nutzt den Lockdown, um das neue Bieneninformationszentrum einzurichten, das voraussichtlich im Mai eröffnet wird. Das neue umweltpädagogische Konzept bietet Schülern aller Jahrgänge individuelle Workshops. „Sobald wir wieder eröffnen können, wollen wir erlebnisorientiertes Lernen unter Corona-Bedingungen ermöglichen, in Biologie, Deutsch und anderen Fächern“, betont Katharine von Schiller.

Autor

Dennis Bartz Dennis Bartz
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 dennis.bartz@rotenburger-rundschau.de

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